Segeltuch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Segeltuch (Plural: -tuche), Segelleinwand oder Segelleinen, auch Seemännisch „das Tuch“, ist ein aus starkem Garn dicht und fest gewebter Stoff.[1]

Historisches Segeltuch

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Segeltuch stammt aus der historischen Verwendung in der Schifffahrt, er bedeutet Tuch für Segel. Ursprünglich waren Stoffe für Segeltuche meist aus reinem Hanf und Leinen, aber auch aus anderen Naturfasern wie Wolle, Nesselstoff und anderen gefertigt, Baumwolle wurde erst ab Anfang des 19. Jh. verwendet.[2]

Heutige moderne Segeltuche werden fast nur noch aus verschiedenen Chemiefasern[3] hergestellt, da diese keine Nässe binden und ein geringeres Gewicht bei gleicher Haltbarkeit aufweisen. Jedoch finden auch traditionell gewebte Tuche aus Naturfasern nach wie vor ihre Anwendung.[4] Diese traditionellen Segeltuche sind auch unter den englischen Bezeichnungen Canvas sowie Duck bekannt.

Segeltuch aus PET (Dacron); Spinnaker aus Nylon.

Anforderungen und Material[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anforderungen an Segeltuche sind bedingt durch ihre Verwendung als Segel auf Segelschiffen. Wichtig bei der Herstellung sind die Reißfestigkeit, Wetterbeständigkeit, Beständigkeit gegenüber UV-Strahlung, Formstabilität und Dehnbarkeit (fachmännisch: Reck) und ein geringes Gewicht. [5] Auch haben Chemiefasern gegenüber Naturfasern Vorteile in Bezug auf die Wasserdichtigkeit durch schnelleres Trocknen, die längere Lebensdauer und die langsamere Entstehung von Stockflecken und Schimmelpilzen.

Unterschiedliche Eigenschaften erhält das gewebte moderne Segeltuch durch die Tuchkonstruktion, in dem zum Beispiel die Schußgarne stärker als die Kettgarne ausgelegt werden. Man spricht dann von einem schußorientierten Tuch. Nach dem Weben wird das Segeltuch ausgerüstet, d. h. mit einer Kunstharzappretur beschichtet. Dadurch wird das Gewebe stabilisiert und imprägniert. Besonders die Diagonalfestigkeit erhöht sich durch diese Ausrüstung entscheidend.[1]

Gute Tuche zeichnen sich durch enge Zwischenräume zwischen den Fäden aus, der Aufwand in der Herstellung ist aber größer und teurer. Dichtere Gewebe brauchen auch weniger Harz, sie sind darum auch nicht so steif und weniger knickanfällig.[6]

Segel aus Laminat sowie Membransegel sind keine „Segel“-„Tuche“, denn diese werden nicht gewebt, sondern geklebt.

Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die hohe Stabilität werden moderne Segeltücher aus Chemiefasern neben der Anwendung als Schiffssegel auch für Schlechtwetter-, Sonnen- und Sichtschutz, Zeltplanen, LKW-Abdeckungen, Persenninge, Sitzsäcke, Taschen, Transport- und Rucksäcke sowie als Tragflächen für Ultraleichtflugzeuge verwendet.[7][8]

Moderne Segeltuche werden auch wieder recycelt, upcycelt und daraus wieder neue Artikel hergestellt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Segeltuch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Definition Segeltuch. auf boot.de, abgerufen am 7. April 2016.
  2. Jenny Bennett: Sailing into the Past: Learning from Replica Ships. Seaforth Publishing, 2009, ISBN 978-1-84832-013-0, S. 184.
  3. Hans-Peter Degischer, Sigrid Lüftl: Leichtbau: Prinzipien, Werkstoffauswahl und Fertigungsvarianten. John Wiley & Sons, 28. Februar 2012, ISBN 978-3-527-65986-9, S. 112.
  4. Moderne Segelmaterialien. auf doylesails.com, abgerufen am 9. April 2016.
  5. Kooperationsforum mit Fachausstellung, Nachbericht Material, Funktion, Design. Bayern Innovativ, Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer, abgerufen am 10. Februar 2015.
  6. Segelmaterial. (PDF; 623 kB), auf diekow-segel.de, abgerufen am 10. April 2016.
  7. Leichtflugzeug mit Segeltuch. (PDF; 2.84 MB), auf lightwing.ch, abgerufen am 11. April 2016.
  8. Was ist Segeltuch. Auf segeltuch-shop.de. Abgerufen am 10. Februar 2015.