Sobięcin (Wałbrzych)

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Sobięcin (deutsch Hermsdorf; bis 1929 Niederhermsdorf, auch Nieder Hermsdorf) ist ein Ortsteil der Großstadt Wałbrzych in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Bis 1950 war Sobięcin eine selbständige Landgemeinde.

Geographie[Bearbeiten]

Sobięcin liegt im Westen der Stadt Wałbrzych im ehemaligen Waldenburger Kohlerevier. Nachbarorte sind die Stadtteile Biały Kamień und Konradów im Norden, Stary Zdrój im Nordosten, Kuźnice Świdnickie im Süden, Boguszów im Südwesten und Jabłów im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Hermsdorf wurde vermutlich Ende des 13. Jahrhunderts gegründet und erstmals 1305 im Breslauer bischöflichen Zinsregister als „Hermsdorf“ erwähnt. Es gehörte zum Burgbezirk der Burg Neuhaus im Herzogtum Schweidnitz und gelangte mit diesem zusammen 1392 an die Krone Böhmen. Für das Jahr 1576 sind acht Bauern belegt, denen zehn Jahre später die Kohlenrechte erteilt wurden. Im Dreißigjährigen Krieg fiel Hermsdorf wüst und wurde danach wieder aufgebaut. 1658 erließ die Grundherrschaft eine neue Kohlenordnung; 1688 wurde ein Schöffenbuch angelegt.

Die Kolonie „Oberhermsdorf“ wurde erstmals 1736 erwähnt. Nachfolgend wurde Hermsdorf auch als „Niederhermsdorf“ bezeichnet. 1738 wurde ein neues Urbarium angelegt und 1740 294 Einwohner gezählt. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Hermsdorf zusammen mit fast ganz Schlesien an Preußen. Nach der Mutung weiterer Grubenfelder 1775 erfolgte ein weiterer Ausbau der Kohlenförderung.

Nach der Neugliederung Preußens gehörte Hermsdorf seit 1815 zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Waldenburg eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. 1840 bestand Hermsdorf aus 786 Einwohnern, in Oberhermsdorf waren es 146. 1869 und 1889 beteiligten sich die Bergarbeiter an den Streiks im Steinkohlerevier.

Seit 1874 bildete Nieder Hermsdorf den gleichnamigen Amtsbezirk, der 1933 in „Amtsbezirk Hermsdorf“ umbenannt wurde und der bis 1945 bestand. 1890 errichtete die Gemeinde ein neues Rathaus. 1898 erhielt Hermsdorf Anschluss an die Waldenburger Kreisbahn. 1905 lebten in Hermsdorf 11.583 Menschen und in Oberhermsdorf 2.203 Menschen. 1925 wurde der Volkspark eröffnet. Nach der Ausgemeindung von Oberhermsdorf 1929 nach Gottesberg wurde Niederhermsdorf 1933 amtlich in „Hermsdorf“ umbenannt. 1939 bestand Hermsdorf aus 11.233 Einwohnern.

Hermsdorf wurde mehrmals von schweren Katastrophen heimgesucht. 1891 kamen 13 Bergarbeiter bei einem Schlagwetterunglück um, und nach einer Sprengstoffkatastrophe am 31. Dezember 1895 waren 29 Tote zu beklagen. Ein Schlagwetterunglück am 27. Juli 1929 forderte 33 Todesopfer.

Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Hermsdorf 1945 wie fast ganz Schlesien an Polen und wurde in Sobięcin umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde, soweit sie nicht schon vorher geflüchtet war, zum größten Teil vertrieben. Die neuen Bewohner waren zum Teil Heimatvertriebene aus Ostpolen. 1950 wurde Sobięcin in die Stadt Wałbrzych eingemeindet. Der Bergbau wurde zunächst weiter geführt, kam jedoch mit der Schließung der Grube „Viktoria“ 2001 zum Erliegen.

Steinkohlenbergbau[Bearbeiten]

1722 waren folgende Steinkohlenbergwerke in Betrieb:

  • Senkstollen
  • Schwerer Stollen
  • Schweiß-Stollen
  • Erster Stollen
  • Zweiter Stollen und
  • Natternfahrt

Weitere Bergwerke entstanden:

  • 1750 Glückhilf-Grube. Sie war 1780 die drittgrößte Grube des Waldenburger Kohlereviers und erhielt 1816 die erste Dampffördermaschine. 1889 beschäftigte sie 3.741 Mitarbeiter.
  • 1752 Friedenshoffnungs-Grube
  • 1852 Von-der-Heydt-Schacht
  • 1856 Vorwärtshütte (Betrieb 1882 eingestellt)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Rudolf Seidel (1862–?), war ein deutscher Politiker der Deutschen Volkspartei

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Bartsch: Unvergessene Waldenburger Heimat. Norden (Ostfriesl.) 1969, S. 348–349

Weblinks[Bearbeiten]