Postwurfsendung

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Die Postwurfsendung ist eine Versandform der deutschen Post. Sie erfolgt in Form der massenhaften Zustellung identischer Postsendungen an eine Empfängergruppe durch offizielle Zusteller. Hierbei wird die Postwurfsendung meist in großer Menge zu ermäßigtem Entgelt als versandte Drucksache von einem Postboten in die Briefkästen der Haushalte geworfen. Synonym wird auch der Begriff Wurfsendung gebraucht.

Die Postwurfsendung ist unverlangt, nichtadressiert oder teiladressiert und dient vor allem zu Werbezwecken.

Die Postwurfsendung unterscheidet sich von der Hauswurfsendung nur durch die Qualität der Zustellung: diese geschieht bei der Hauswurfsendung entweder kommerziell durch Verteiler von Werbeprospekten, Tages- und Wochenzeitungen oder unkommerziell durch freiwillige Helfer einer Interessengruppe.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Postwurfsendungen waren am 1. März 1925 unter der Bezeichnung Wurfsendung für Massendrucksachen von der Deutschen Post versuchsweise zugelassen worden. Es mussten mindestens 1.000 Stück auf einmal eingeliefert werden. Die Empfängergattung war anzugeben. Es folgten, im Laufe der Zeit, unterschiedliche Mindesteinlieferungen, Höchstgewichte, Gebühren usw. 1927 erhielten Wurfsendungen die Bezeichnung „Postwurfsendung“, nun konnten auch Mischsendungen (Drucksachen und Warenproben) als Postwurfsendung aufgegeben werden (bis 1954). Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde der Dienst eingestellt, nach dem Krieg wieder zugelassen. Nach dem 1. Juli 1954 wurde die Unterscheidung zwischen Drucksachen und Mischsendungen bei der Deutschen Bundespost aufgehoben. Am 31. Dezember 2015 wurde der Dienst eingestellt.[1] Seit dem 1. Januar 2016 wird die ehemalige Postwurfsendung als „POSTAKTUELL“ bezeichnet, wobei sich jedoch einige Details verändert haben. Das Grundprinzip der Verteilung von z.B. Flyern über die Deutsche Post bleibt bestehen, jedoch haben sich das Preismodell und die Verteilungsmöglichkeiten verändert.[2]

Heutige Verhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Briefumschlag einer Werbesendung mit der Versandart „Postaktuell“, durch die Deutsche Post im Oktober 2017
Anschriftenfeld einer teiladressierten Sendung (Postwurfspezial)

Die neue deutsche Postordnung von 1964 lässt Postwurfsendungen, unter der neuen Bezeichnung Wurfsendung, nur noch bis 50 g zu (1984 bis 100 g). Seit einigen Jahren gibt es die teiladressierte Versandform „Postwurf-Spezial“. Seit dem 1. Januar 2016 werden die Postwurfsendungen als „POSTAKTUELL“ bezeichnet und werden unter anderen Preisen und Verteilungsmöglichkeiten angeboten.[3]

Die Schweizerische Post vermarktet das gleiche Produkt unter der Bezeichnung „PromoPost“.

Die Österreichische Post vermarktet das gleiche Produkt unter der Bezeichnung „Info.Post“.

Keine Werbung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werbeeinwurfverbot

Der Empfänger kann sich gegen unverlangte, nicht adressierte und unerwünschte Postwurfsendungen schützen, indem er mit einem Aufkleber an seinem Briefkasten darauf hinweist, dass Werbung nicht erwünscht ist. Dieser Hinweis wird von seriösen Verteilern beachtet. Dabei gibt es verschiedene Texte auf den Aufklebern, z. B. Bitte keine Werbung und kostenlose Zeitungen einwerfen, ein allgemeines Werbeverbot wie Keine Werbung einwerfen oder eine Aufzählung der unerwünschten Werbemittel.

Hausbriefkästen mit Aufklebern zur Werbeverweigerung in den Niederlanden

Postzusteller und Prospektverteiler dürfen hier weder nicht persönlich adressierte Werbematerialien noch Postwurfsendungen einwerfen.[4] Dies gilt auch für sogenannte teiladressierte Sendungen, z. B. „An die Gartenfreunde des Hauses Bergstraße 10, Musterstadt“. Persönlich adressierte Werbesendungen hingegen müssen von Zustellern zugestellt werden.

Bei redaktionellen Werbeblättern, Gratis-Wochenzeitungen oder kostenlosen Zeitungen mit Werbeeinlagen reicht der Hinweis ‚keine Werbung‘ nicht aus, um deren unerwünschter Zustellung zu unterbinden. Hier muss der Hinweis ‚keine Werbung‘ gegebenenfalls noch um den Zusatz keine kostenlosen Zeitungen oder keine kostenlosen Zeitungen, Handzettel, Wurfsendungen und Wochenblätter ergänzt werden.[5]

Einige Versender von persönlich adressierter Werbung gleichen ihren Adressdatenbestand gegen die Robinsonliste ab. Ein Eintrag in der Robinsonliste soll gegen einen Teil der persönlich adressierten unerwünschten Werbung helfen.

Postwurfsendungen gegen den ausdrücklichen Willen des Empfängers stellt einen rechtswidrigen Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung dar.[6]

Zur Regelung in Österreich siehe Werbeverzicht.

In der Schweiz kann man mit einem am Briefkasten angebrachten „Stopp-Kleber“ signalisieren (was 39 % aller Haushalte tun), ob man Werbung möchte oder nicht. Der Aufkleber wird von der Post und den großen Direktwerbefirmen akzeptiert. Informationen von Parteien und Organisationen im Vorfeld von Wahlen und Abstimmungen, amtliche Mitteilungen sowie Spendenaufrufe gemeinnütziger Organisationen gelten nach Ansicht der Schweizerischen Post nicht als Werbung und werden auch bei Vorhandensein eines Stopp-Klebers eingeworfen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Danke für Ihr Vertrauen!
  2. Aus Postwurfsendung wird POSTAKTUELL. Abgerufen am 27. März 2017.
  3. Postwurfsendung. Abgerufen am 27. März 2017.
  4. BGH, Urteil vom 20. Dezember 1988, Az. VI ZR 182/88, Volltext.
  5. OLG Karlsruhe, Urteil vom 12. Juli 1991, AZ. 15 U 76/91, Kurzmitteilung.
  6. LG Lüneburg, Urteil vom 4. November 2011, Az. 4 S 44/11, Volltext.
  7. Wurfsendung

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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