Spitalkirche Herrenberg

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Spitalkirche zum Heiligen Geist

Die Spitalkirche ist ein evangelisches Kirchengebäude in Herrenberg, Baden-Württemberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1400 wurde durch eine Stiftung des Bürgers Hans Huter mit der Beteiligung der Stadt das Herrenberger Spital gegründet.[1] Es sollte eine Herberge für arme und alte Menschen geschaffen werden. Im Jahr 1412 wird die Spitalkirche Zum Heiligen Geist erstmals erwähnt,[1] sie wurde auf dem Grundstück des Bürgers Hans Huter gebaut. Herrenberger Bürger haben diese Kirche gestiftet. Sie hatte anfänglich nur den Rang einer Kapelle für das Spital.

Im Jahr 1466 fielen drei Viertel des Ortes einem wohl im Rathaus ausgebrochenen Großbrand zum Opfer. Alle Urkunden und Dokumente aus dieser Zeit wurden ein Raub der Flammen.[1] Im Jahr 1508 verordnete am „wegen des hohen und schweren Kirchgangs besonders zu Winterzeiten so Schnee und Eis Entsteht, also daß viel Menschen auf solchem Kirchgang schwerlich und zum Teil so hart gefallen sind, daß ihnen ihr Leben lang und bis in die Grube gefolgt hat“, dass „aufgrund von Stiftungen dreimal in der Spitalkirche Messe gehalten werde, montags eine gelesene, donnerstags ein gesungenes Amt von unseres Herrn zarten Fronleichnam und samstags ein gesungen Amt von unserer lieben Frauen“.

Im Juli 1635 brannte die Stadt durch die „Verwahrlosung“ eines Soldatenjungen fast vollständig ab. 270 Häuser wurden ein Raub der Flammen. Nur die Propstei und einige Häuser am Burgrain und in der Stuttgarter Straße überstanden den Brand.[1]

Im Jahr 1656 wurde die wiederhergestellte Spitalkirche eingeweiht. Die Holzkanzel mit Intarsienarbeiten fertigte Christian Kleber aus Danzig[1] in der Werkstatt von J. Philipp Rommelspacher in Herrenberg.

Im Jahr 1879 wurde die Spitalkirche restauriert. Die Annahme, dies sei durch den Stuttgarter Architekten Heinrich Dolmetsch erfolgt, ist nirgends belegt.[2] 1909 erfolgten weitere Änderungen im Innenraum u. a. wurde die Emporenbrüstung optisch geöffnet, neue Bänke eingebaut und die Kassettendecke im Sinne der Zeit übermalt. In der Zeit des Nationalsozialismus war das Obergeschoss der Kirche Zufluchtsort für die kirchliche Jugendarbeit.

1942 musste die Glocke zu Rüstungszwecken abgegeben werden.[1] Am 16. April 1945 wurde die Spitalkirche durch einen Bombentreffer schwer beschädigt,[1] der Innenraum wurde verwüstet. Beim Wiederaufbau 1947 wurde in die Südostwand ein viertes Fenster eingebrochen und mit stilgerechter Leitung und Maßwerk versehen. Der südliche Eingang wurde zugemauert. Es entstand eine neue Wandfläche, die den Altar aufnahm. Hinter dem Altar wurde das zweifarbige Graffito von Rudolf Yelin angebracht und verziert. Das wertvolle Kruzifix aus dem 15. Jahrhundert wurde dabei in das Graffito eingearbeitet. Die nun auch verbreiterte Empore war bereits seit alters dieser Wand zugekehrt, so dass nun nach der Drehung eines Teils des Gestühls im Schiff die in der Ostecke stehende Kanzel und der rechts darunter stehende Altar zum Mittelpunkt des Kirchenraumes wurde. Dadurch wurde die ursprünglich zur Tübinger Straße geostete Kirche gesüdet. Im Februar 1948 wurde die Spitalkirche nach Abschluss der Arbeiten wieder eingeweiht.[1]

Bis in die 1970er Jahre diente die Spitalkirche der Herrenberger Kirchengemeinde als Winterkirche. Die oberen Stockwerke beherbergten lange Kinderkirche und Jugendkreise. Als die Stiftskirche wegen aufwendiger Renovierungsarbeiten für zehn Jahre geschlossen blieb, wurde die Spitalkirche zum Haupttreffpunkt aller Gläubigen der Kirchengemeinde.

Seit 2000 ist die Kirche nun wieder geschlossen. Eine Plan für die bauliche Sanierung und ein neues Nutzungskonzept wurden erarbeitet.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel der Spitalkirche in Herrenberg wurde von der Orgelbaufirma Plum erbaut. Das Instrument hat 12 Register auf einem Manualwerk und Pedal. Die Manualregister stehen auf Wechselschleifen und sind auf zwei Manualen registrierbar.[3]

I/II Manualwerk C–g3
1. Metallflöte 8′
2. Gedeckt 8′
3. Oktave 4′
4. Rohrflöte 4′
5. Prinzipal 2′
(Fortsetzung)
6. Waldflöte 2′
7. Quinte 223
8. Sesquialter II
9. Mixtur IV 1′
Pedalwerk C–f1
10. Subbaß 16′
11. Flöte 8′
12. Trompetenbaß 8′
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Traugott Schmolz: Herrenberg Chronik einer Stadt. Von den Anfängen bis zum Jahr 1975. Herrenberg 1987. S. 18–48.
  2. Ellen Pietrus: Heinrich Dolmetsch. Die Kirchenrestaurierungen des württembergischen Baumeisters; Dissertation Universität Hannover 2003, veröffentlicht vom Regierungspräsidium Stuttgart, Landesamt für Denkmalpflege in: Forschungen und Berichte der Bau- und Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Band 13, Stuttgart 2008
  3. Informationen zur Orgel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 48° 35′ 45″ N, 8° 52′ 12,5″ O