Sesostris-II.-Pyramide

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sesostris-II.-Pyramide
Lehmziegelkern der Sesostris-II.-Pyramide. Rechts sind Teile des Kalksteinsskeletts zu erkennen.
Lehmziegelkern der Sesostris-II.-Pyramide. Rechts sind Teile des Kalksteinsskeletts zu erkennen.
Ägyptischer Name
Hiero Ca1.svg
F12 S29 D21
X1
O34
N35
Hiero Ca2.svg
sxm
Sechem-Senweseret
Sḫm-S-n-Wrst
Sesostris II. ist mächtig
Name des Pyramidenbezirks; der Name der eigentlichen Pyramide ist unbekannt
Daten
Ort Al-Lahun
Erbauer Sesostris II.
Bauzeit 12. Dynastie
Typ Pyramide
Baumaterial Lehmziegel mit Kalkstein-Skelett
Basismaß 106 m
Höhe (ursprünglich) 48,60 m
Volumen 185.655 m³
Neigung 42° 35'
Kultpyramide nein
Königinnenpyramiden 1

Die Sesostris II.-Pyramide des Sesostris II., dem in der 12. Dynastie die Kultivierung der ehemaligen Sümpfe des Fayyum-Beckens zuerkannt wird, errichtete in Al-Lahun am Eingang des Bahr Yusuf (Josefs-Kanal) in ebendiesem Gebiet seine Pyramide. Mit einer Seitenlänge von 106 Metern und einer Neigung von 42° 35' besaß sie eine Höhe von 48,6 m.

Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Neuzeit wurde die Sesostris-II.-Pyramide erstmals von Dominique-Vivant Denon während Napoleons Ägypten-Expedition 1798–1801 dokumentiert.[1][2] Eine erneute Dokumentation der Pyramide führte 1839 John Shae Perring durch. Die Publikation erfolgte 1842 durch ihn selbst und durch Richard William Howard Vyse.[3][4] Karl Richard Lepsius besuchte Illahun während seiner Ägypten-Expedition 1842–1846 und dokumentierte im Mai 1843 die dortigen Ruinen. Die Sesostris-II.-Pyramide nahm er unter der Nummer LXVI in seine Pyramiden-Liste auf.[5]

Erste systematische Ausgrabungen führte zwischen 1888 und 1890 der englische Archäologe Flinders Petrie durch. Dabei entdeckte er die Pyramidenstadt Kahun, die er großflächig ausgrub. In der zweiten Grabungssaison wurde der Eingang der Pyramide entdeckt und das unterirdische Kammersystem erforscht.[6] Nachdem er sich zwischenzeitlich anderen Fundorten zugewendet hatte, kehrte Petrie 1914, 1920 und 1921 nochmals nach Illahun zurück, um weitere Grabungen im Umfeld der Pyramide durchzuführen.[7] Petries Untersuchungen stellen bis heute den bedeutendsten Forschungsbeitrag zur Sesostris-II.-Pyramide dar. Zwischen 1991 und 1997 führte ein Team des Royal Ontario Museum unter Leitung von Nicholas Millet einige kleinflächige Grabungen in der Pyramidenstadt und am Oberbau der Pyramide durch.[8]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Besonderheit der Pyramiden der 12. Dynastie ist die Verwendung unterschiedlicher Namen für verschiedene Teile des Pyramidenkomplexes. Während die Anlagen des Alten Reiches lediglich einen Namen für den gesamten königlichen Grabkomplex besaßen, hatten die Anlagen der 12. Dynastie bis zu vier Namen, welche die eigentliche Pyramide, den Totentempel, die Kultanlagen des Bezirks sowie die Pyramidenstadt bezeichneten. Für die Sesostris-II.-Pyramide sind zwei Namen belegt. Der Name der eigentlichen Pyramide ist unbekannt. In älterer Literatur wurde ihr der Name Cha-Senweseret („Sesostris erscheint“) zugewiesen, was noch in den 1990er Jahren von Mark Lehner[9] und Miroslav Verner[10] übernommen wurde. Dieter Arnold konnte hingegen bereits Ende der 1980er Jahre belegen, dass Cha-Senweseret die Pyramidenstadt der Sesostris-I.-Pyramide in Lischt bezeichnet.[11] Der Bezirk der Sesostris-II.-Pyramide mit dem Totentempel und der Kultanlage hieß Sechem-Senweseret („Sesostris ist mächtig“). Die Pyramidenstadt trug den Namen Hetep-Senweseret („Sesostris ist in Frieden“).[12]

Die Pyramide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Oberbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kern der Pyramide besteht aus einem vierstufigen Stumpf aus Kalkstein, der mit einem Kalksteinrahmen versehen wurde, gebildet aus quer und radial liegenden Mauern. Die so gebildeten Hohlräume dieses Kalksteinskeletts wurden mit Lehmziegeln verfüllt. Lehmziegel formten dann auch die Spitze des Bauwerks.

Ein umlaufender, in den Fels geschlagener Fundamentgraben bildete die Basis für die feine Kalksteinverkleidung des Grabmals. Zusätzlich hat man einen mit Kies gefüllten Drainage-Kanal eingebaut.

Leider wurde wie bei allen ägyptischen Pyramiden im Laufe der Jahrhunderte die Kalksteinverkleidung abgetragen und zu Dünger gebrannt. Ohne diesen Schutzmantel sind die Schlammziegel sehr witterungsanfällig und so bietet das Bauwerk heute einen zerfallenen Anblick.

Das Kammersystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Monate hat Flinders Petrie erfolglos damit verbracht, den Eingang zur Pyramide zu finden, der sich üblicherweise im Norden befinden sollte. Für sein Grab hatte Sesostris II. jedoch eine andere Idee: der Eingang befand sich versteckt als 16 m tiefer Schacht außerhalb der Pyramide an der Südost-Ecke. Für den Transport des Sarkophages und der Grabbeigaben war dieser senkrechte Zugang viel zu eng, sodass man einen weiteren Bauschacht anlegen musste, dessen Zugang später von dem Grab einer unbekannten Prinzessin maskiert wurde.

Die Substruktur

Beide Schächte sind durch einen horizontalen Gang miteinander verbunden, der zu einer Halle mit Gewölbedecke führt. Am Ostende dieser Halle führt ein senkrechter Schacht in die Tiefe und endet im Grundwasser.

Von der Halle aus führt ein ansteigender Korridor über eine weitere Kammer in den Südost-Bereich des Pyramideninneren zu einer Vorkammer, die rechtwinklig abzweigend zur eigentlichen Grabkammer führt. Die Grabkammer ist komplett mit Granit ausgekleidet und hat ein Giebeldach. An ihrem Westende steht der Sarkophag des Königs aus Rosengranit, eine kleine Passage führt in einen Nebenraum. Hier fand Petrie im Schutt Teile der Grabausstattung, vor allem einen königlichen Uräus aus Gold, der das Stirnband des Herrschers schmückte und von den antiken Grabräubern wohl verloren wurde.

Eine weitere Besonderheit ist ein umlaufender Gang, der zwischen Vorkammer und Grabkammer abzweigt, rund um die Grabkammer führt und am Kopfende des Sarkophags in diese mündet. Die Bedeutung dieses Ganges ist unter den Ägyptologen noch strittig.

Der Pyramidenbezirk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundriss des Pyramidenbezirks
Plan der Pyramidenstadt Kahun

Eine gründliche Bestandsaufnahme des Bereichs um die Pyramide ist bisher nicht erfolgt. So hat man aus den diversen Grabungen nur wenige Ergebnisse sammeln können. Die Umfassungsmauer war mit Nischen verziert, im Gedenken an die Djoser-Pyramide aus der 3. Dynastie. Der Grundriss des Totentempels ist noch immer unerforscht, ebenso die Lage der Einmündung des offenen Aufwegs in den Pyramidenbezirk. Der wohl bekannteste Fund aus dem Komplex ist der Schmuck der Prinzessin Sithathoriunet, einer Tochter des Königs. Die zugegipste Höhlung mit ihren fünf Schmuckkästen haben die antiken Grabräuber übersehen, bis Brunton und Petrie 1913 das Grab untersuchten.

Neben diesen Schachtgräbern zweier Prinzessinnen lokalisierte man an der Nordseite acht Mastaba-Gräber, die jeweils mit Schlammziegeln um einen Kalksteinkern herum errichtet waren. In der Nordost-Ecke befindet sich eine kleine Nebenpyramide mit einem Basismaß von 27,6 m und einer ehemaligen Höhe von etwa 18 Metern. Petrie hat hier intensiv nach einer Grabkammer gesucht, jedoch erfolglos. So ist bis heute unklar, ob es sich um eine Königinnen- oder Kultpyramide gehandelt hat.

Der Aufweg wurde bis heute nicht erforscht. Man kennt die Lage des Taltempels, aber nicht dessen Grundriss. Von erheblicher Bedeutung war jedoch die Auffindung der Pyramidenstadt Hetep Senwosret („Sesostris ist zufrieden“). Besser bekannt unter dem Namen Kahun wurde hier ein hervorragendes Zeugnis über die altägyptische Stadtentwicklung entdeckt und es wurden zahlreiche Papyri aufgefunden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein

Grabungspublikationen

Detailfragen

  • Hartwig Altenmüller: Die Pyramidennamen der frühen 12. Dynastie. In: Ulrich Luft (Hrsg.): The Intellectual Heritage of Egypt. Studies Presented to László Kákosy (= Studia Aegyptiaca. Band 14). Budapest 1992, ISBN 963-462-542-8, S. 33–42 (Online).
  • Felix Arnold: The South Cemeteries of Lisht II. The Control Notes and Team Marks (= Publications of the Metropolitan Museum of Art Egyptian Expedition. Band 23). Metropolitan Museum of Art, New York 1990, ISBN 978-0-300-09161-8 (Online).
  • Michael Haase: Tempel und Gärten. In: Christian Tietze (Hrsg.): Ägyptische Gärten. Arcus, Weimar 2011, ISBN 978-3-00-034699-6, S. 176–201.
  • Peter Jánosi: Die Pyramidenanlagen der Königinnen. Untersuchungen zu einem Grabtyp des Alten und Mittleren Reiches. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1996, ISBN 3-7001-2207-1, S. 60–62, 120, 176.
  • Albert M. Lythgoe: The Treasure of Lahun. In: The Metropolitan Museum of Art Bulletin. Band 14, Heft 12/2 1919, S. 1–28 (Online).
  • Ahmed Bey Kamal: Catalogue Général des Antiquités Égyptienne du Musée du Caire. Nos. 23001–23256. Table d’offrandes. Imprimiere de l’Institut Français d’Archeologie Orientale, Kairo 1909 (Online).
  • A. Schwab: Die Sarkophage des Mittleren Reiches. Eine typologische Untersuchung für die 11. bis 13. Dynastie. Dissertation, Wien 1989.
  • Frank Werner: Ein Weltwunder aus Nilschlamm. Wissenswertes über die Pyramide Sesostris‘ II. bei Illahun und über die Entwicklung des Pyramidenbaus im Mittleren Reich. In: Sokar. Band 1, 2000, S. 20–26.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sesostris-II.-Pyramide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dominique-Vivant Denon: Voyage dans la basse et la haute Égypte, pendant les campagnes du général Bonaparte. Tome I. Peltier, London 1802, S. 134–136 (Online).
  2. Dominique-Vivant Denon: Voyage dans la basse et la haute Égypte, pendant les campagnes du général Bonaparte. Planches. Peltier, London 1802, Taf. XXVI/1 (Online).
  3. John Shae Perring, E. J. Andrews: The Pyramids of Gizeh. From Actual Survey and Admeasurement. Band 3, Fraser, London 1843, S. 20, Taf 18 (Online).
  4. John Shae Perring, Richard William Howard Vyse: Operations carried on at the Pyramids of Gizeh in 1837: With an Account of a Voyage into Upper Egypt, and Appendix. Band 3, Fraser, London 1842, S. 80–82 (Online).
  5. Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien. Text. Zweiter Band. Mittelaegyptem mit dem Faijum. Hrsg. von Eduard Naville und Ludwig Borchardt, bearbeitet von Kurt Sethe. Hinrichs, Leipzig 1904, S. 7–8 (Online).
  6. William Matthew Flinders Petrie: Illahun, Kahun and Gurob. 1891.
  7. William Matthew Flinders Petrie, Guy Brunton, Margaret Alice Murray: Lahun II. 1923.
  8. Royal Ontario Museum
  9. Mark Lehner: Das Geheimnis der Pyramiden in Ägypten. 1999, S. 17
  10. Miroslav Verner: Die Pyramiden. 1999, S. 448.
  11. Dieter Arnold: The Pyramid of Senwosret I (= Publications of the Metropolitan Museum of Art Egyptian Expedition. Band 22). Metropolitan Museum of Art, New York 1988, ISBN 0-87099-506-5, S. 17 (Online).
  12. Hartwig Altenmüller: Die Pyramidennamen der frühen 12. Dynastie. 1992, S. 34–36, 41.

Koordinaten: 29° 14′ 10″ N, 30° 58′ 14″ O