Sonnenbad

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Sonnenbad

Ein Sonnenbad, auch Sonnenlichtbestrahlung, Lichtbad oder Heliotherapie genannt, bezeichnet das bewusste Einwirkenlassen des Sonnenlichts auf den unbedeckten Körper zu therapeutischen Zwecken.[1] Der menschliche Körper kann mittels ultravioletten Lichts (UV-B) einen Teil seines Bedarfs an Vitamin D selbst decken.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits antike Ärzte kannten und empfahlen die heilende Wirkung von Sonnenlicht. Diese Lichtbehandlung wurde ab 1770 wiederentdeckt und Sonnenbäder zunehmend gegen zahlreiche Krankheiten und zur Prophylaxe angewendet.

Medizinisches Sonnenbaden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Heliotherapie bezeichnet man die Sonnenlichtbestrahlung zu Heilzwecken (siehe auch: Physikalische Therapie). Die infraroten Strahlen entfalten eine Wärmewirkung und die besonders im Hochgebirge und am Meer vorhandenen blauen bis ultravioletten Strahlen haben eine chemisch-biologische Wirkung. Die Anwendung von Heliotherapie ist insbesondere angezeigt bei tuberkulösen Hauterkrankungen und Knochentuberkulose. Als Allgemeinwirkung sollte sich bei maßvoller Anwendung ein gesteigerter Appetit, eine bessere Durchblutung, vermehrte Blutneubildung und eine Erhöhung der Widerstandskraft einstellen. Diesem Credo folgend eröffneten die Pioniere der Heliotherapie wie Oskar Bernhard oder Arnold Rikli im 19. Jahrhundert eigens für die Lichttherapie ausgelegte Kuranstalten. Der dänische Arzt Niels Ryberg Finsen bekam 1903 den Nobelpreis für Medizin für die Behandlung von Krankheiten durch Lichtstrahlen.

Anwendung und Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonnenbäder müssen in langsam steigender Dosierung genommen werden; Hautrötungen und Wärmestau sind zu vermeiden. Eine Bräunung der Haut entsteht durch die UV-B-Strahlung. Unter ihrem Einfluss wird von in der Oberhaut befindlichen Zellen (Melanozyten) Melanin gebildet, das die Haut vor Schäden an der DNA des Zellkerns schützt. Bereits Sonnenbäder von kurzer Dauer lösen eine medizinisch wirksame Reaktion im Körper aus. Kurze häufige Intervalle sind wirksamer und ungefährlicher als seltene lange Bestrahlungen.

Zu beachten ist, dass mit Abnahme der Bewölkung, geringerer Luftverschmutzung, größerer Nähe zum Äquator und höherer Lage des Standorts die Intensität der Strahlung zunimmt, die Sonnenbadezeit ist entsprechend zu kürzen. Zwischen 11 Uhr und 15 Uhr sollte man die Sonne meiden. Sonnenbäder nach 15 Uhr bei geringerer Strahlungsintensität führen zu weniger Gesundheitsschäden und einer länger anhaltenden Bräune.

Übermäßiges Sonnenbaden ist mit höherem Risiko der lichtbedingten Hautalterung und des Hautkrebses verbunden. Um einen Sonnenbrand und evtl. Spätschäden zu vermeiden, sind Sonnenschutzmittel empfohlen. Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktoren von 6 bis 70+ schützen sowohl gegen UV-A- als auch gegen UV-B-Strahlung. Eine Schutzfaktor-Empfehlung kann aus UV-Index und individuellen Daten ermittelt werden.[2]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonnenbad auf der MS "Fritz Heckert", 1961

Sonnenbäder werden bevorzugt im Garten, auf Balkon oder Terrasse sowie in der Natur genommen. Dabei wird nackt oder teilbekleidet gesonnt. Das nackte Sonnenbaden ermöglicht eine maximale Wirkung, nahtlose Bräune und ist in FKK-Einrichtungen Standard, in der freien Natur meist unbeanstandet.

Alternative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine beliebte Alternative zu Natursonnenbädern ist das Solarium. Hier wird die Körperhaut mit künstlich hergestellten UV-Licht gebräunt. Wie in der Natursonne sollte auch hier beachtet werden, dass die Erythemschwellendosis nicht erreicht wird. Bei gewissenhaft geführten Sonnenstudios mit fachlich geschulten Mitarbeitern kann diese für jeden Hauttyp auf einem bestimmten Solarium in Minuten berechnet werden. Im Solarium wird sowohl UVA-Strahlung (verantwortlich für die Dunkelung vorhandener Pigmente in der Haut) als auch UVB-Strahlung (verantwortlich für die Pigmentneubildung) verwendet.

Hautkrebs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu einem „gesundheitsbewussten Umgang mit der Sonne“ rät die Deutsche Krebshilfe immer wieder, um das Hautkrebsrisiko zu reduzieren und den Menschen Leid zu ersparen. Jährlich erkranken in Deutschland ca. 207.000 Menschen neu an weißem Hautkrebs (Basalzellenkrebs 137.000, Plattenepithelkarzinom 70.000).[3] Die Häufigkeit von schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom) wird für ganz Deutschland im Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut erfasst. Im Jahr 2010 erkrankten 19.220 Menschen (9.640 Männer und 9.580 Frauen) am malignen Melanom und 2.711 Menschen starben daran.[4] UV-Strahlung ist nach Expertenmeinung der größte Risikofaktor für dieses Tumorleiden. Jeder Sonnenbrand erhöht das Hautkrebsrisiko. Daher ist ein umfassender Sonnenschutz wichtig. Bestimmte Experten auf diesem Gebiet raten daher zur Anwendung einer Sonnencreme mit einem Lichtschutzfaktor von mindestens 30. Personen mit von Natur aus roten oder blonden Haaren und blauen Augen wird sogar ein LSF von 50 nahegelegt, um beim Sonnenbaden ausreichend geschützt zu sein.[5]

Suchtgefahr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psychologen der University of Texas (USA) haben durch eine Umfrage mit 150 „Sonnenbadern“ auffällige Verhaltensweisen festgestellt und diese mit denen von Alkohol- und Drogenabhängigen verglichen. Nach verschiedenen psychologischen Kriterien bewertet zeigten ein Viertel bis die Hälfte der Sonnenbadenden Abhängigkeitssymptome. Dieses suchtähnliche Verhalten des exzessiven Sonnenbadens wird Tanorexie genannt. Als Ursache wird spekuliert, dass das Hormon Endorphin für den ungesunden intensiven Sonnenlichtkonsum verantwortlich ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Simone Tavenrath: So wundervoll sonnengebräunt. Kleine Kulturgeschichte des Sonnenbadens. Jonas, Marburg 2000, ISBN 3-89445-258-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DIE ZEIT Das Lexikon, Bd. 13 S. 512, 2005, ISBN 3-411-17573-7
  2. Empfehlung zum LSF
  3. Hautkrebs. Umdenken! Dem Krebs aktiv vorbeugen. In: krebshilfe.de. Deutsche Krebshilfe, archiviert vom Original am 14. April 2011; abgerufen am 14. April 2011.
  4. Robert-Koch-Institut (Herausgeber): Krebs in Deutschland 2009/2010. 9. Ausgabe, 2013, S. 60ff. (abgerufen am 19. Mai 2014).
  5. Acht gefährliche Irrtümer über Sonnenbaden. In: Die Welt Online, 9. Juni 2012.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WiktionaryWiktionary: Sonnenbad – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Sonnenbad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien