Southall (London)

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Southall
Southall Manor House
Southall Manor House
Koordinaten 51° 31′ N, 0° 23′ WKoordinaten: 51° 31′ N, 0° 23′ W
Southall (Greater London)
Southall
Southall
Verwaltung
Post town SOUTHALL
Postleitzahlen­abschnitt UB1, UB2
Vorwahl 020
Landesteil England
Region London
London Borough Ealing
Britisches Parlament Ealing Southall

Southall ist ein Stadtteil des London Borough of Ealing im Westen von London. Die umliegenden Stadtteile sind Yeading, Hayes, Hanwell, Heston, Hounslow, Greenford und Northolt.

Southall liegt am Grand-Union-Kanal, der London zum ersten Mal mit dem Rest des stetig wachsenden Kanalsystems verband. Er war der letzte Kanal, der bis in die 1950er Jahre signifikant zum Transport von Handelswaren benutzt wurde. Außerdem führen die Bahnlinien Great Western Main Line und Heathrow Connect durch Southall und verbinden den Stadtteil mit dem Bahnhof Paddington im Osten und in westlicher Richtung mit Reading, Oxford, Newbury und dem Flughafen Heathrow. Southall verfügt über nur einen zentral gelegenen Bahnhof.

Die Stadt ist eine der am dichtesten von asiatischstämmigen Menschen besiedelten Orte außerhalb des indischen Subkontinents. Deshalb ist der Bahnhof Southall einer von drei Bahnhöfen in England, die zweisprachig in Englisch und Panjabi beschriftet sind.

Die Einwanderung nach Southhall begann Mitte der 1950er Jahre, als die Woolf's Rubber Company Arbeitskräfte für ihr Automobilzulieferungsunternehmen benötigte. Ein Mitglied der Eigentümerfamilie hatte im Zweiten Weltkrieg eine Einheit mit Sikhs aus dem Punjab kommandiert und rekrutierte Gastarbeiter unter seinen ehemaligen Soldaten. Diese informierten ihre Familien und Nachbarn. Bis 1961 waren 2400 Menschen aus den ehemaligen Kolonien in Southhall gemeldet, sie arbeiteten überwiegend für die Lebensmittelindustrie in West-London und Middlesex. Die Einwanderung nahm stark zu, als 1965 aufgrund politischer Diskussionen zu befürchten war, dass die Zuwanderung aus den Kolonien künftig stark erschwert werden könnte. Vor allem holten die als Arbeitskräfte Gekommenen soweit wie irgend möglich ihre Angehörigen nach. Als ab 1967 die selbständigen Nationen Ostafrikas alle durch die Kolonialherren als qualifizierte Handwerker und Verwaltungskräfte geholten Asiaten auswiesen, zogen viele von ihnen mit Wurzeln im Punjab nach Southhall. Aus den Gastarbeitern wurden Einwanderer.[1] Weitere Einwanderer nach Southall kamen aus der Karibik, wobei diese sich ohne örtliche Konzentration über ganz West-London verbreiteten.

Rassistische Gewalt war 1976 Auslöser der Southhall Riots. Eine neofaschistische Jugendgang brachte einen jungen Sikh vor der Tür einer Immigrantenintitative um. Zwei Demonstrationszüge bildeten sich und zogen aus verschiedenen Richtungen zur Polizeiwache. Die Jugendlichen warfen der Polizei vor, sie nicht ausreichend von Gewalt durch Rassisten zu schützen und ihrerseits Gewalt gegen die jungen Bewohner des Viertels aus Immigrantenfamilien anzuwenden. In den folgenden Tagen kam es zu Sit-Ins, Demonstrationen und Festnahmen. Die englische Presse berichtete darüber unter dem Thema „Rassenunruhen“ zwischen jungen Asiaten und der Polizei.[2]

In den späten 1980er Jahren eröffneten in Southhall mehrere Musik- und Nightclubs, die sich speziell an Schwarze mit karibischer Herkunft richteten. Damit wurde das Viertel, das tagsüber nur einen kleinen Teil an afrikanisch-stämmiger Bevölkerung hat, abends und in der Nacht zum Hotspot der karibischen Kulturen für ganz West-London.[3] Zeitlich fiel damit die Wiederentdeckung des Bhangra zusammen, einem traditionellen Volkstanz aus dem Punjab, der ab den späten 1970er Jahren und verstärkt in den 1980ern mit Elementen der internationalen Pop-Musik, Synthesizern, Keyboards, E-Gitarren und vor allem Sampling und Scratching-Techniken modernisiert wurde. Diese mosikalische Innovation fand in Southhall statt und wurde zunächst The Southhall Beat genannt, bevor sich Bhangra als Bezeichnung durchsetzte. Bhangra wurde zur gemeinsamen Musik aller Asiaten vom indischen Subkontinent in London und England und verbreitete sich weltweit in den entsprechenden Communities. Zeitzeugen sprachen dieser Erfindung eine maßgebliche Rolle dabei zu, dass sich eine gemeinsame Identität der Nachkommen aller Einwanderer vom indischen Subkontinent etablierte.[4]

Die heutigen Bewohner Southhalls sind gegenüber anderen Gemeinden und Vierteln in West-London durch die schlechte Anbindung an den öffentlichen Verkehr benachteiligt. Wer als Pendler in Zentral-London arbeitet, muss mehrere Stunden Fahrwege am Tag in Kauf nehmen. Deshalb ist der Arbeitsmarkt von Southhall nur wenig mit Richtung Osten verbunden, sondern orientiert sich stark auf den Flughafen Heathrow im Südwesten von Southhall.[5] Dem gegenüber stehen Fernbusverbindungen zu allen anderen Orten Englands mit starkem Immigrantenanteil vom indischen Subkontinent. Familiäre Verbindungen und die vielen Hindu-Tempel und Gebetshäuser in Southhall ziehen Angehörige dieser Bevölkerungsgruppe regelmäßig nach Southhall.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Southall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Baumann 1996, S. 54 f.
  2. Baumann 1996, S. 58
  3. Baumann 1996, S. 91
  4. Baumann 1996, S. 156 f.
  5. Baumann 1996, S. 74
  6. Baumann 1996, S. 41