St. Sebastian (Ramsau)

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St. Sebastian
Pfarrkirche St. Sebastian(Malerwinkel-Perspektive)

Pfarrkirche St. Sebastian
(Malerwinkel-Perspektive)

Baujahr: 1512
Bauherr: Fürstpropst Gregor Rainer
Grundfläche: 35.7 × 11.7 m
Lage: 47° 36′ 26,6″ N, 12° 53′ 41,9″ OKoordinaten: 47° 36′ 26,6″ N, 12° 53′ 41,9″ O
Anschrift: Im Tal 80, 83486 Ramsau b. Berchtesgaden
Taubensee (Ramsau)
Bayern, Deutschland
Zweck: römisch-katholische Pfarrkirche
Gemeinde: Ramsau bei Berchtesgaden
Pfarrei: St. Sebastian

Die Pfarrkirche St. Sebastian ist eine römisch-katholische, denkmalgeschützte Kirche in Ramsau bei Berchtesgaden. Sie liegt im Ortszentrum und gehört zum Gebiet der Gnotschaft Taubensee. Sie erlangte als Motiv der Landschaftsmalerei Bekanntheit.[1][2]

Gebäude und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Errichtung und Umbauten zum Ensemble[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westfassade

Die Kirche wurde 1512 unter Fürstpropst Gregor Rainer erbaut und ist den Heiligen Sebastian und Fabian geweiht.

Im spätgotischen Stil errichtet,[3] wurde die Kirche ab dem 16. Jahrhundert mehrmals erweitert und 1610/1611 mit einem steinernen Turm versehen. 1697/1699 schließlich wurde sie samt dem 1700 neu errichteten, mit einer Zwiebelhaube bedeckten Turm barock überformt und mit Holzschindeln gedeckt.[4]

Der Kirche ist östlich der historische Friedhof mit Leichenhaus und ehemaligem Kinderfriedhof angegliedert. Ihm schließt sich das Kriegerdenkmal zur Erinnerung an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Ramsauer an. Den östlichen Abschluss des Ensembles bildet das Mesnerhaus. Nördlich der Kirche erstreckt sich in erhöhter Lage der neue Friedhof, westlich der Pfarrhof mit dem Pfarramt, dazwischen steht das Kriegerdenkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten der Gemeinde.

Erst Filialkirche, dann Pfarrkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche wurde 150 Jahre von Berchtesgaden aus betreut. Ab 1657 residierte bei der Kirche ein Chorherr als Vikar der Pfarrei Berchtesgaden, dem 1659 ein eigener Pfarrhof eingerichtet wurde.[5] Nach der Säkularisation wurde innerhalb des Dekanats Berchtesgaden für das Gebiet der Gemeinde Ramsau 1812 eine eigenständige Pfarrei begründet[6] und die Kirche St. Sebastian zur Pfarrkirche erhoben.

Die Kirche als Motiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pfarrkirche St. Sebastian wurde von Malern wie Wilhelm Bendz, Thomas Fearnley, Ferdinand Runk, Ferdinand Laufberger, Wilhelm Busch, Otto Pippel und Will Klinger-Franken auf Skizzen, Zeichnungen und Gemälden festgehalten.[7] Während jedoch zum Beispiel Fearnley (1830) und Loos (1836) noch die Perspektive vom Westen her bzw. vom damaligen Dorfkern beim Gasthof Oberwirt in Richtung Kirche mit dem Göll im Hintergrund wählten, wechselte gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Blickwinkel in die entgegengesetzte Richtung, und der heute Malerwinkel genannte Standpunkt mit Ramsauer Ache und Ertlsteg im Vordergrund sowie der Reiter Alpe im Hintergrund setzte sich durch.[8]

1960 malte US-Präsident Eisenhower nach einem Farbfoto eigenhändig die Kirche. Sein Werk wurde als Weihnachtspräsent für den Stab des Weißen Hauses vervielfältigt und in der europäischen Ausgabe von Stars and Stripes, dem Tagblatt der US-Streitkräfte veröffentlicht.[9]

Sie findet auch auf einem Puzzle Verbreitung, und ein Modell der Kirche wird als Zubehör für Modelleisenbahnen vom Spielwarenhersteller Viessmann Modellspielwaren unter der Marke Kibri vertrieben.[10]

Anlässlich ihres 500-jährigen Bestehens richtete die Gemeinde Ramsau 2012 ein „1. Offenes ExTempore für Bildkunst im Berchtesgadener Land aus, mit der Vorgabe, ein Motiv aus der Ramsauer Landschaft oder das mehrdeutig gemeinte Thema "ZauberWald" zu bearbeiten.[11][12][13] Im Rahmen dieses von über 100 Künstlern aus dem In- und Ausland bestrittenen Wettbewerbs sind unter anderem auch neue Bildwerke mit der Pfarrkirche entstanden.[14][15]

Zudem dient sie noch heute als zentrales Bildmotiv auf unzähligen Foto- und Ansichtskarten.

Innenausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche verfügt über einen Hochaltar und vier Seitenaltäre. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil kam ein Volksaltar hinzu. An der Balustrade der Orgelempore sind gefasste Holzfiguren von Jesus und den zwölf Aposteln angebracht, deren Entstehung ungefähr auf das Jahr 1430 geschätzt wird. Sie sind älter als die Kirche und gelten zusammen mit der Apostelreihe in Marktschellenberg als wertvollste Kleinplastiken der Spätgotik im Gebiet der ehemaligen Fürstpropstei Berchtesgaden. Ihr früherer Aufstellungsort ist ebenso unbekannt wie der vermutlich einheimische Meister, der sie geschaffen hat.[16]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf seinem Weg nach Mariapfarr gelangte Joseph Mohr 1815 an den Ramsauer Pfarrhof und wurde auf Bitten des Pfarrers für einige Wochen als Pfarrgehilfe eingesetzt.[17][18] Ein Jahr später verfasste er in Mariapfarr den Text des weltbekannten Weihnachtsliedes Stille Nacht, heilige Nacht.[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Sebastian (Ramsau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.ramsau.de
  2. Christoph Karbacher: Berchtesgaden als Motiv der Landschaftsmalerei. S. 304, in: Walter Brugger u. a. (Hrsg.): Geschichte von Berchtesgaden. Band III/1, Berchtesgaden 1998, S. 287–312.
  3. Walter Brugger (Hrsg.) u. a.: Geschichte von Berchtesgaden. Band I, 1991, S. 1085.
  4. Die Pfarrkirche St. Sebastian, online unter kirche-ramsau.de
  5. books.google.de Denkmäler in Bayern, Band 1-2 Von Michael Petzet; S. 141
  6. kirche-ramsau.de Hinweis auf „200 Jahre eigenständige Pfarrei Ramsau“ S. 36 von 36 Seiten der PDF-Datei „Ramsauer Pfarrbrief“, Ausgabe 2/2012
  7. Zu Fearnley, Runk, Laufberger und Busch: Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.ramsau-berchtesgaden.dewww.ramsau-berchtesgaden.de Malerrundweg Ramsau
  8. Christoph Karbacher: Berchtesgaden als Motiv der Landschaftsmalerei. S. 304, in: Walter Brugger u. a. (Hrsg.): Geschichte von Berchtesgaden. Band III/1, Berchtesgaden 1998, S. 287–312.
  9. Karl Komposch: Ramsau vor 50 Jahren, Ramsau im Jahr 1960. S. 19, in: Arbeitskreis Ortsbild-Verkehr der Dorferneuerung in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Ramsau (Hrsg.): Ramsauer Bladl, Nr. 43, Dez. 2010, S. 18–19.
  10. viessmann-modell.com Modelleisenbahnzubehör Gebäude "H0 Kirche in Ramsau"
  11. kp: Künstlerwettberwerb: Ramsau im Porträt online unter bgland24.de am 23. Mai 2012
  12. Christian Holzner: Offenes Kunstsymposium am Hintersee; ein Beitrag zum „internationalen 'ExTempore' für Bildkunst“ vom 21. bis zum 24. Juni 2012 in der Ramsau für das Regionalfernsehen Oberbayern am 10. Mai 2012
  13. salz-der-heimat.eu Siehe Rückschau: PROJEKTE – Einladung zum internationalen ExTempore für Bildkunst in Ramsau bei Berchtesgaden
  14. Christian Holzner: Malersymposium am Hintersee beginnt; ein Beitrag zum „internationalen 'ExTempore' für Bildkunst“ vom 21. bis zum 24. Juni 2012 in der Ramsau für das Regionalfernsehen Oberbayern am 22. Juni 2012
  15. kp: Extempore: Bilder mit regionalen Bezügen online unter bgland24.de am 27. Juni 2012
  16. Walter Brugger (Hrsg.) u. a.: Geschichte von Berchtesgaden. Band I, 1991, S. 1086.
  17. Otto Franz Gensichen: Mohr, Joseph Franz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 52, Duncker & Humblot, Leipzig 1906, S. 435.
  18. Hellmut Schöner (Hrsg.), A. Helm: Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Reprint von 1929. Verein für Heimatkunde d. Berchtesgadener Landes. Verlag Berchtesgadener Anzeiger sowie Karl M. Lipp Verlag, München 1973. S. 223–224
    Eintrag in der Ramsauer Pfarrchronik: „Josef Mohr (..) kam am 29. VIII. 1815, da er schon nach Mariapfarr in Lungau bestimmt war, hier an, und blieb mit Bewilligung des Hochwürdigsten Konsistoriums zur Aushilfe da bis 10. X. 1815, an welchem Tag er abgereist war.“ Ferner heißt es bei Helm: „M. war auf dem Wege zu seiner ersten Dienststelle, er wird nun beim Pfarramt in Ramsau wegen Übernachtung vorgesprochen haben.“
  19. www.gratis-gedicht.de Eintrag Joseph Mohr