Singapore-Airlines-Flug 006

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Singapore-Airlines-Flug 006
Singapore Airlines Boeing 747-400 Tropical KvW.jpg

Die verunglückte Boeing 747-400 9V-SPK

Unfall-Zusammenfassung
Unfallart Startunfall
Ort Flughafen Taiwan Taoyuan
Datum 31. Oktober 2000
Todesopfer 83
Überlebende 96
Luftfahrzeug
Luftfahrzeugtyp Boeing 747-400
Betreiber Singapore Airlines
Kennzeichen 9V-SPK
Abflughafen Singapur
Zwischenlandung Taipeh
Zielflughafen Los Angeles
Passagiere 159
Besatzung 20
Listen von Flugunfällen

Singapore-Airlines-Flug 006 war ein Linienflug der Singapore Airlines, der am 31. Oktober 2000 von Singapur mit Zwischenlandung in Taipeh nach Los Angeles führen sollte. Die eingesetzte Boeing 747-400 verunglückte beim Start vom Flughafen Taiwan Taoyuan, wobei 83 von 179 Menschen an Bord ums Leben kamen.

Fluggerät[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die eingesetzte Maschine war eine Boeing 747-400 mit der Produktionsnummer MSN 28023 und dem Luftfahrzeugkennzeichen 9V-SPK, die am 21. Januar 1997 neu an Singapore Airlines ausgeliefert und seither durchgehend von dieser betrieben worden war.[1] Ihre letzte technische Überprüfung erfolgte etwa sechs Wochen vor dem Unglück, am 16. September 2000. Es waren keine Mängel gefunden worden.[2] Zum Unglückszeitpunkt trug sie eine farbenfrohe, „Tropical“ genannte Sonderlackierung.

Unglücksverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Zwischenlandung in Taipeh verlief der Flug aus Singapur kommend normal. Nach einem dortigen Zwischenaufenthalt rollte die Maschine zum Start für den Weiterflug nach Los Angeles, für den ihr die Startbahn 05L zugewiesen worden war. Die Maschine bog jedoch, anstatt dem Taxiway noch gut 200 Meter bis zur richtigen Bahn zu folgen, zu früh auf die seinerzeit parallel verlaufende Startbahn 05R ein. Diese war zu jenem Zeitpunkt wegen Bauarbeiten jedoch stark verkürzt und gesperrt. Sowohl Cockpitbesatzung als auch Tower bemerkten den Irrtum nicht und die Boeing 747-400 begann mit dem Startlauf.[3]

Im Moment des Abhebens kollidierte die Maschine mit Betonbarrieren und Baugeräten, die sich im hinteren Drittel der Bahn befanden. Sie schlug auf dem Boden auf, wurde in mehrere Teile gerissen und fing Feuer. Von 179 Menschen an Bord, darunter 159 Passagiere und 20 Besatzungsmitglieder, konnten 96 teils schwer verletzt aus den Trümmern gerettet werden.[3]

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Warum genau die Besatzung die falsche Startbahn wählte, konnte nicht abschließend geklärt werden. Die Sperrung der Bahn 05R aufgrund von Bauarbeiten war der Cockpitbesatzung eigentlich bekannt, da eine entsprechende NOTAM veröffentlicht wurde. Gemäß dem offiziellen Abschlussbericht des taiwanesischen Luftsicherheitsrats ASC unterließ es die Crew allerdings anscheinend, den Fahrtweg von der Parkposition über die Taxiways zur zugewiesenen Startbahn 05L mittels der vorliegenden Lagepläne genau zu studieren und im Verlauf nochmals (durch verbale Ansagen) zu verifizieren, beziehungsweise auch auf die Beschilderungen und Markierungen zu achten. Zudem hätte auffallen sollen, dass die falsche Startbahn aufgrund der Sperrung als Start- und Landebahn anders beleuchtet war als die korrekte (weiß), nämlich zur Nutzung als reiner Taxiway (blau oder grün).[3] Das singapuresische Transportministerium, Singapore Airlines selbst sowie u.a. die IFALPA stimmten dem ASC-Bericht zwar in wesentlichen Punkten zu, kritisierten ihn jedoch als unvollständig und einseitig. Sie führten ihrerseits an dass wichtige Beleuchtungselemente am Boden nicht oder nicht richtig funktioniert hätten; außerdem hätte die geschlossene Piste mit einem X markiert sowie Absperrungen weit vor der eigentlichen Baustelle aufgestellt werden müssen.[4]

Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschten starke Regenfälle und Winde, die durch den Taifun „Xangsane“ ausgelöst wurden. Die Sichtweite betrug nur etwa 450 Meter. Einfluss hatte daher möglicherweise auch der Druck auf die Piloten, die Maschine rechtzeitig vor einer eventuellen wetterbedingten Schließung des Flughafens unter diesen Bedingungen zu starten.

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dutzende Überlebende, aber auch Verwandte von Opfern strengten Prozesse gegen die Airline sowie diverse Behörden Taiwans an. Trotz der Entscheidung eines hohen taiwanesischen Staatsanwalts, die Piloten innerhalb der ersten drei Jahre nach dem Unfall strafrechtlich nicht zu verfolgen, entscheid sich Singapore Airlines 2002, den Flugkapitän sowie seinen ersten Offizier zu entlassen.

Unmittelbar nach dem Unfall benannte Singapore Airlines die Flugnummer in SQ030 und später in SQ028 um, zudem wurde die Strecke Singapur-Taipeh-Los Angeles bis zu ihrer Streichung am 1. Oktober 2008 ab dem Zeitpunkt des Unglücks nur noch mit Boeing 777 bedient. Am 6. April 2012 musterte Singapore Airlines ihre komplette Boeing 747-Flotte aus; die Verbindung nach Los Angeles wird nunmehr als SQ12 via Tokio-Narita mit dem A380 geflogen.

Die verunglückte Maschine 9V-SPK trug zum Zeitpunkt des Unglücks die bunte Sonderlackierung Tropical, die für besondere Leistungen in der First- sowie der Business-Class der Airline werben sollte. Nach dem Unfall erhielt die mit der identischen Lackierung fliegende Schwestermaschine 9V-SPL umgehendes Startverbot und wurde eilig mit der Standardlackierung versehen. Seitdem erhalten Singapore-Airlines-Flugzeuge ausschließlich nur noch die übliche Lackierung oder jene der Star Alliance.

Inzwischen wurde in Taipeh auf der anderen Seite der Terminalgebäude eine neue Startbahn in Betrieb genommen, die nun ihrerseits 05R heißt, während die parallel zu 05L verlaufende Piste nun als Taxiway NC fungiert; zudem wurde Bodenradar installiert.

Verfilmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die kanadische Fernsehserie Mayday – Alarm im Cockpit wurde das Unglück nachgestellt und 2012 als dritte Folge der 12. Staffel unter dem Titel Caution to the Wind (Typhoon Take-Off) ausgestrahlt. Der deutsche Titel der Folge lautet Vom Taifun verweht.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. airfleets.net - Boeing 747 - MSN 28023 (englisch) abgerufen am 17. September 2011
  2. news.bbc.co.uk - Boeing's workhorse (englisch) 31. Oktober 2000
  3. a b c Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  4. Crash of Singapore Airlines Flight SQ006. In: Singapore Infopedia, Erklärung der singapuresischen Regierung (englisch). Abgerufen am 29. Juli 2016.