Snøhetta (Architekturbüro)

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Craig Dykers
Das neue Opernhaus in Oslo
Norwegische Botschaft in Berlin
Das „Tubaloon“ in Kongsberg
Stadthalle von Hamar
Das „Petter Dass Museum“ in Alstahaug
Lillehammer Kunstmuseum
Serpentine Gallery mit dem Pavillon 2007 von Eliasson und Thorsen (links im Bild)

Snøhetta Arkitektur og Landskap A/S (internationale Schreibweise auch Snoehetta; übersetzt: Schneekappe Architektur und Landschaft) ist ein norwegisch/US-amerikanisches Büro für Architektur, Landschaftsarchitektur, Innenarchitektur und Design mit Hauptsitz in Oslo (Norwegen) und einer weiteren Niederlassung in New York City (USA).

Das nach dem norwegischen Berg Snøhetta benannte Büro wurde 1989 von dem Norweger Kjetil Thorsen zusammen mit dem Amerikaner Craig Dykers, dem Österreicher Christoph Kapeller und anderen gegründet.

Büro[Bearbeiten]

Nach zahlreichen Wechseln in der Zusammensetzung und Umstrukturierungen zwischen 1989 und 2006 sind heute die beiden Hauptinhaber Craig Dykers und Kjetil Thorsen. Weitere Büropartner sind die Architekten Ole Gustavsen (zugleich Geschäftsführer des Büros), Robert Greenwood und Tarald Lundevall, sowie die Landschaftsarchitektin Jenny B. Osuldsen. Bei Snøhetta sind rund 90 Planer mit Projekten in Europa, Asien und Amerika befasst. (Stand der Angaben: Februar 2008)

Kietil Trædal Thorsen ist 1958 in Haugesund auf der norwegischen Insel Karmøy geboren. Nach mehrjährigen frühen Auslandsaufenthalten in Deutschland (die ersten drei Schuljahre verbrachte er in Essen), dann in England (Art-O-level), studierte er Architektur an der Technischen Universität Graz (Österreich). Er machte sich 1985 in Oslo selbständig und war 1987 Mitgründer des Büros Snøhetta und seither in vieler Hinsicht bei allen Projekten beteiligt, insbesondere im Entwurfsbereich, wo er federführend für zahlreiche Preise bei Wettbewerben und Auszeichnungen für öffentliche Bauten in Europa und weltweit verantwortlich war, darunter das Kunstmuseum in Lillehammer, die neue Bibliothek in Alexandria, und das neue Opernhaus in Oslo. Thorsen gründete 1986 die führende finnische Architekturgalerie Galleri Rom. Er war Mitglied der Norwegischen Architekturvereinigung und in deren Wettbewerbskommission aktiv. Zudem war Thorsen bereits Mitglied der Jury in mehreren europäischen Wettbewerben und auf vielen internationalen Architekturausstellungen vertreten. Im Jahr 2004 wurde er auf eine Professur an der Universität Innsbruck berufen, wo er bis Juni 2008 zusammen mit Patrik Schumacher vom Architekturbüro Zaha Hadid Architects das „Institut für experimentelle Architektur.Hochbau“ leitete.

Craig Edward Dykers ist 1961 in Frankfurt am Main geboren und lebte viele Jahre sowohl in Europa als auch Nordamerika. Nachdem er zuerst ein Medizin- und Kunststudium begonnen hatte, erwarb er an der University of Texas seinen Bachelorabschluss in Architektur. Anschließend arbeitete er in Texas und Kalifornien. Er war 1989 Mitgründer von Snøhetta in Norwegen, 2004 der US-Dependance in New York und an mehreren Schlüsselprojekten des Büros beteiligt, wie der Alexandria-Bibliothek, der neuen norwegischen Oper in Oslo und dem WTC-Memorial-Museum, außerdem z. B. am Lillehammer Kunstmuseum und der Botschaft Norwegens in Berlin. Craig war Mitglied der Norwegischen Vereinigung für Architektur, dem American Institute of Architects (AIA) und ist Fellow der Royal Society of Arts in Großbritannien. Am Fachbereich Architektur der Universität Oslo war er Co-Diplomprüfer und am City College of New York „Distinguished Professor“ (Professor ehrenhalber). Er hat bereits zahlreiche Vorlesungen bzw. Vorträge in Europa, Asien und Amerika gehalten. Darüber hinaus erhielt er viele Aufträge zur Mitarbeit an Kunstinstallationen im öffentlichen Raum, deren inhaltlicher Schwerpunkt oft auf der Berücksichtigung des Kontextes, der Natur und des menschlichen Maßstabes lag.

Ole Gustavsen ist in Holmestrand geboren und hat Berufserfahrung in den Bereichen Werbung und Architektur gesammelt. Zu Snøhetta kam er 1994. Dort war er maßgeblich beteiligt an der Entwicklung der Inneneinrichtung des Bibliotheks-Neubaues in Alexandria. 1996 wurde er zum Geschäftsführer ernannt. Unter seiner Führung erhielt Snøhetta 2002 eine Auszeichnung für die „Bürostrategie des Jahres“. Gustavsen hält auch Vorträge und stellt Ausstellungen zusammen. Neben seiner Funktion in der Geschäftsleitung ist er in den Bereichen Akquisition und Entwicklung von Projektaufträgen tätig.

Das Büro legt Wert auf eine gemeinschaftliche Entwurfsarbeit in einem breit interdisziplinär zusammengesetzten Team mit flacher Hierarchie, anstatt durch auf Architektur fixierte Einzelpersonen. Leitbild ist außerdem die intensive Berücksichtigung der Bezüge zwischen Architektur und umgebender Landschaft und das Zusammenbringen möglichst aller im jeweiligen Projektumfeld bestehenden Interessengruppen („negotiated architecture“, „ausgehandelte Architektur“).

Auszeichnungen[Bearbeiten]

2004 erhielt das Büro Snøhetta einen Aga-Khan-Preis für Architektur, 2005 den Norsk Form-Designpreis, 2008 den vom norwegischen Parlament (Storting) vergebenen Peer-Gynt-Preis. 2009 erhielten sie den Mies van der Rohe Award for European Architecture für den Bau des Nationalen Opern- und Balletthauses in Oslo.[1]

Bauten und Entwürfe (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Bibliotheca Alexandrina in Ägypten wurde im Auftrag der UNESCO vom Architekturbüro Snøhetta in Kooperation mit dem ägyptischen Büro für Tragwerksplanung Hamza Associates (Kairo) geplant, nachdem das kleine, bis dahin praktisch unbekannte und in keinerlei Wettbewerben erfolgreiche Büro 1989 sensationell den ausgeschriebenen internationalen Wettbewerb unter 526 Teilnehmern gewonnen hatte. Auch das Design der Inneneinrichtung stammt von Snøhetta. Der Bau wurde am 16. Oktober 2002 eröffnet. Die Gesamtfläche des Gebäudes beträgt 45.000 Quadratmeter, die Baukosten beliefen sich auf 250 Millionen US-Dollar. Die Bibliothek wurde für maximal 8 Millionen Bände ausgelegt. Ausgezeichnet mit dem norwegischen Architekturpreis „Diplom des A. C. Houen-Fonds“. Der Wettbewerbssieg des Büros Snøhetta brachte nicht nur ihm in den Folgejahren den internationalen Durchbruch, sondern der norwegischen Architekturszene insgesamt große Aufmerksamkeit.
  • Das Opernhaus Oslo, die Spielstätte der Norwegischen Oper, wurde nach einem international ausgeschriebenen Wettbewerb ab 2004 errichtet und am 12. April 2008 eröffnet. Das Gebäude wird als das bis dahin größte norwegische Kulturprojekt der Nachkriegszeit angesehen. Die Bausumme belief sich auf circa 520 Millionen Euro. Projektleiter: Tarald Lundevall
  • Norwegische Botschaft in Berlin, mit einer 15 Meter hohen, 120 Tonnen schweren und 900 Millionen Jahre alten Granitplatte an der Fassade, 1999
  • Turner Contemporary, ein Museum in Margate, England (nicht realisierter Entwurf). Obwohl die Arbeitsgemeinschaft Snøhetta/Steven Spence im November 2001 den ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen hatte, lehnte die Bauherrin, das Kent County Council, aufgrund massiv gestiegener Baukostenschätzungen die Realisierung des Siegerentwurfs im Februar 2002 ab und übertrug die weitere Bearbeitung der Planung im Sommer 2006 stattdessen dem britischen Architekten David Chipperfield.
  • Lillehammer Kunstmuseum (als offizieller Kunstbeitrag zu den XVII. Olympischen Winterspielen 1994), Lillehammer, Norwegen, 1993/94
  • Kulturzentrum im Rahmen des World-Trade-Center-Memorial-Komplexes als Mahnmal-Bebauung des „Ground Zero“, also der schuttberäumten Fläche des am 11. September 2001 zerstörten World Trade Centers. Der Auftrag für das „WTC Cultural Center“ umfasst ein Besucherzentrum, das „International Freedom Center“ und das „Drawing Center“ (in Bearbeitung; Fertigstellung für 2009 geplant)
  • Petter-Dass-Museum in Alstahaug, Norwegen, erbaut 2004 bis 2007
  • Neubau der Kunst- und Designhochschule Bergen (Kunst- og designhøgskolen i Bergen, KHiB) in Bergen, Norwegen; der Wettbewerbsentwurf erhielt 2005 den 1. Preis, zusammen mit Tonje Værdal Frydenlund (in Bearbeitung; die Fertigstellung wird für das Jahr 2017 erwartet)[2]
  • Sommer Pavillon für die Serpentine Gallery in London, England (Kjetil Thorsen in Zusammenarbeit mit Olafur Eliasson), 2007
  • Ras Al Khaimah Convention and Exhibition Centre: Gebäudekomplex aus Kongresszentrum, Ausstellungshallen, Einkaufszentren und zwei Luxushotels am „Eingang“ von Ra’s al-Chaima, der Hauptstadt des gleichnamigen Emirates der Vereinigten Arabischen Emirate; Auftraggeber ist Kronprinz Saud bin Saqr al-Qasimi, der viertälteste Sohn von Scheich Saqr bin Muhammad al-Qasimi.
  • Stadthalle von Hamar, Norwegen
  • „Tubaloon“ (eine Konzertmuschel nach dem Tragluftprinzip als Hauptbühne des Kongsberg Jazz Festivals) in Kongsberg, Norwegen
  • Fischereimuseum in Karmøy, Norwegen, 1998/99
  • Kulturzentrum des Gemeindeverbandes Bærum in Sandvika, Norwegen, 2003
  • Institut für Neurobiologie der Universität des Mittelmeeres Aix-Marseille II in Luminy, 2004 (Entwurf; nicht realisiert)
  • Dandelion House (norwegisch: Løvetannhus, „Löwenzahnhaus“): Haus-Prototypen in Modulbauweise, London und Norwegen, 2005
  • Stadtentwicklung Umeå, Schweden („Stadt zwischen den Brücken“), 2005
  • Juma Al Majid Heritage & Culture Centre (Kulturzentrum und Bibliothek), Dubai, Vereinigte Arabische Emirate
  • Kansai-kan (Zweitsitz der Nationalen Parlamentsbibliothek in der Präfektur Kyōto), Japan, 1997 (Entwurf; 2. Platz in offenem internationalem Wettbewerb)
  • King Fahad National Library (saudi-arabische Nationalbibliothek), Riad, Saudi-Arabien, 1999 (Entwurf; 2. Platz in eingeladenem internationalem Wettbewerb)
  • Muzeum Sztuki Nowoczesnej (Museum für Moderne Kunst), Warschau, Polen (Wettbewerbsentwurf; erhielt eine Auszeichnung, jedoch keine vordere Platzierung)
  • Darat King Abdullah II (Haus der Darstellenden Künste), Amman, Jordanien, 2008 (Entwurf für beschränkten Einladungswettbewerb; 3. Preis)

Literatur[Bearbeiten]

  • Snøhetta A/S (Hrsg.): Snøhetta works. Baden: Lars Müller, 2009, ISBN 978-3-03778-147-0
  • Snøhetta A/S (Hrsg.): Conditions: Snøhetta; architecture, interior, landscape (Umschlagtitel: Snøhetta: Change!). Baden: Lars Müller, 2007, ISBN 978-3-03778-118-0
  • Craig Dykers (Text), Kristin Feireiss et al. (Hrsgg.): Snøhetta (Katalog zur Ausstellung 18. Oktober - 5. Dezember 1999, Galerie Aedes West). Berlin: Galerie Aedes West 1999

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Europäischer Architektur-Preis für Norweger, Kleine Zeitung, 29. April 2009
  2. Om KHiB: Nytt bygg for Kunst- og design- høgskolen i Bergen. Abgerufen am 2. April 2014 (norwegisch).