Slesvigland

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Slesvigland

Beschreibung zweisprachige Zeitschrift
Fachgebiet Kultur und Geschichte des deutsch-dänischen Grenzgebietes
Sprache Deutsch, Unbekannte Sprache, Dänisch
Hauptsitz Flensburg (Verlagssitz)
Erstausgabe 1980
Einstellung 2010
Gründer Traugott Möller (Møller)
Verkaufte Auflage 210.000 Exemplare
Herausgeber Traugott Möller (Møller)
Weblink www.slesvigland.info

Slesvigland ist eine zweisprachige Zeitschrift für Kultur und Geschichte des deutsch-dänischen Grenzgebietes, die in den Jahren 1980 bis 2010 erschien.

Zielsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der dänische Textilindustrielle Traugott Möller (Møller) aus Sonderburg, Sohn des ehemaligen Flensburger Bürgermeisters Jacob Clausen Möller, gründete diese Zeitschrift und finanzierte sie aus dem Zinsertrag seiner T. M.-Stiftung (T. M.-Fonden). Er selbst schreibt 1980 in Heft 6:

Ich bin weder parteipolitisch noch organisations-politisch engagiert. Darin bin ich meinem Vater ähnlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er auf Grund seiner Haltung, seiner menschlichen Eigenschaften und seiner administrativen Fähigkeiten Oberbürgermeister in Flensburg. Er war kein Politiker, aber er war dänisch. […] Es darf nicht vergessen werden,daß dänische Könige dazu beigetragen haben, SCHLESWIG deutschsprachig zu machen, aber persönlich meine ich, daß alle Schleswiger sowohl dänisch als auch deutsch verstehen und am liebsten auch sprechen sollten.

Er verweist dann auf den Leitartikel im ersten Heft, in dem es heißt:

SLESVIGLAND hat nicht das Ziel gegen jemanden oder etwas zu sein – jedenfalls nur gegen die Geschichts- oder andere Verfälschung und wirklichkeitsverzerrende Propaganda – sondern nur für Schleswig und die Schleswiger.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeitschrift erschien in einer Auflage von 210.000 Exemplaren und wurde als kostenlose Postwurfsendung an alle Haushalte Südschleswigs verteilt. Als „Südschleswig“ oder kurz „Schleswig“ definierte man dänischer Tradition gemäß das Gebiet zwischen dem Fluss Eider und der dänischen Grenze. Obwohl alle Artikel auch in dänischer Sprache gedruckt wurden, erstreckte sich die Verteilung nicht auf das Gebiet nördlich der Grenze.

Bis zur Umstellung auf den Vertrieb im Internet wurden insgesamt 124 Hefte verteilt. Außerdem erschien im Juni 1989 eine Sondernummer zum Thema Klöppel-Fest in Tondern.

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rezeption dieser Zeitschrift reicht von Begeisterung[1] bis zur Ablehnung.[2]

Die Artikel über Brauchtum, Kunst, Architektur und die historischen Bilder wurden überwiegend positiv aufgenommen, während den Schilderungen historischer Ereignisse Einseitigkeit vorgeworfen wurde. Schon sehr früh argwöhnten deutsche Zeitungen einen Versuch der Grenzrevision von dänischer Seite.[3]

Aus dem Deutschen Grenzverein kam 1985 eine ablehnende Stimme.[4]

Der dänische Historiker Troels Fink, ehemaliger dänischer Generalkonsul in Flensburg, der anfänglich Artikel für diese Zeitschrift verfasste, distanzierte sich von „Slesvigland“.[5]

Der Abgeordnete der dänischen Minderheit (SSW), Karl Otto Meyer formulierte im Schleswig-Holsteinischen Landtag eine vorsichtige Distanz zu „Slesvigland“.[6]

Auch von dänischer Seite artikulierte sich Befremden über „Slesvigland“ wegen der Forderung nach einer größeren Unabhängigkeit in Schleswig.[7]

Der Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes (SHHB), Werner Schmidt, mahnte an, nicht nur die Verfolgung von Dänen nach ihrer Niederlage von 1864 zu thematisieren, sondern auch die vorhergehende Unterdrückung von Deutschen nach deren Niederlage 1850.[8], was die Zeitung Flensborg Avis drei Tage später quittierte mit: Bravo – Slesvigland. Godt brølt, løve! (Gut gebrüllt, Löwe!).[9]

Auflagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1980: 8 Hefte im Format 28 cm
  • 1981: 8 Hefte im Format 23 cm wie alle folgenden
  • 1982: 10 Hefte
  • 1983–1986: 8 Hefte
  • 1987–1992: 6 Hefte
  • 1993–1996: 4 Hefte
  • 1997–2003: 2 Hefte
  • 2004–2008: 4 Ausgaben im Internet
  • 2009: 3 Ausgaben im Internet
  • 2010: 1 Ausgabe im Internet

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Hoffmann: Verschweigen ist nicht Gold. Gedanken zum Geschichtsbild der neuen Zeitschrift „Slesvigland“. in Zeitschrift „Schleswig-Holstein“. 1980, Heft 4, Seiten 12–14.
  • Fünf Jahre „Slesvigland“. Eine Zeitschrift im Spiegel der Presse. Herausgegeben vom Institut für Regionale Forschung und Information im Deutschen Grenzverein e.V., Flensburg 1985
  • Hans-Joachim v. Leesen: „Slesvigland“ – für ein Dänemark bis zur Eider. in: Schleswig-Holsteinischer Heimatkalender 1986, Seiten 24 bis 32. Verlag Heinrich Möller Söhne, Rendsburg 1985
  • Eckhard Bodenstein: Was halten Sie von Slesvigland? 1988
  • Jørgen Kühl: Die Wiederentdeckung Schleswigs – und der Streit über ,,Slesvigland in Lars N. Henningsen (Hg.): Zwischen Grenzkonflikt und Grenzfrieden. Die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein in Geschichte und Gegenwart. Studieafdelingen ved Dansk Centralbibliotek for Sydslesvig Nr. 65, Flensburg 2011, Seite 243. Digitalisat

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marsch und Förde, 2004:Slesvigland ist eine kleine aber feine Zeitschrift, die zweimal im Jahr erscheint und sich mit der Geschichte des alten Herzogtums Schleswig (das seinen Verwaltungssitz in Schleswig hatte) beschäftigt (also mit dem heutigen Nordschleswig und Südschleswig). Slesvigland ist zweisprachlich; die Artikel sind gut geschrieben und gehen teilweise richtig in die Tiefe.
  2. [1] Ostpreußenblatt 1982: Zwar ist das Verhältnis zwischen Deutschen und Dänen im Grenzland Schleswig im Wesentlichen problemlos, dennoch flackern hier und da die Fronten von vorgestern auf. Anlass für den jüngsten Streit ist die dänische Zeitschrift „Slesvigland“ […]
  3. Deutschland und seine Nachbarn,2007: Solche offiziellen Erklärungen [Gemeint sind die Bonn-Kopenhagener Erklärungen] besagen aber nicht, daß die entsprechenden dänischen Kreise nicht doch noch auf eine Grenzrevision hinwirkten, wenn auch unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht. Eines Tages, so die Hoffnung, könnte doch noch der Wind umschlagen. Man könnte eine Volksabstimmung durchsetzen, die dann in Südschleswig eine dänische Mehrheit und damit eine Angliederung an Dänemark bewirkten.
  4. Aus dem Vorwort der Schrift „Fünf Jahre...“: Während die Bonn-Kopenhagener Erklärungen und die daraus resultierende Politik beider Staaten wesentlich zu einem gegenseitigen Verständnis ohne Schönfärberei und zu einer Entspannung im Grenzland beitragen, stellt die Zeitschrift „Slesvigland“, die mit Mitteln des Sonderburger Traugott-Möller-Fonds finanziert wird und in seiner kurzen Geschichte bereits auf fünf verschiedene Redaktions-Teams zurückblicken kann, einen Störfaktor im Grenzland dar und dient nicht dem Grenzfrieden.
  5. In der Zeitung Der Nordschleswiger vom 14. Juli 1980 berichtete Troels Fink von einem Gespräch mit dem Herausgeber: Samtalerne endte med, at jeg ikke kunne acceptere hverken hans synspunkter eller den påtænkte fremgangsmåde. (Die Gespräche endeten damit, dass ich weder seine Ansicht noch die gedachte Weise des Vorgehens akzeptieren konnte.)
  6. 32. Sitzung vom 17. September 1980: Wir, der dänische Bevölkerungsteil, sind nicht Herausgeber des Blattes und wir haben auf den Inhalt keinen Einfluß. Die Grundlage unserer Tätigkeit ist nicht identisch mit der Zielsetzung des Herausgebers.
  7. Die Zeitung Flensborg Avis zitiert „Vejle Amts Folkeblad“: I en ledende artikel opfordres nu til større uafhængighed i Slesvig og at tilstræbe en egen administration for dermed at udbygge den slesvigske identitet. (In einem Leitartikel wird jetzt zu einer größeren Unabhängigkeit in Schleswig aufgefordert und dazu, eine eigene Verwaltung anzustreben um dadurch die Schleswigsche Identität auszubauen).
  8. Laut Pressemeldung des SHHB vom 1. März 1985.
  9. „Flensborg Avis“ vom 3. März 1985, Leitartikel.