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Seidel (Einheit)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Das Seidel (von mittelhochdeutsch sīdel und sīdelīn,[1] spätmittelhochdeutsch auch seydlein[2]) war ein Volumenmaß für Flüssigkeiten und ein Getreidemaß. Je nach Region war das Maß verschieden. In der Schreibweise Seitel war es ein ungarisches Hohlmaß. Im Deutschen war Seidel gleich dem Nößel und Seidlein der Schoppen.[3] Als bayerische Flüssigkeitsmaß entspricht das Seidel einem halben Liter bzw. einer halben Maß, früher 0,535 Litern. Als böhmisches Bergwerksmaß fasste der Seidel 4 Kübel.

  • Augsburg (Bayern)
    • 1 Seidel = 2 Quartel = 4 Achtel = 36 Pariser Kubikzoll = 0,7141 Liter
    • 2 Seidel = 1 Maß
    • 96 Seidel = 1 Muid
    • 192 Seidel = 1 Jetz
    • 1536 Seidel = 1 Fuder
  • Böhmen
    • 1 Seidel = 2437 Pariser Kubikzoll = 0,4846 Liter
    • 4 Seidel = 1 Pinte
    • 128 Seidel = 1 Eimer
    • 512 Seidel = 1 Fass
  • Wien Schreibweise Seidel oder Seitel möglich
    • 1 Seidel = 2 Halbe Seidel = 2 Pfiff = 1778 Pariser Kubikzoll = 0,3546 Liter[4]
    • 1 Groß-Seitel = 1½ Seidel = 3 Pfiff
  • In Österreich ist die Bezeichnung Maßeinheit Seidel noch für Bier (aber nicht für Wein und nicht-alkoholische Getränke) üblich. 1 Seidel entspricht dabei 0,3 Liter. In Graz und Umgebung werden 0,33 Liter hingegen als „Glas Bier“ bezeichnet.
  • In Bayern ist der Begriff noch für die halbe Maß Bier, also 0,5 l (vor Einführung des metrischen Systems 0,535 l),[5][6] bzw. als Bezeichnung für den entsprechenden irdenen Bierkrug („Bierseidel“) in Gebrauch. In Franken ist der vom Seidel abstammende Dialekt-Begriff Seidla für einen halben Liter Bier gebräuchlich.[7]

Einzelnachweise

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  1. Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Herausgegeben von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 699 (Seidel).
  2. Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 459 (seydlein).
  3. Johann Christoph Adelung: Seidel, das. In: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. 2. Auflage. Band 4: Seb–Z. Breitkopf, Leipzig 1801, S. 29–30 (Digitalisat. zeno.org).
  4. Gustav Wagner, Friedrich Anton Strackerjan: Kompendium der Münz-, Maß-, Gewichts- und Wechselkurs-Verhältnisse sämtlicher Staaten und Handelsstädte der Erde. Verlag Teubner, Leipzig 1855, S. 100.
  5. Alte Maße und Gewichte (deutschsprachiger Raum)
  6. Peter Groscurth: Bamberg: Droht uns ein Seidla-Verbot? infranken.de, 15. Juli 2015; abgerufen am 31. Dezember 2016.
  7. Markus Raupach: Bamberg im Streit: Wie viel Bier braucht ein „Seidla“? In: Nordbayern.de. 22. Juli 2015, abgerufen am 15. April 2023.