Ständestaat

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Der Ständestaat ist ein politisches Konzept des 20. Jahrhunderts, als im ideologischen Rückgriff auf die vormoderne Ständeordnung diverse antiliberale Theoretiker und Regimes, vorwiegend vor einem katholischen Hintergrund, die „ständische“, d. h. korporatistische, Neuordnung der zeitgenössischen Staaten und Gesellschaften anstrebten.

Einen berufsständischen Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit forderte die Enzyklika Quadragesimo anno von Papst Pius XI.. Der österreichische Philosoph Othmar Spann sprach 1929 an der Universität München von einem autoritären „Ständestaat“ als Dritten Weg zwischen Demokratie und Marxismus. Der Begriff ist - bemerkt Arthur Benz - eigentlich ein Widerspruch in sich, da die Ständeordnung moderner Staatlichkeit vorausgeht und durch diese abgelöst wurde.[1]

Die Diktatur des österreichischen Dollfuß/Schuschnigg-Regimes 1934–1938 erhob den Anspruch, einen solchen Ständestaat in Österreich zu errichten. In der wissenschaftlichen Sekundärliteratur wird der Begriff zudem für die gesellschaftliche Zielvorstellung verwendet, die Salazars Estado Nuovo in Portugal (1933–1974)[2] oder das Regime Tisos in der Slowakei (1939–1945)[3] verfolgten. Alle diese Regimes gelten vielfach als faschistisch.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arthur Benz, Der moderne Staat: Grundlagen der politologischen Analyse, 1. Aufl., Oldenbourg, München/Wien 2001, ISBN 3-486-23636-9.
  2. Fernando Rosas (Hrsg.): Vom Ständestaat zur Demokratie. Portugal im 20. Jahrhundert, übers. v. Gerd Hammer, München 1997
  3. Klaus Neumann, ‘Corporatist state’ and enhanced authoritarian Dictatorship: The Austria of Dollfuss and Schuschnigg (1933-38), in: Antonio Costa Pinto (Hrsg.): Corporatism and Fascism: The Corporative Wave in Europe, London 2017