Sprachproduktion

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Die Sprachproduktion umfasst in der Psycholinguistik die kognitiven Prozesse, die bei der Planung und Artikulation von gesprochener, geschriebener und gebärdeter Sprache involviert sind; dies umfasst sowohl einzelne Wörter, als auch Sätze und Dialoge. Mit der Sprachproduktion beschäftigen sich die Disziplinen Psycholinguistik, Phonetik, Neurolinguistik und Neurophonetik. Die Sprachproduktion ist jedoch weit weniger erforscht als das Sprachverstehen.[1] Die Gründe liegen in den methodischen Schwierigkeiten: Die Prozesse der Sprachproduktion sind erst durch die neueren Methoden der Gehirnbeobachtung beobachtbar. Klassischerweise wird die Sprachproduktion analysiert durch die Betrachtung von Sprachstörungen (insbesondere Aphasien), von Versprechern und von Verzögerungsphänomenen.

Nach Willem Levelt (1989) werden vier verschiedene Phasen des Sprachproduktionsprozesses unterschieden: Konzeptualisierung, Formulierung, Artikulation und Selbst-Überwachung (englisch self-monitoring).[2] Zu Beginn überlegt sich der Sprecher, welche Nachricht übermittelt werden soll; daraus wird in einem nächsten Schritt ein grammatischer Plan erstellt (Zugriff auf das Mentale Lexikon: Wörter und Phrasen werden ausgewählt und angeordnet, die phonologische Form der Wörter wird aktiviert), der im dritten Schritt von den Muskeln des Artikulationsapparates ausgeführt wird. Außerdem wird das Gesagte überwacht, um sicherzustellen, dass auch das gesagt wurde, was beabsichtigt war.[3]

Für die Wortproduktion fasst Indefrey (2011)[4] die neurolinguistischen Ergebnisse zu den relevanten Stadien folgendermaßen zusammen und versucht auch eine Bestimmung der zeitlichen Abschnitte (in Millisekunden):

„Stadien der Wortproduktion

  • Konzeptuelle Planung (0–200+ms)
  • Lemmaauswahl (∼200–275 ms)
  • Wortformsuche  (∼275–355 ms)
  • phonologische Enkodierung (∼355–455 ms)
  • phonetische Enkodierung (∼455–600 ms)
  • Artikulation (600 ms+)“

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kathryn Bock, Willem Levelt: Language production. Grammatical encoding. In: M. A. Gernsbacher (Hrsg.): Handbook of psycholinguistics. 1994, S. 945–984 (englisch).
  • Gary S. Dell: A spreading-activation theory of retrieval in sentence production. In: Psychological Review. Band 93, Nr. 3, 1986, S. 283–321 (englisch, 129.237.66.221 [PDF; 4,2 MB]).
  • Willem Levelt: Speaking. From intention to articulation. MIT Press, 1989, ISBN 0-262-62089-8 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Willem Levelt, Ardi Roelofs, Antje Meyer: A theory of lexical access in speech production. In: Behavioral and Brain Sciences. Band 22, 1999, S. 1–38, doi:10.1017/S0140525X99001776 (englisch, mpg.de [PDF; 709 kB]).
  • Thomas Pechmann: Sprachproduktion. Zur Generierung komplexer Nominalphrasen. Westdeutscher Verlag, Opladen 1994, ISBN 3-531-12526-5.
  • Martin J. Pickering, Simon Garrod: Toward a mechanistic psychology of dialogue. In: Behavioral and Brain Sciences. Band 27, 2004, S. 169–190 (englisch, ed.ac.uk [PDF]).
  • Richard Wiese: Psycholinguistische Aspekte der Sprachproduktion. Sprechverhalten und Verbalisierungsprozesse. Helmut Buske, Hamburg 1983, ISBN 3-87118-625-2.
  • Richard Wiese: Psycholinguistik der Sprachproduktion. In: Gerd Antos, Hans P. Krings (Hrsg.): Textproduktion. Ein interdisziplinärer Forschungsüberblick. Niemeyer, Tübingen 1989, ISBN 3-484-22048-1, S. 197–219, doi:10.1515/9783110962109.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. T. A. Harley: The Psychology of Language. From Data to Theory. 3. Auflage. Psychology Press, Hove (New York) 2008 (englisch).
  2. W. J. M. Levelt: Speaking. From Intention to Articulation. MIT Press, Cambridge (MA) 1989 (englisch).
  3. David W. Carroll: Psychology of Language. 5. Auflage. Thomson Wadsworth, Belmont 2007, ISBN 0-495-09969-4 (englisch).
  4. Peter Indefrey: The spatial and temporal signatures of word production components. A critical update. In: Frontiers in Psychology. Band 2, 2011, S. 255 ff. (englisch).