St.-Petri-Kirche (Kopenhagen)

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Sankt-Petri-Kirche, Kopenhagen
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Blick in das Kirchenschiff
Kanzel

Die St.-Petri-Kirche in Kopenhagen ist die Kirche der deutschsprachigen evangelisch-lutherischen Gemeinde der Stadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die St.-Petri-Kirche liegt mitten in Kopenhagen schräg gegenüber dem Dom Vor Frue Kirke („Kirche unserer (lieben) Frau“) an der Ecke Nørregade/Sankt-Pederstræde im so genannten Latinerkvarter. Sie ist die älteste erhaltene Kirche in der Kopenhagener Innenstadt.

Turm, Mittelschiff und Chor stammen aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.

Die Kirche wurde mehrere Male erweitert. Christian IV. ließ im 17. Jahrhundert das Süd- und Nordschiff bauen, wodurch der Kirchraum seine Kreuzform erhielt. Der Baumeister Hans van Steenwinckel errichtete 1681 eine neue Grabkapelle. Ende des 17. Jahrhunderts ließ Christian V. ein weiteres Nordschiff errichten, welches heute seinen Namen trägt (Christian V.-Saal).

Nutzung/Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das mittelalterliche Kirchengebäude war zunächst eine der vier katholischen Stadtkirchen. Im Jahre 1585 wurde sie von König Friedrich II. der deutschsprachigen Gemeinde, die wahrscheinlich zehn Jahre zuvor gegründet worden war, zur Verfügung gestellt.

Die St.-Petri-Kirche war zuständig für deutschsprachigen Untertanen des dänischen Königs in der Hauptstadt (auch im Stadtteil Christianshavn gab es ab dem 18. Jahrhundert eine deutsche Kirche). Dadurch bekam die St.-Petri-Kirche eine besondere Bedeutung. Zu jener Zeit war deutsch die Sprache der Elite des Landes am Hof, sowie in Wirtschaft, Militär und Kultur. Auch umfasste der dänische Gesamtstaat im 17.–19. Jahrhundert die Herzogtümer Schleswig und Holstein. Viele bedeutende Persönlichkeiten des dänischen Staates waren deshalb Mitglied der St.-Petri-Gemeinde (z. B. Peder Schumacher Griffenfeld, Erik Pontoppidan, Nicolai Eigtved, Henrik Hielmstierne, Heinrich Ernst Graf Schimmelmann, Johann Friedrich Struensee). In den angefügten Grabkapellen wurden zahlreiche prominente Zeitgenossen bestattet;[1] aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen finden Beisetzungen heute nur noch als Urnenbegräbnisse statt. Die besondere Beziehung der Gemeinde zum Königshaus kommt auch heute noch durch den königlichen Patron zum Ausdruck.

Mit dem Deutsch-Dänischen Krieg und der Abtrennung Schleswigs, Holsteins und Lauenburgs von Dänemark 1864 verlor die St.-Petri-Kirche ihre Bedeutung als Oberschichtengemeinde.

Die St.-Petri-Gemeinde zählt heute (25. Februar 2012) 877 Mitglieder; Tendenz steigend.[2] Mitglied ist man nicht automatisch nach dem Wohnort, sondern in Dänemark lebende Deutsche und Dänen mit einer besonderen Beziehung zu Deutschland melden sich selbst an. Dies trägt dazu bei, dass die Gemeinde für ihre Größe unverhältnismäßig lebendig ist. Sie ist deutschsprachig und mit der EKD durch einen Vertrag verbunden, aber auch ein Teil der dänischen Volkskirche (Folkekirken). Zusammen mit der benachbarten Sankt-Petri-Schule, ihrer Kantorei und dem Sankt-Petri-Kulturverein stellt die Kirche heute ein wichtiges Zentrum der Pflege der deutschen Kultur und Sprache in Kopenhagen dar.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altar der Kirche St. Petri in Kopenhagen

In der Kirche befindet sich ein Gemälde von Hendrik Krock, Christus auf dem Ölberg. Ein weiteres Gemäldes aus dem Jahr 1732 zeigt Christi Himmelfahrt. Undatiert ist ein Gemälde der Reformatoren[3].

Das Altargemälde stammt von J. L. Lund (1819). Die Taufe aus Bronze wurde 1830 hergestellt.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel wurde 1938 von der Firma W. Sauer (Frankfurt/Oder) erbaut. Sie stand zunächst auf der Westempore, und wurde im Zuge der Kirchenrestaurierung in das Nordschiff umgesetzt. Das Kegelladen-Instrument hat 42 Register auf drei Manualen und Pedal.
 Die Spiel- und Registertrakturen sind elektropneumatisch.[4]

I Rückpositiv C–g3
1. Singend Gedakt 8'
2. Offen Nachthorn 4'
3. Prinzipal 2'
4. Quinte 11/3'
5. Terz 13/5'
6. Jauchzend Pfeif II
7. Cymbel II
8. Vox humana 16'
9. Bärpfeife 8'
Tremolant
II Hauptwerk C–g3
10. Quintade 16'
11. Prinzipal 8'
12. Gemshorn 8'
13. Koppelflöte 8'
14. Oktave 4'
15. Rohrflöte 4'
16. Quinte 22/3'
17. Blockflöte 2'
18. Superoktave 1'
19. Mixtur IV-V
20. Trompete 8'
III Schwellwerk C–g3
21. Lieblich Gedakt 8'
22. Prinzipal 8'
23. Nachthorn 8'
24. Salicional 8'
25. Prinzipal 4'
26. Klein Gedakt 4'

27. Rohrquinte 22/3'

28. Sifflöte 2'

29. Terz 13/5'

30. Scharff IV-V

31. Fagott 16'
32. Krummhorn 8'
33. Feldtrompete 4'

Tremolant


Pedal C–f1
34. Prinzipal 16'
35. Subbass 16'
36. Quintbass 102/3'
37. Oktavbass 8'
38. Bassflöte 8'
39. Oktave 4'
40. Singend Gedakt 4'
41. Nachthörnlein 2'
42. Mixtur IV
43. Posaune 16'
44. Regal 8'
45. Bärpfeife 4'
  • Koppeln: I/II, III/II (auch als Sup- und Superoktavkoppeln), III/I, III/III als Sup- und Superoktavkoppeln, I/P, II/P, III/P
  • Spielhilfen: 2 Freie Kombinationen, Tutti, Auslöser, Zungenabsteller
, Registercrescendo, Walzenabsteller
, 
Manualwechselschalter I/II, 6000-fache elektronische Setzeranlage.

Pastoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. W. Boldt (Hg.): Sammlung der Privilegien, Gesetze, Verordnungen, Verfügungen und Bestimmungen, welche die deutsche Kirche und Gemeinde St. Petri zu Kopenhagen und deren Stiftungen, sowie Legate betreffen, Kopenhagen 1883.
  • H. W. Boldt: Gesammelte Nachrichten zur Geschichte der deutschen evangelisch-lutherischen Sct. Petri Kirche zu Copenhagen. Eine Gedenkschrift zur Erinnerung an die 300jährige Jubelfeier dieser Kirche den 20. Februar 1875, Kopenhagen 1875.
  • Louis Bobé: Die deutsche St. Petri Gemeinde zu Kopenhagen. Ihre Kirche, Schulen und Stiftungen MDLXXV-MCMXXV. Im Auftrage des St. Petri Kirchenkollegiums, Kopenhagen 1925.
  • Jan Steenberg: Sankt Petri Kirke, in: Danmarks Kirker, Teil 1: København, bd. 1, Kopenhagen 1945–58, S. 229–452.
  • Hans W. Praetorius: Aus der Geschichte des St. Petri Gemeindevereins 1872–1972, Kopenhagen 1971.
  • Johannes Dose u. Niels Hasselmann: St. Petri 1575–1975. 400 Jahre deutsche evangelisch-lutherische St. Petri Gemeinde zu Kopenhagen, Kopenhagen 1975.
  • Johannes Lehmann, P. H. Frosell u. Hans W. Praetorius: Die St. Petri Schulen in Kopenhagen. Ihre 400-jährige Geschichte, Kopenhagen 1975.
  • Jürgen Beyer u. Johannes Jensen (Hgg.): Sankt Petri Kopenhagen 1575–2000. 425 Jahre Geschichte deutsch-dänischer Begegnung in Biographien mit einem Beitrag von Hans Munk Hansen zur Restaurierung, Kopenhagen 2000.
  • Jürgen Beyer: Gravmindevandring i Sankt Petri Kirke i København. In: Kirkehistoriske Samlinger 2013, S. 79–99.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sankt Petri Kirke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eine ausführliche Liste der Grablegen findet sich im Artikel in der dänischen Wikipedia.[1]
  2. PetriPost 2012, H. 2, S. 33
  3. Jürgen Beyer: Das Reformatorengemälde der Sankt Petri Kirche
  4. Informationen zur Orgel

Koordinaten: 55° 40′ 48″ N, 12° 34′ 14″ O