Sicherheitsniederrad

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Englische Werbung für ein Sicherheits(nieder)rad, 1887

Die Entwicklung vom Fahrrad-Typ Hochrad zum Sicherheitsniederrad erfolgte in zwei Schritten. Zuerst entstand das sogenannte Hohe Sicherheits-Zweirad,[1] mit nach hinten geneigter Vorderradgabel und deutlich hinter die Achse des vorderen Rades verschobenen Fahrersitzes. Der Gewinn an Sicherheit bestand darin, dass die Sturzgefahr nach vorne beim Überfahren von Bodenhindernissen geringer war. Nächster Schritt war der Übergang auf zwei etwa gleiche kleinere (niedere) Räder und der bis knapp hinter die Mitte des Fahrrads verlegte Sitz beim sogenannten Niederen Sicherheits-Zweirad (oder Sicherheitsniederrad),[2] das jetzt Hinterradantrieb hatte. Diese Bauart wurde durch den erstmaligen Gebrauch eines ins Schnelle übersetzenden Kettenantriebs möglich.[3] Das Sicherheitsniederrad bietet die bis heute nicht mehr verbesserte Sicherheit: Die Fallhöhe bei einem Sturz ist klein, ein Salto bei Bodenhindernissen über Lenker und Vorderrad kann kaum noch vorkommen. Die optimale Geometrie des Fahrradrahmens bezgüglich mechanischer Festigkeit wurde damals in seiner Form als sogenannter Diamantrahmen auch bereits gefunden.

Der Begriff Sicherheitsniederrad änderte sich bald zu Niederrad und wird heute trotz nahezu gleicher Rahmengeometrie nicht mehr gebraucht.

Hochrad-Fahren war noch Kunstradsport, während das Niederrad bzw. das Fahrrad mit Diamantrahmen zu einem Massenverkehrsmittel wurde.

Entwicklung des Sicherheitsniederrads[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederrad mit rautenförmigem Rahmen (englisch diamond frame, das Sattelrohr kam erst später hinzu), Victoria-Werke, Nürnberg

Mehrere Hersteller begannen Ende der 1870er Jahre, „sicherere“ Fahrräder zu konstruieren. Dabei galt es, den Schwerpunkt Fahrer + Fahrrad nach hinten und tiefer zu legen. Voraussetzung für das Tieferlegen durch Verwendung kleinerer Räder war die Entwicklung funktionstüchtiger Fahrradketten. Nur mit ihr wurde die Übersetzung der Kurbeldrehung ins Schnelle für den schnelleren Lauf des kleineren angetriebenen Rades möglich. Der weiter hinten in etwa der Mitte des Fahrrads mit längerem Radstand zwischen zwei gleich großen Laufrädern angebrachte Sitz verbesserte die Sicherheit beim Fahren weiter. Ab den 1880er Jahren gab es zahlreiche so gebaute Sicherheitsniederräder auf dem Markt. Von den Rahmenformen setzte sich die Raute (englisch diamond) aus Ober- und Unterrohr und Sattel- und Kettenstrebe durch (s. Abbildung).

Das Niederrad wurde erst akzeptiert, als mit ihm etwa 1890 in Radrennen Siege gegen Hochräder errungen worden waren. Bei der 1903 erstmals ausgerichteten Tour de France wurden keine Hochräder, sondern nur Niederräder verwendet. Die Entwicklung und Verbreitung des Dunlopschen Luftreifens, mit dem kleinere Laufräder auch auf unebenem Untergrund nicht mehr benachteiligt sind, förderte die Verbreitung des Niederrads.

Quellen und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hochrad und Sicherheitsfahrrad. In: Wolfgang König (Hrsg.): Propyläen Technikgeschichte. Netzwerke, Stahl und Strom 1840–1914. Berlin 1990, S. 443–449, ISBN 3-549-05229-4

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Wolf: Fahrrad und Radfahrer, Leipzig 1890, Die bibliophilen Taschenbücher, Dortmund, 1979, S. 100.
  2. Wilhelm Wolf: Fahrrad und Radfahrer, S. 107.
  3. Ausführungen mit ins Schnelle übersetzendem Kettenantrieb von den Tretkurbeln zum niederen Vorderrad existierten auch, vgl.: Wilhelm Wolf: Fahrrad und Radfahrer, Leipzig 1890, S. 107.