Splendid-Hotel

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Das Splendid-Hotel um 1910

Das Splendid-Hotel gehörte in der wilhelminischen Epoche zu den bekannteren Berliner Hotels. Es lag im heutigen Ortsteil Mitte in der Dorotheenstraße 92/93 und wurde 1914 in Schloß-Hotel umbenannt. Das Hotel bestand von 1904 bis 1918.

Ein Neubau im neobarocken Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Splendid-Hotel befand sich in Berlin-Mitte in der Dorotheenstraße 92/93 (heute: Nr. 37)

Das Grundstück in der Dorotheenstraße Nr. 92/93 (spätere Nummerierung: 77/78, heute: Nr. 37) gehörte dem Bandagen-Händler H. Loewy, der dort 1904 vom Architekturbüro Gronau & Graul im neobarocken Stil mit Jugendstilelementen einen Neubau errichten ließ.

Die Fassade des heute unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes, das die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs überstanden hat, schmückt u. a. der von mythologischen Atlanten gestützte Mittelrisalit. In der Mittelachse sind drei Kartuschen angebracht. Im Innern vermitteln die Treppenhäuser und einige Zimmertüren einen Eindruck von der ursprünglichen dekorativen Innenausstattung.[1]

In den Räumen des anspruchsvollen fünfgeschossigen Neubaus nahm 1904 das Hotel Splendid seinen Betrieb auf, der unter der Leitung von James Norden stand. Einem Berlinführer von 1905 entlockte der Bau – wahrscheinlich mit Blick auf seine Jugendstilelemente – die Bemerkung „neueste berlinische Aufmachung“.[2]

Standard und Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Splendid-Hotel bezeichnete sich selbst in seiner Werbung als „Haus ersten Ranges“ und warb mit seiner Nähe zum Bahnhof Friedrichstraße. Seinen Standort beschrieb das Hotel wie folgt: „1 Min. vom Bahnhof Friedrichstraße. […] Ruhigste, beste, vornehmste Lage, in nächster Nähe der Königl. Theater, Tiergarten und aller Sehenswürdigkeiten“.

Es gehörte zu den kleineren Hotels und verfügte über 65 Zimmer in einer mittleren Preislage.[3] Im Erdgeschoss des Hotelgebäudes befanden sich ein Weinrestaurant und ein Friseur-Salon. Das Hotel versprach seinen Gästen „alle(n) Komfort, mässige Zimmerpreise, Lift, Zentralheizung“.[4]

Patriotische Umbenennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Kriegserklärung Großbritanniens an das Deutsche Reich und dem Beginn des Ersten Weltkriegs verlangte der damalige Berliner Polizeipräsident Traugott Achaz von Jagow 1914, alle Einrichtungen mit englischen und französischen Bezeichnungen mit deutschen Namen zu versehen. Diese Anordnung wurde vom Hotel Splendid befolgt: Das Hotel wurde in Schloß-Hotel umbenannt.

Einstellung des Hotelbetriebs 1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1918 wurde der Hotelbetrieb eingestellt und die Zimmer wurden als Geschäfts- und Büroräume an verschiedene Gewerbebetriebe vermietet. Das Wiener Schloß-Restaurant im Erdgeschoss des Gebäudes bestand in den Folgejahren jedoch weiter.

Die spätere Nutzung des Standorts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1925 bis 1933 hatte im ehemaligen Hotelgebäude u. a. die Rote Hilfe Deutschland ihren Sitz. In der DDR-Zeit nutzte die Bank für Landwirtschaft und Nahrungsgüterwirtschaft das Haus. Nach der deutschen Wiedervereinigung in den 1990er Jahren wurde das Gebäude im Innern umgebaut. Heute befindet sich im Erdgeschoss des Hauses ein Delikatessenladen, der nach dem ehemaligen Hotel benannt ist, sowie ein Reisebüro. Die heutige Adresse des Gebäudes ist Dorotheenstraße 37.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anonymus: Berlin und die Berliner. Leute, Dinge, Sitten, Winke. Verlag J. Bielefelds.
  • Karl Baedeker: Berlin und Umgebung. Handbuch für Reisende. Verlag Karl Baedeker, 18. Aufl. Leipzig 1914.
  • Bodo-Michael Baumunk: Grand-Hotel. In: Die Reise nach Berlin. Hrsg. i. A. des Berliner Senats für die gleichnamige Ausstellung, Berlin 1987. S. 192 ff.
  • Wolfgang Bernhagen/Heinz Schlottke: Vom Gasthof zum Luxushotel. Ein Streifzug durch die Berliner Hotelgeschichte – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hrsg. von der Generaldirektion der Interhotel DDR, o. O. o. J. [1988].
  • Renate Düttmann: Berliner Gasthöfe des 18. und 19. Jahrhunderts. In: Die Reise nach Berlin. Hrsg. i. A. des Berliner Senats für die gleichnamige Ausstellung, Berlin 1987. S. 181–191.
  • Peter Güttler: Liste der Hotelbauten. In: Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin, München, Düsseldorf 1980. Teil VIII Bauten für Handel und Gewerbe. Band B.
  • Wolfgang Müller: Hotelbauten. In: Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin, München, Düsseldorf 1980. Teil VIII Bauten für Handel und Gewerbe. Band B Gastgewerbe. S. 1–38.
  • Hasso Noorden: Deutsche Großstadthotels. In: Velhagen & Klasings Monatshefte, Jg. 24, Heft 1, S. 42–55.
  • Hans-Christian Täubrich: Zu Gast im alten Berlin. Erinnerungen an die Alt-Berliner Gastlichkeit mit Hotelpalästen, Vergnügungslokalen, Ausflugsgaststätten und Destillen. Verlag Hugendubel 1990. ISBN 3-88034-482-5.
  • Volker Wagner: Die Dorotheenstadt im 19. Jahrhundert: vom vorstädtischen Wohnviertel barocker Prägung zu einem Teil der Berliner modernen City. Verlag De Gruyter, Berlin, New York 1998. Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, Bd. 94. ISBN 3-11-015709-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. das Berliner Bezirkslexikon der Edition Luisenstadt, Bezirk Mitte, Stichwort: Hotel Splendid: [1]
  2. vgl. Anonymus: Berlin und die Berliner. Leute, Dinge, Sitten, Winke. Verlag J. Bielefelds, S. 429.
  3. vgl. Karl Baedeker: Berlin und Umgebung. Handbuch für Reisende. Verlag Karl Baedeker, 18. Aufl. Leipzig 1914, S. 6.
  4. So der Werbetext des Hotels Splendid auf einer Postkarte von ca. 1905.
  5. vgl. das Berliner Bezirkslexikon der Edition Luisenstadt, Bezirk Mitte, Stichwort: Hotel Splendid: [2]

Koordinaten: 52° 31′ 7″ N, 13° 23′ 22″ O