Traglufthalle

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Schematischer Aufbau einer Traglufthalle
Tennis-Traglufthalle in der Nacht
Eishalle in Augsburg-Haunstetten (Zustand bis 2007)
Traglufthalle in der DDR: Provisorische Basketball- und Volleyballhalle der DHfK in Leipzig im Jahr 1968

Eine Traglufthalle, auch Pneu genannt, ist eine über einer festen Bodenplatte (meist aus Beton oder Tartan) aufgeblasene elastische luftdichte Hülle. Die Halle wird über eine Druckschleuse betreten. Es muss ständig ein Gebläse arbeiten, damit der leichte Überdruck im Inneren der Traglufthalle erhalten bleibt.

Traglufthallen sind preiswerter und schneller gebaut als massive Hallen. Sie werden daher häufig als Provisorium für Lagerhallen, Messehallen oder Sporthallen genutzt, sowie als temporäre Massenunterkunft bei Großveranstaltungen und als Notunterkunft für Wohnungslose oder Flüchtlinge. Mit einer Traglufthalle kann ein Freibad im Winter in ein Traglufthallenbad umgewandelt werden. Traglufthallen werden auch als Radarkuppel (Radom) eingesetzt.

Bauweisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie viele Inflateables auch werden die Dachhüllen von Traglufthallen aus einer luftdicht durch Tränken beschichteten Textilplane errichtet. Typische Materialien sind Polyester für das Gewebe und PVC oder Polyurethan für die lufthaltende Komponente des Verbunds.

Einschichtige Hülle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einfachste Konstruktion besteht aus in geeignetem Schnitt verschweissten Bahnen einer Plane, die einlagig aufgeblasen wird. Der Heizbedarf ist vergleichsweise hoch, die Neigung zu Kondenswasserbildung an der Innenseite ebenfalls.

Zweischichtige Hülle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnenweise zweischichtig aus Plane aufgebaute Dachhüllen isolieren durch das eingeschlossene Luftpolster von wenigen Zentimetern Dicke.[1]

Dreischichtige Hülle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Aufbau enthält außen typisch ein Netz aus Stahlseilen.

Boden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn nicht schon ein luftdichter Boden vorliegt, kann ein Bodenaufbau aus Platten, luftdichter Folie und Kunstrasen erfolgen.

Rentabilität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der besondere Vorzug einer Traglufthalle ist die Fertigungsdauer von wenigen Wochen, das Errichten binnen eines Tages, sowie die Abbaubarkeit in ebenso kurzer Zeit.

Die Errichtungskosten betragen nur etwa ein Zehntel einer Halle mit festen Wänden und Dach.

Auch in unbeheiztem Zustand benötigt eine Traglufthalle dauerhaft den Betrieb eines Gebläses, insbesondere um Windstabilität zu gewährleisten. Zweckmässig ist ein Notstromaggregat um einen Ausfall des Stromnetzes ausgleichen zu können.

Wenn keine durchgehende Bodenplatte betoniert wird, ist zur festen Verankerung zumindest ein Fundamentstreifen entlang der Bodenkontur der Halle zu errichten.

Die Lebensdauer einer zweischichtigen Traglufthalle wird vom Hersteller Duol mit mindestens 40 Jahren angegeben.[2]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das 49 Meter durchmessende, denkmalgeschützte Radom Raisting in Raisting am Ammersee beherbergt eine Antenne von 25 Meter Durchmesser zur Satellitenkommunikation.
  • Eine 101,40 mal 63 Meter messende Traglufthalle überdacht einen Feldhockey-Platz beim Mannheimer Hockeyclub in Mannheim, bei einer Höhe von 15 Metern.[3]
  • Eine der bekanntesten deutschen Traglufthallen war die Eishalle im Augsburger Stadtteil Haunstetten. Seit November 2009 ist die Eishalle wieder überdacht, jedoch nicht mehr mit einer flexiblen Außenhaut, sondern mit einer stabilen Konstruktion aus Metallplatten.
  • Stark beschädigt wurde 1972 durch den Orkan Quimburga eine Traglufthalle an der Baustelle der Staatsbibliothek zu Berlin die Bücher beherbergte und eine am Werksgelände von Hanomag-Henschel in Kassel, in der Autos durch Bäume und Dachziegel beschädigt wurden.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am 13. Oktober 2014 eröffnete eine wärmegedämmte Traglufthalle mit 4 nebeneinander liegenden Tennisplätzen in Wien beim Hohe Warte Stadion. Die Leuchten sind deckenmontiert, ein Teil von der Decke abgehängt.[4]
  • Ende Oktober wurde eine Traglufthalle für 3 Tennisplätze in Amstetten neu errichtet, die typisch von Anfang Oktober bis Mitte April betrieben und über den Sommer jeweils abgebaut werden soll, um über den Sommer Betriebskosten zu sparen. Das über der Hülle liegende Netz aus Stahlseil ist rundum an einem Betonfundament verankert.[5]
  • Im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 wurden den Tiroler Sozialen Diensten (TSD) des Landes Tirol 5 Traglufthallen als Behelfsunterkünfte gekauft. Ein Kredit von 6 Mio. € wurde dafür vergeben. Eine Halle davon wurde in Hall aufgestellt und bezogen, eine in Innsbruck-Arzl zwar aufgestellt doch nicht bezogen, drei wurden nicht ausgepackt. 2017 wurden die 4 ungenutzten Hallen um je 60.000 € vom Land angekauft und an humanitäre Organisationen im Ausland verschenkt.[6]
  • Am 12. November 1975 wird eine für die Olympiade 1976 in Innsbruck errichtete Traglufthalle durch einen Sturm fast völlig zerstört.[7]

Osteuropäische Länder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Insbesondere in Ländern des ehemaligen Ostblocks sind Tennishallen oft noch kostengünstig als Traglufthallen ausgeführt.[8]

Andere Länder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eine der größten Traglufthallen der Welt ist der 1988 eröffnete Tokyo Dome im Tokioter Stadtteil Bunkyō. Das 56 Meter hohe Bauwerk bietet 55.000 Gästen Platz. Es wird als Baseball-Stadion und für Veranstaltungen genutzt.
  • Die luftgestützte Dachkonstruktion des Metrodome in Minneapolis (USA) hatte eine extrem große Fläche von etwa 4 Hektar. Am 11. Dezember 2010 stürzte sie unter einer dicken Schneedecke ein, die unter den Bedingungen eines starken Schneesturms nicht abgeräumt werden konnte.
  • Eine einzigartige Traglufthalle in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist Kooradome in Dubai, die mit einer speziellen Dämmung den extremen Bedingungen der Wüste standhält.

Tragluftdach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Traglufthalle ist das Tragluftdach abgeleitet. Bei diesem bildet die elastische, mit Überdruck in Form gebrachte Hülle das Dach eines konventionell ausgeführten Gebäudes. im Vergleich zur Traglufthalle können mit dieser Konstruktion größere und weniger windempfindliche Gebäude errichtet werden, die keine feste Dachkonstruktion benötigen.

Großunterkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hall in Tirol, Zollstraße wurde Februar 2016 österreichweit die erste Traglufthalle als Quartier für 240 Flüchtlinge errichtet.[9] Eine weitere aufgeblasene wurde schon Januar 2016 in Innsbruck-Arzl aufgestellt, doch bis Juni nicht bezogen. Insgesamt hat das Land Tirol fünf solcher Hallen aufgrund des Flüchtlingsanstroms ab 2015 angekauft. Diese sollen auch bei Katastrophen zur Verfügung stehen.[10] In Deutschland wurde diese Technik für Großquartiere bereits Anfang 2014 angewendet, damals für Obdachlose in Berlin.[11]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Centaury+ : Doppelschichtige Traglufthallen Hersteller Centaury Plus s.r.o., Slowakei, airdomes.sk, abgerufen 9. November 2017. – Mit 24-Bilder-Serie vom Aufbauen einer Halle.
  2. Duol - Büro Deutschland abgerufen 9. November 2017. – Bildergalerie von Referenzobjekten.
  3. Aufbau der Traglufthalle für den Mannheimer Hockey-Club. In: morgenweb.de. Abgerufen am 10. April 2015.
  4. Eine der modernsten Tennis-Traglufthallen Europas wird pünktlich zur Wintersaison eröffnet! meinbezirk.at, 30. September 2014, abgerufen 9. November 2017.
  5. taf-tennis academy Fellner Zandomeneghi OG tel. Auskunft 9. November 2017.
  6. Traglufthallen gehören jetzt dem Land orf.at, 9. November 2017, abgerufen 9. November 2017
  7. 12. November Wetterkalender 2010, zamg.ac.at, abgerufen 9. November 2017.
  8. taf-tennis academy Fellner Zandomeneghi OG tel. Auskunft 9. November 2017.
  9. http://tirol.orf.at/news/stories/2756194/ Traglufthalle für Flüchtlinge in Hall fertig, orf.at, 6. Februar 2016, abgerufen 6. Februar 2016.
  10. http://tirol.orf.at/news/stories/2779047/ Schlagabtausch um Traglufthallen, orf.at, 8. Juni 2016, abgerufen 8. Juni 2016.
  11. http://www.bz-berlin.de/berliner-helden/mobile-notunterkunft-fuer-obdachlose, 14. Februar 2014, abgerufen am 31. März 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Traglufthallen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien