St. Ignaz (Mainz)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Frontfassade St. Ignaz
Fassade der Ignazkirche
Innenraum

Die Mainzer Pfarrkirche St. Ignaz in der Kapuzinerstraße ist eine klassizistische Saalkirche. Sie wurde von 1763 bis 1774/75 unter dem kurmainzischen Baurat und Hofstuckateur Johann Peter Jäger erbaut. Gewidmet ist sie dem 107 nach Christus gestorbenen Märtyrer und Bischof von Antiochien, Ignatius von Antiochien.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche ist in der gleichen Epoche erbaut worden wie die Augustinerkirche und die Kirche St. Peter. In deren Gegensatz handelt es sich aber nicht um eine Barockkirche, sondern, wie die Sandsteinfassade zeigt, um eine klassizistische Bauweise.

Die Ignazkirche steht auf dem Grund des mittelalterlichen Vorgängerbaus, der die Pfarrkirche des früheren Ortes und späteren Mainzer Stadtteils Selenhofen war. Nachgewiesen ist eine romanische, später gotisch erweiterte Kirche, die im Laufe des 18. Jahrhunderts baufällig wurde. Der erste schriftliche Hinweis auf diesen mittelalterlichen Vorgängerbau stammt aus dem Jahr 1259, datiert aber möglicherweise bereits in das 12. Jahrhundert.[2]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fassade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sandsteinfassade ist einem französischen Vorbild des frühen 17. Jahrhunderts, der Pariser Pfarrkirche Saint-Gervais-Saint-Protais nachgebildet. Insbesondere die Komposition aus dorischen, ionischen und korinthischen Säulen („Superposition“) und die hierzu passende Ausprägung der Pilasterkapitelle entspricht dem französischen Vorbild.

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grundriss der Kirche ist kreuzförmig. Ursprünglich war ein Turm über dem Chor geplant, der jedoch nie gebaut wurde. Die Deckenwölbung über dem kreuzförmigen Grundriss ist eine Arbeit von Johann Valentin Thoman. Die klare Formsprache des durchgestalteten Innenraums belegt den Übergang zum Klassizismus.

Deckengewölbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Innenraum ist mit einem prachtvollen Deckengemälde versehen. Die ursprünglichen Deckengemälde aus den Jahren 1773 bis 1776, die von Johann Baptist Enderle geschaffen wurden, zeigen Szenen aus dem Leben des Hl. Ignatius. 1902 wurden die Zeichnungen über- bzw. nachgemalt und in den 1950er Jahren grundlegend restauriert.

Krypta[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Chor befindet sich eine Krypta. 198 der ehemals 261 Backofengräber sind noch erhalten. Unter den Gräbern befinden sich diejenigen der Handwerker, die die Kirche ausbauten.

Außenanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Kirche befindet sich ein ehemaliger Friedhof mit der Kopie einer Kreuzigungsgruppe aus dem Jahr 1519, eine Stiftung des Mainzer Bildhauers Hans Backoffen und seiner Frau aus dem 16. Jahrhundert. Seit 1995 befindet sich die vielfigurige Kreuzigungsgruppe im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum (Mainz).

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Orgel

Sehenswert ist auch das klassizistische Orgelgehäuse auf der Empore über dem Haupteingang. Es stammt von einer Orgel, die in den Jahren 1779–1781 durch den Orgelbauer Joseph Anton Onimus erbaut worden war, der beim Bau tödlich verunglückte. Der Orgelneubau wurde von der Witwe Anna Clara Manera gestiftet. Hinter dem repräsentativen Prospekt schuf Bernhard Dreymann 1838 ein neues Orgelwerk.[3] 1903 wurde das Instrument durch den Orgelbauer Balthasar Schlimbach umgebaut, und zuletzt im Jahre 1974 restauriert. Das Schleifladen-Instrument hat 37 Register auf zwei Manualwerken und Pedalwerk. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.[4]

I Hauptwerk C–g3
1. Bourdon 16'
2. Prinzipal 8'
3. Gemshorn 8'
4. Gamba 8'
5. Dolce 8'
6. Lieblich Gedackt 8'
7. Octave 4'
8. Salicional 4'
9. Rohrflöte 4'
10. Quinte 22/3'
11. Octave 2'
12. Cornet IV 4'
13. Mixtur V-VI 2'
14. Trompete 8'
II Oberwerk C–g3
15. Prinzipal 8'
16. Flöte Traverse 8'
17. Spitzflöte 8'
18. Gedeckt 8'
19. Dolce 4'
20. Kleingedackt 4'
21. Quinte 22/3'
22. Spitzflöte 2'
23. Terz 13/5'
24. Quinte 11/3'
25. Sifflöte 1'
26. Mixtur III 1'
27. Krummhorn 8'
28. Vox Humana 8'
Pedalwerk C–c1
29. Principalbass 16'
30. Violonbass 16'
31. Subbass 16'
32. Quintbass 102/3'
33. Octavbass 8'
34. Oktavbass 4'
35. Hintersatz III 2'
36. Posaunbass 16'
37. Clairon 4'

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christiane Reves: Bausteine zur Mainzer Stadtgeschichte: Mainzer Kolloquium 2000. Franz Steiner Verlag, Band 55 2002, ISBN 978-3-515-08176-4, S. 142.
  2. Ludwig Falk: Die freie Stadt in ihrer Blütezeit 1244-1328. S. 153 In: Franz Dumont, Ferdinand Scherf, Friedrich Schütz (Hrsg.): Mainz – Die Geschichte der Stadt. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1999 (2.Aufl.), ISBN 3-805-32000-0
  3. Franz Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 1: Mainz und Vororte - Rheinhessen - Worms und Vororte. Schott, Mainz 1967, ISBN 978-3-7957-1306-5, S. 124–135 (Beiträge zur Mittelrheinischen Musikgeschichte 6).
  4. Vgl. die Informationen zur Orgel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Ignaz (Mainz) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 59′ 45″ N, 8° 16′ 41″ O