Serlo

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum Bergmann und Politiker siehe Albert Serlo.
Serlo
Logo
Rechtsform gemeinnütziger Verein
Gründung Februar 2010
Sitz München
Schwerpunkt Freie Bildung
Methode Digitale Technologie
Freiwillige ca. 28
Angestellte 22
Mitglieder 60
Besitzer Vereinsmitglieder und Online-Community
Motto The Open Learning Movement
Website serlo.org
Gruppenfoto während der Klausurtagung von Serlo 2015

Serlo ist eine gemeinnützige Bildungsorganisation mit dem Ziel, hochwertige Bildung weltweit frei verfügbar zu machen und eine breite Beteiligung bei der Gestaltung von Bildung zu erreichen[1]. Die Organisation entwickelt eine kostenlose Lernplattform für Schüler. Weitere Projekte adressieren Studierende und Geflüchtete. Ähnlich wie auf der Wikipedia sind alle Angebote von Serlo kostenlos, werbefrei und können von allen mitgestaltet werden[2]. Die Inhalte stehen unter einer freien Lizenz und sind Open Educational Resources[3][4]. Serlo wird von dem gemeinnützigen Verein „Serlo Education e.V.“ in München getragen[5].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name bezieht sich auf eine kleine buddhistische Klosterschule im nepalesischen Himalaya-Gebirge. Im April 2009 wurde sie von dem Projektgründer Simon Köhl als Schüler der 13. Klasse besucht. In dem Kloster mangelte es an guten Unterrichtsmaterialien, so entstanden erste Ideen für eine multilinguale, kostenlose Lernplattform für Schüler. Im Oktober 2009 lernte Simon Köhl Serlo-Mitgründer Aeneas Rekkas kennen, der zu dieser Zeit die 12. Klasse besuchte und bereits als Softwareentwickler arbeitete. Für Simon Köhl und Aeneas Rekkas waren einerseits der Wunsch, mit weltweit frei zugänglicher Bildung zu mehr Gerechtigkeit beizutragen und andererseits eigene negative Schulerfahrungen die Hauptmotivationen für die Gründung von Serlo[6].

Serlo ging als Prototyp am 22. Oktober 2010 online[7] und war damals auf das Schulfach Mathematik ausgerichtet. Am 5. April 2014 wurde die zweite Version von Serlo veröffentlicht[8], welche Inhalte zu verschiedenen Schulfächern bietet und den Aufbau der redaktionellen Online-Community einleitete.

Konzept und Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Serlo bietet einfache Erklärungen, interaktive Applets, Kurse, Lernvideos, Übungen und Musterlösungen, mit denen Schüler nach ihrem eigenen Bedarf und in ihrem eigenen Tempo lernen können. Die Plattform bietet ausführliche Inhalte zur Schulmathematik[2]. Darüber hinaus werden die weiteren Fächer Biologie, Nachhaltigkeit, Physik und Chemie sukzessive aufgebaut. Die Inhalte der unterschiedlichen Fächer sind auf Themenübersichten zusammengefasst und können über die Suche oder anhand der staatlichen Lehrpläne gefunden werden. Durch die engmaschige Vernetzung der Lerninhalte soll erreicht werden, dass Schülerinnen und Schüler ihren individuellen Weg durch die Inhalte finden können[9]. Orientiert am Vorbild der Wikipedia werden die Lernmaterialien von einer Online-Community erstellt, weiterentwickelt und auf ihre Qualität geprüft[10]. Die Lernplattform ist und bleibt für alle Nutzerinnen und Nutzer komplett kostenlos und werbefrei[2].

Im März 2017 hatte Serlo 80.000 eindeutige Besucher und belegte damit einen Alexa-Rank von 3886 in Deutschland.[11]

Weitere Serlo Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Serlo Hochschulmathematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelbild von „Mathe für Nicht-Freaks“
Die Entwicklung von „Mathe für Nicht-Freaks“ im Zeitraum 2009 bis 2016

Serlo Hochschulmathematik baut auf der Lehrbuchreihe „Mathe für Nicht-Freaks“ auf[12]. Ziel von Serlo Hochschulmathematik ist die kollaborative Erstellung von didaktisch hochwertigen Lehrinhalten für den Hochschulbereich. Außerdem soll die Qualität der Lehre an Hochschulen verbessert werden[12].

„Mathe für Nicht-Freaks“ ist eine frei zugängliche Lehrbuchreihe der Hochschulmathematik, die den Fokus auf eine sehr verständliche und didaktisch hochwertige Vermittlung von mathematischen Konzepten und Begriffen legt[13]. Es ist ein Wikibooks-Projekt und wurde am 29. September 2009 gegründet[14]. Im Dezember 2015 wurde „Mathe für Nicht-Freaks“ Teil des Serlo Education e.V.[15] Das Projekt verzeichnet über 850.000 Seitenaufrufe im Jahr (Stand März 2016)[16] und wurde mehrfach ausgezeichnet[17].

Serlo ABC[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Serlo ABC ist ein kostenloses, webbasiertes Alphabetisierungstool, das eine selbstständige, intuitive und personalisierte Aneignung des lateinischen Alphabetes ermöglicht und gleichzeitig sprachliche Handlungskompetenzen vermittelt. Ziel von Serlo ABC ist es, Geflüchtete, die nicht in der lateinischen Schrift alphabetisiert sind, bei der Integration zu unterstützen[18].

Serlo Nachhaltigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Serlo Nachhaltigkeit baut den Fachbereich "Nachhaltigkeit" auf der Lernplattform serlo.org auf und wirbt für den Einsatz von freien Lizenzen in der ökologischen Bildung. Serlo Nachhaltigkeit orientiert sich inhaltlich an den Prinzipien der Permakultur. Ziel von Serlo Nachhaltigkeit ist es, ökologisches Bewusstsein sowie Wissen und Fähigkeiten rund um eine nachhaltige Lebensführung mithilfe digitaler Technologie in die Breite zu tragen[19].

Serlo Lab School[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Serlo Lab School ist eine Lernbegleitung für Mathematik mithilfe von digitalen Medien. Das Angebot findet aktuell in München statt und richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse. Ziel der Serlo Lab School ist die Unterstützung der Entwicklung von serlo.org durch Feedback zu Inhalten und Software, durch Ausbildung der Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter zu Autorinnen und Autoren für die Lernplattform sowie durch die Erprobung pädagogischer Methoden zum selbständigen Lernen und Lernen durch Lehren mithilfe von serlo.org[20].

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Serlo möchte die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, um eine essentielle Voraussetzung für mehr Bildungsgerechtigkeit zu schaffen[1]. Durch den Community-Ansatz soll eine breite Beteiligung bei der Gestaltung von Bildung ermöglicht werden[1]. Die Inhalte von Serlo stehen unter einer CC-BY-SA 4.0 Lizenz[3].

Die Arbeit von Serlo wird von folgendem Ziel angeleitet:

„Unsere Vision ist freie Bildung, die von einer offenen und unabhängigen Gemeinschaft gestaltet wird. Durch breite Beteiligung entstehen verständliche und fundierte Lernmaterialien, die allen gleichermaßen kostenlos zugänglich sind. Freie Bildung ist somit Bestandteil einer vielfältigen und vernetzten Gesellschaft mit starkem Gemeinsinn und selbstbestimmten Menschen, die Freude am Lernen haben.“

Serlo-Team, 2014[21]

Technologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Plattform serlo.org wird mit der hauseigenen Open Source Software Athene2 betrieben. Eingesetzte Techniken umfassen: Linux, Apache HTTP Server, MySQL, PHP 5.4, Zend Framework 2, Doctrine und Sphinxsearch.[22] Inhalte werden in Markdown verfasst. Das Projekt „Mathe für Nicht-Freaks“ wird auf der Wikibooks-Plattform entwickelt und nutzt MediaWiki als Software.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 erhielt Serlo den OER-Award in der Kategorie „Riesiger Impact: Große OER-Projekte“ sowie in der Kategorie „Hochschule“

2016 erhielt Serlo den OER-Award der Jury in der Kategorie "Riesiger Impact: Große OER-Projekte". In der Laudatio heißt es

„nicht nur die große Menge der freien Materialien zeichnet Serlo aus, auch der konkreten Beitrag zur Professionalisierung von OER, der von der Serlo-Community geleistet wird: Umfangreiche Richtlinien mit didaktischen, formellen, strukturellen und Layout-Standards stehen zur Qualitätssicherung bereit, die von erfahreneren Mitgliedern der Community übernommen wird.“

Jury des OER Awards[23]

Außerdem wurde „Mathe für Nicht-Freaks“ als Serlo-Projekt mit dem OER-Award 2016 in der Kategorie „Hochschule“ ausgezeichnet[24]. „Mathe für Nicht-Freaks“ war auch Finalist beim fOERder-Award 2016[25] und gewann 2015 bei dem Hochschulpreis „Die Hochschule, die Zukunft und Du!“[26]. 2015 wurde Simon Köhl, der Gründer von Serlo, in das Netzwerk „Die Verantwortlichen“ der Robert-Bosch-Stiftung aufgenommen[27]. 2013 erhielt Serlo auf der Vision Summit den Bildungspreis der ERGO Stiftung „Jugend & Zukunft“[28]. Auch erhielt 2014 der Serlo-Mitgründer Aeneas Rekkas den LMU Forscherpreis für exzellente Studierende der Ludwig-Maximilians-Universität München[29].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wikimedia Deutschland e. V. Ges. zur Förderung Freien Wissens (Hrsg.): Ist-Analyse zu freien Bildungsmaterialien (OER): Die Situation von freien Bildungsmaterialien (OER) in Deutschland in den Bildungsbereichen Schule, Hochschule, berufliche Bildung und Weiterbildung im Juni 2015. BoD, Norderstedt 2015, ISBN 978-3-7392-7749-3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeine Links[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Projekte von Serlo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medienecho[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Wie Serlo wirkt. In: Serlo. Serlo Education e.V., archiviert vom Original am 2. Juni 2016, abgerufen am 30. Juni 2016.
  2. a b c Über Serlo. In: Serlo. Serlo Education e.V., archiviert vom Original am 2. Juni 2016, abgerufen am 30. Juni 2016: „[Serlo] ist komplett kostenlos und werbefrei... Serlo ist eine Online Community - eine Wikipedia für's Lernen. Die Mitglieder der Community erstellen, verlinken, sortieren und übersetzen alle Inhalte auf Serlo.“
  3. a b Nutzungsbedingungen und Urheberrecht. In: Serlo. Serlo Education e.V., archiviert vom Original am 2. Juni 2016, abgerufen am 30. Juni 2016.
  4. Über Wikibooks. In: Wikibooks. Wikimedia Foundation Inc., archiviert vom Original am 13. April 2016, abgerufen am 30. Juni 2016 (Das Serlo-Projekt „Mathe für Nicht-Freaks“ wird auf Wikibooks geschrieben und damit gilt für dieses Projekt die Nutzungsbedingung von Wikibooks).
  5. Impressum von Serlo. In: Serlo. Serlo Education e.V., archiviert vom Original am 24. März 2016, abgerufen am 30. Juni 2016.
  6. Die Geschichte von Serlo. In: Serlo. Serlo Education e.V., archiviert vom Original am 2. Juni 2016, abgerufen am 1. Juli 2016.
  7. Serlo beta ist online. In: Serlo. Serlo Education e.V., archiviert vom Original am 3. September 2014, abgerufen am 1. Juli 2016.
  8. Serlo Releaseparty. In: Serlo. Serlo Education e.V., archiviert vom Original am 3. September 2014, abgerufen am 1. Juli 2016.
  9. Jahresberichte und Finanzen. In: Serlo. Serlo Education e.V., archiviert vom Original am 24. Juni 2016, abgerufen am 1. Juli 2016.
  10. Community. In: Serlo. Serlo Education e.V., archiviert vom Original am 2. Juni 2016, abgerufen am 1. Juli 2016.
  11. Serlo.org Traffic, Demographics and Competitors - Alexa. Abgerufen am 4. April 2017 (englisch).
  12. a b Serlo Academia. In: Serlo. Serlo Education e.V., abgerufen am 30. Juni 2016.
  13. Über das Projekt – Mathe für Nicht-Freaks. In: Mathe für Nicht-Freaks. Archiviert vom Original am 31. Mai 2016, abgerufen am 30. Juni 2016.
  14. Versionsgeschichte der Hauptseite von „Mathe für Nicht-Freaks“. In: Mathe für Nicht-Freaks. Abgerufen am 30. Juni 2016.
  15. Serlo fusioniert mit Mathe für Nicht-Freaks. In: Serlo. Serlo Education e.V., archiviert vom Original am 2. Juni 2016, abgerufen am 1. Juli 2016.
  16. Mathe für Nicht-Freaks: Zugriffsstatistik. Mathe für Nicht-Freaks, archiviert vom Original am 26. September 2015, abgerufen am 30. Juni 2016.
  17. Siehe Belege im Abschnitt „Auszeichnungen“
  18. Serlo ABC. In: Serlo. Serlo Education e.V., archiviert vom Original am 2. Juni 2016, abgerufen am 1. Juli 2016.
  19. Angewandte Nachhaltigkeit. In: Serlo. Serlo Education e.V., archiviert vom Original am 1. Juli 2016, abgerufen am 1. Juli 2016.
  20. Serlo Lab School. In: Serlo. Serlo Education e.V., archiviert vom Original am 2. Juni 2016, abgerufen am 1. Juli 2016.
  21. Vision und Werte. In: Serlo. Serlo Education e.V., archiviert vom Original am 3. Dezember 2014, abgerufen am 1. Juli 2016.
  22. Software. In: Serlo. Serlo Education e.V., archiviert vom Original am 22. März 2016, abgerufen am 1. Juli 2016.
  23. OER-Award 2016 Laudatio – Riesiger Impact: Große OER-Projekte. In: open-educational-resources.de. Transferstelle für OER, archiviert vom Original am 2. Juni 2016, abgerufen am 30. Juni 2016.
  24. OER-Award 2016 Laudatio – Bildungsbereich Hochschule. In: open-educational-resources.de. Transferstelle für OER, archiviert vom Original am 2. Juni 2016, abgerufen am 30. Juni 2016.
  25. #OERde16 – OER-Award 2016. In: open-educational-resources.de. Transferstelle für OER, archiviert vom Original am 2. Juni 2016, abgerufen am 30. Juni 2016 (Siehe Abschnitt „fOERder-Award“).
  26. Die Hochschule, die Zukunft und Du! Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V., archiviert vom Original am 5. März 2016, abgerufen am 30. Juni 2016.
  27. Robert Bosch Stiftung zeichnet zehn Menschen für herausragendes gesellschaftliches Engagement aus. Robert Bosch Stiftung, archiviert vom Original am 19. Januar 2016, abgerufen am 30. Juni 2016.
  28. Programm der Vision Summit. GENISIS Institute for Social Innovation and Impact Strategies gemeinnützige GmbH, S. 5, archiviert vom Original am 5. Juni 2016, abgerufen am 30. Juni 2016 (PDF).
  29. LMU Forscherpreis für exzellente Studierende. Ludwig-Maximilians-Universität München, archiviert vom Original am 9. Oktober 2015, abgerufen am 30. Juni 2016: „Aeneas Rekkas ... ist maßgeblich an der Entwicklung einer der inzwischen größten kostenlosen Mathematiklernseiten für Schüler in Deutschland beteiligt (www.serlo.org)... Das durch Lehre@LMU unterstützte technische Konzept hat er eigenständig ausgearbeitet, implementiert und dokumentiert.“