Siachengletscher

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Siachengletscher
Der Siachen von der ISS aus

Der Siachen von der ISS aus

Lage Jammu und Kashmir (Indien)
Gebirge Siachen Muztagh, Saltoro-Berge (Karakorum)
Typ Talgletscher
Länge 74 km
Exposition Südsüdost
Höhenbereich 7700 m – 3600 m
Breite ⌀ 2,5 km
Koordinaten 35° 28′ N, 77° 3′ OKoordinaten: 35° 28′ N, 77° 3′ O
Siachengletscher (Jammu und Kashmir)
Siachengletscher
Entwässerung NubraShyokIndus
Karte von Kaschmir (2004)

Karte von Kaschmir (2004)

Der Siachengletscher oder Siachen (sprich: Sia-tschen) ist ein 74 km langer Gletscher in einem zwischen Indien und Pakistan umstrittenen Gebiet. Er liegt auf einer Höhe von bis zu 6400 m über dem Meeresspiegel und ist nach dem Fedtschenko-Gletscher im Pamir in Tadschikistan der zweitlängste Gletscher außerhalb der Polarregionen. Der Name stammt von Sia ab, der wilden Rose. Siachen bedeutet Tal der Wildrosen.[1]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gletscher liegt im südöstlichen Teil des Karakorum-Gebirges, am zentralen nördlichen Rand Kaschmirs. Sein Nährgebiet liegt am Indira Col, einem Sattel östlich des Sia Kangri, der einen Übergang zum Urdokgletscher im chinesisch kontrollierten Shaksgam-Tal ermöglicht. Von dort fließt der Siachen in südöstlicher Richtung und teilt den Karakorum in die Untergebirge der Saltoro-Berge auf der Südwestseite und des Siachen Muztagh auf der Nordostseite des Gletschers. Der Siachen entwässert über die Nubra zum Shyok und schließlich über den Indus in den Indischen Ozean.

Politischer Konflikt um den Besitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Siachen-Konflikt

Von der staatlich-politischen Zugehörigkeit her ist er Teil des zwischen Indien und Pakistan umstrittenen, historisch ehemals selbstständigen Kaschmir. Die Grenzlinie zwischen den beiden Landesteilen verläuft mitten über den Gletscher, der Grenzverlauf ist nicht festgeschrieben. Indien beharrt daher auf einem definitorischen Abkommen über die Grenzfrage vor einem möglichen Truppenabzug. Seit Ende Mai 2005 gibt es neuerliche Verhandlungen zwischen hochrangigen Regierungsvertretern beider Konfliktstaaten in der Stadt Rawalpindi, um zu einer friedlichen Lösung zu kommen.

Laut Informationen der deutschen Tageszeitung Die Welt ist die indische Flagge seit zwanzig Jahren auf dem Bana-Gipfel der Saltoro-Berge gehisst. Seitdem koste die Truppenstationierung Indien geschätzte zwei Millionen US-Dollar im Monat. Pakistan verlange offenbar den Rückzug beider Armeen auf jene Positionen, die sie vor über zwanzig Jahren besetzt hielten, bevor die indische Armee den größeren Teil des Gletschers besetzte.[2]

Durch ein schweres Lawinenunglück in der Region – eine Lawine begrub am 7. April 2012 ein pakistanisches Camp und verschüttete über 100 Soldaten – wurde die internationale Aufmerksamkeit auf diesen höchsten Kampfschauplatz der Welt gerichtet.[3]

Besteigungen und Initiativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf ihrer Karakorum-Expedition in den Jahren 1911 und 1912 erreichten als erste aus dem Westen das amerikanische Entdecker- und Bergsteigerpaar Fanny Bullock Workman und ihr Ehemann William Hunter Workman den Gletscher.[4] Im Jahr 1930 besuchte der italienische Geologe Giotto Dainelli den Siachen und verbrachte den Sommer auf der Wiese an der Konfluenz, dem Zusammenfluss von Teram Shehr und Siachen. Er komplettierte die Erkundung und Kartierung des Siachen.[5] Nach ihm kam im Sommer 1978 das Filmteam aus Deutschland (Wolfgang Kohl, Jaroslav Poncar und Volker Stallbohm) über den Bilafond La zum Siachen. Zuletzt vor dem Siachen-Konflikt konnte 1980 ein amerikanisches Team, geführt von Galen Rowell, auf der Karakorum-Skitraverse den Gletscher überqueren. 1996 konnte die erste zivile Mannschaft wieder über den Siachengletscher gehen. Es handelte sich dabei um eine Gruppe, geführt von Harish Kapadia, die auf dem Weg in das Terong-Tal war.

Nach einer entsprechenden Initiative der Peace Parks sollen sich beide Armeen zurückziehen, um aus dem Gletscher und dem Areal einen grenzüberschreitenden und ökologischen Transboundary Peace Park zu schaffen.[1]

Dokumentarfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dokumentarfilm Siachen – A war for Ice (italienisch Siachen – Una guerra per il ghiaccio) wurde von den beiden Schweizer Bergsteigern und Filmemachern Fulvio Mariani und Mario Casella im Jahr 2005 fertiggestellt.[6][7]

Im Sommer 1978 wurde von Jaroslav Poncar und Wolfgang Kohl ein Dokumentarfilm Durch die Eiswildnis des Ost-Karakorum – Expedition zum größten Gletscher gedreht. Er wurde im Auftrag des WDR in Köln hergestellt und 1979 gesendet.[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fanny Bullock Workman: The Exploration of the Siachen or Rose Glacier, Eastern Karakoram. In: The Geographical Journal. Band 43, Nr. 2. Spottiswoode & Co, 1914, S. 117–141, doi:10.2307/1778919, JSTOR:1778919.
  • Fanny Bullock Workman, William Hunter Workman: Two summers in the ice-wilds of eastern Karakoram. The exploration of nineteen hundred square miles of mountain and glacier. E.P. Dutton & Co., New York 1917, OCLC 1526102 (archive.org).
  • K. L. Biringer: Siachen Science Center. A Concept for Cooperation at the Top of the World. U.S. Dept. of Energy, Oak Ridge, Tenn. 1. März 1998, doi:10.2172/589204.
  • V. R. Raghavan: Siachen. Conflict without end. Viking, Neu Delhi / New York 2002, ISBN 0-670-04922-0.
  • Sophie Mühlmann: Indien und Pakistan wollen Grenzlinie klären. Annäherung bei Verhandlungen über das höchste Schlachtfeld der Welt. In: Die Welt Online. 27. Mai 2005 (welt.de [abgerufen am 6. September 2016]).
  • Kunal Verma, Rajiv Williams: The long road to Siachen. The question why. Rupa & Co., Neu Delhi 2010, ISBN 978-81-291-1646-8.
  • Stephen Venables: The Siachen Glacier. Ice highway. In: Robin Hanbury-Tenison, Robert Twigger (Hrsg.): The modern explorers. Thames & Hudson, London / New York 2013, ISBN 978-0-500-51684-3.
  • Mahendra R. Bhutiyani: The Siachen Glacier. The Second Longest Glacier Outside the Polar Regions. In: Vishwas S. Kale (Hrsg.): Landscapes and Landforms of India. Springer, 2014, ISBN 978-94-017-8028-5, S. 105–113, doi:10.1007/978-94-017-8029-2_9 (books.google.de).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Information auf blankonthemap.free.fr
  2. Indien und Pakistan wollen Grenzlinie klären. 27. Mai 2005; abgerufen am 28. Dezember 2009.
  3. spiegel.de: Lawine verschüttet hundert pakistanische Soldaten.
  4. Harisch Kapadia: The Workman Expeditions, 1911 and 1912. In: On the Siachen Glacier (1998). indianmountaineeringfoundation.com (englisch) abgerufen am 3. Juni 2013.
  5. Harisch Kapadia: Europeans on the Gletscher. In: On the Siachen Glacier (1998). indianmountaineeringfoundation.com (englisch) abgerufen am 3. Juni 2013.
  6. SIACHEN: a war for ice (una guerra per il ghiaccio). In: c. realpina.ch, 19. Februar 2013; abgerufen am 6. September 2016 (it-IT).
  7. SIACHEN: a war for ice (una guerra per il ghiaccio) di Mario Casella e Fulvio Mariani
  8. Publications › Documentary films , abgefragt am 6. September 2016