Kreuzigungsgruppe

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Lorscher Sakramentar, um 1000, Darstellung mit Sonne und Mond.

Eine Kreuzigungsgruppe ist ein ikonografischer Topos, unter der man die bildliche Darstellung der Kreuzigung Christi mit einer Personengruppe zu Füßen des Kreuzes versteht. Bei den Personen handelt es sich meist um Maria, die Mutter Jesu, und einen seiner Jünger, in der Regel, in Anlehnung an die Evangelien, den Apostel Johannes. Kreuzigungsgruppen wurden in der Tradition der Ikonographie oft auch um andere oder zusätzliche Figuren erweitert.

Zum Motiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lucas Cranach d. Ä., Kreuzigung Christi, 1501, Öl auf Holz, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie. Die erweiterte Kreuzigungsgruppe umfasst die drei Marien, den heiligen Johannes, Stephaton und weitere Figuren

Die Darstellung mit Maria und dem Apostel Johannes bezieht sich auf das Johannesevangelium (Joh 19,25-27 EU):

„Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.“

Es handelt sich um einen zentralen Topos eines Andachtsbildes. In der zeitlichen Abfolge der Darstellung der Passion findet sich die Kreuzigungsgruppe oft zwischen jener von Jesus und dem reuigen Schächer und der Darreichung eines mit Essig getränkten Schwamms, auf die der Tod Jesu am Kreuz folgt.

Historische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emailarbeit auf dem Vortragekreuz des Essener Domschatzes (10. Jahrhundert). Unter dem Kreuz Maria und Johannes, darüber Personifikationen von Sonne und Mond.

Kreuzigungsgruppen sind oft Fresken, Gemälde, bildhauerische Werke oder Plastiken. Sie befinden sich in Kirchen, Klöstern, Bildstöcken, sind Stationen von Kreuzwegen, Kalvarienbergen oder dienen als Flur- oder Gipfelkreuze.

Frühbarocker Kreuzaltar mit Kreuzigungsgruppe (mit der heiligen Maria Magdalena zu Füßen des Kreuzes), Basilika St. Vitus, Ellwangen

Die frühen Darstellungen bis in die Romanik zeigten Christus noch als König; der Gekreuzigte in der Gruppe der Seinen entwickelte sich bis zur Gotik. Je nach Art und Ort der Darstellung befinden sich in einer Kreuzigungsgruppe auch andere Figuren als Maria und Johannes, etwa der gute und der schlechte Schächer (Dismas und Gestas bzw. Kosmas), der Soldat, der den Schwamm mit Essig tränkt (apokryph Stephaton genannt), die würfelnden Soldaten, wie auch der, der Jesus mit der Lanze die Seite öffnet (Letzterer in der Tradition später oft als Longinus bezeichnet).

Darstellung mit franziskanischen Heiligen, Fresko von Puccio Capanna in der Unterkirche der Basilica di San Francesco in Assisi (um 1330)
Darstellung mit der Muttergottes und dem heiligen Dominikus, Fresko von Beato Angelico in einer Zelle des Dominikanerklosters von San Marco in Florenz, am Fuße des Kreuzes der Schädel Adams (etwa 1437-1446)

Die Darstellungen lösten sich mit der Zeit vom Text des Evangeliums und nahmen Überlieferungen etwa aus der Legenda Aurea, Gestalten von Heiligen oder Inhalte von Privatoffenbarungen auf, etwa der Relationes de via et passione Jesu Christi et gloriosae virginis Mariae matris eius der heiligen Birgitta. Dazu gehören der Schädel Adams am Fuß des Kreuzes, Engel, der Palmesel, Heilige aus allen Zeiten sowie Stifterfiguren und Volk. Im Barock kehrte man zu einer reduzierten Darstellung zurück, indem den emotionellen Befindlichkeiten der zentralen Figuren die Aufmerksamkeit galt.


Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skulpturen, Gemälde:

Beispiele aus der Glasmalerei

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

nach Autoren / Herausgebern alphabetisch geordnet

  • Ch. Beutler: Der Gott am Kreuz. Zur Entstehung der Kreuzigungsdarstellung. Hamburg 1986
  • Edgar Hürkey: Das Bild des Gekreuzigten im Mittelalter: Untersuchungen zu Gruppierung, Entwicklung und Verbreitung anhand der Gewandmotive. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1983. ISBN 978-3-88462-021-2
  • H. Meurer: Christus im Leiden. Kruzifixe, Passionsdarstellungen aus 800 Jahren. Kat., Stuttgart 1986
  • A. Rainer: Christusköpfe und Kruzifixationen. Graz 1980
  • Gertrud Schiller: Ikonographie der christlichen Kunst. Bd. 2 Die Passion Christi. Gütersloh 1968

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kreuzigungsgruppe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien