St. Ursula (München)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fassade von St. Ursula

Die katholische Stadtpfarrkirche St. Ursula ist die zweite Pfarrkirche des Münchner Stadtteils Schwabing, im Stadtbezirk Schwabing-Freimann. Zugleich ist St. Ursula der erste Sakralbau Münchens, der sich von den mittelalterlichen Architekturvorbildern abwandte und dadurch eine Brückenfunktion zwischen Historismus und Jugendstil/Moderne einnimmt[1].

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Ursula (Kaiserplatz 1a) befindet sich im ersten gründerzeitlichen Erweiterungsgebiet westlich der Leopoldstraße und südlich der Münchner Freiheit. Die Kirche bildet mit ihrer prominenten Platzierung das Ende der Sichtachse aus der stadtauswärts führenden Friedrichstraße. Darum hat sie eine Ausrichtung nach Norden, und ihr fehlt die für Kirchen typische Ostung. Der Turm im Westen der Kirche steht in der Achse der Barer Straße und verbindet die Kirche optisch mit der Maxvorstadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochaltar mit Tabernakel

Nachdem Schwabing, 1887 zur Stadt erhoben, seit dem 19. Jahrhundert immer mehr anwuchs, erwies sich die Pfarrkirche St. Sylvester (damals St. Ursula) bald als zu klein. Erste Erweiterungspläne wurden zugunsten eines Neubaus an anderer Stelle verworfen, deren Planung August Thiersch übertragen wurde.

Thiersch wollte mit St. Ursula ein neues städtebauliches Zentrum für Schwabing schaffen, was aber nicht gelang. Daher stellte er die dreischiffige Basilika in die Achse der Friedrichstraße und gestaltete einen Platz um sie. Der Entwurf sah eine Basilika mit zentralem Campanile im Zentrum, die beiderseits von symmetrischen Bauten flankiert werden sollte. Von den ursprünglich geplanten beiden Bauten, die die Basilika symmetrisch flankieren sollten, wurde nur das Pfarrhaus im Osten realisiert. Um zugleich die eigenständige Verbindung mit Schwabing zu zeigen, wurde als Patrozinium das der hl. Ursula gewählt, das von der bisherigen Dorfkirche übernommen wurde; Nebenpatron wurde hl. Nikolaus von Myra, da der Neubau zugleich Nachfolger der im 19. Jahrhundert profanierten und 1908 abgerissenen Nicolaikapelle war.

Nachdem 1888 das Grundstück zur Verfügung stand, erfolgte 1894 die Grundsteinlegung. Am 10. Oktober 1897 wurde St. Ursula geweiht, die alte Dorfkirche St. Ursula, seit 1921 St. Sylvester, wurde zu diesem Zeitpunkt Filialkirche mit eigener Kuratie.

Thiersch war ein Befürworter neuer Techniken und verwendete für das Fundament, die Turmtreppe und die Kuppel den damals neuen Baustoff Beton. Wegen Rissen im Beton wurde die Kuppelschale 1933 saniert, indem Stahlarmierungen und zusätzliche Betonschichten angebracht wurden; außerdem erhielt das Kuppeldach eine Kupferblecheindeckung.[2] Im Zweiten Weltkrieg wurde 1944 die Farbverglasung der Kirche zerstört, ansonsten blieb die Kirche aber unversehrt. 1956 und nochmals 1977–1980 erfolgte eine Sanierung. Von 2009 bis 2011 wurde der freistehende Campanile restauriert. Im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde im freien Bereich der Vierung ein zentraler Volksaltar unter der Kuppel errichtet. Zusammen mit diesem Einbau und der Installation der Chororgel im Jahr 1984 die einzig sichtbaren baulichen Eingriffe seit Bestehen der Kirche. Da bei der Kuppelrestaurierung 1933 Fehler gemacht wurden, wurde in den 2010er Jahren eine erneute Sanierung der Kuppel notwendig.[2] Dabei wurde die Kupferabdeckung entfernt und die Kuppel mit Ziegeln gedeckt. [3]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sankt Ursula München, Hauptschiff

Die Kirche, der „Dom von Schwabing“, ist eine nach Norden ausgerichtete Basilika mit Säulenvorhalle, Vierungskuppel und freistehendem Glockenturm und ist durch ihre Lage in der Achse der Friedrichstraße durch die Kuppel und dem seitlich stehenden Campanile schon von weitem sichtbar. Die Architektur lehnt sich an die Florentiner Renaissance an. Dies zeigt sich besonders an den Majolikareliefs von Balthasar Schmitt, der sich dabei an Arbeiten der Familie della Robbia orientierte.

Die dreischiffige 60 m lange Basilika besitzt Querhaus, Vierung und Staffelchor. Die Schiffe des Langhauses mit einfachen Rundbogenfenster werden durch rundbogige Säulenarkaden getrennt. Die quadratische Vierung wird von der 42 m hohen Tambourkuppel überragt. Die Halbtonnengewölbe in Querhausarmen, Chorseitenkapellen und Vorchorjoch sind mit Stuck verzierten, vergoldeten Kassetten ausgesetzt. Die Ordnung der Säulen des Langhauses findet in durch flache Pilastern mit Gebälk und Fries in Querhaus und Chor eine Fortsetzung. Die Apsis besitzt kreuzförmige Kassetten mit Engelsfiguren. Den 64 m hohen Campanile krönt eine venezianische Spitze.

Bedeutende Kunstwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Winfried Albiez-Orgel (1984) im Chorraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Epistelseite der Chororgel mit Spieltisch

Die Chororgel von St. Ursula, erbaut 1984 von Winfried Albiez (Lindau) befindet sich links und rechts im Chorraum. Die dort ursprünglich vorhandenen Teile des Chorgestühls wurden als Unterbauten der beiden Gehäusehälften integriert. Im linken Gehäuse sind unten das schwellbare Positiv und darüber das Récit expressif (mit Montre 8' im Prospekt) untergebracht, im rechten Gehäuse (mit dem frei davor stehenden Spieltisch) die Teilwerke Grand'Organo und Pedale. Die Spieltrakturen und Koppeln sind mechanisch, die Registertraktur elektrisch. 2009 wurde der ursprüngliche 6-fache Sternchensetzer von 1984 durch eine Setzeranlage mit 8 × 1.024 Speicherplätzen ersetzt.[6]

I. Grand'Organo C–g3
1. Principale 16′
2. Principale 8′
3. Voce umana 8′ [7]
4. Flauto reale 8′
5. Flauto in ottava 4′
6. Ottava 4′
7. Duodecima 223
8. Quintadecima 2′
9. Decimanona 113
10. Vigesima seconda 1′
11. Cornetto IV 4′ [8]
12. Due di ripieno XXVI+XXIX 23′+12
13. Due di ripieno XXXIII+XXXVI 13′+14
14. Tromba 8′
II. Positiv C–g3
15. Gedeckt 8′
16. Prinzipal 4′
17. Rohrflöte 4′
18. Sesquialter II 223′+135
19. Oktav 2′
20. Cymbel II-III 12
21. Krummhorn 8′
Tremulant
III. Récit expressif C–g3
22. Bourdon 16′
23. Bourdon à cheminée 8′
24. Montre 8′ [9]
25. Viola 8′
26. Voix céleste 8′
27. Petit Bourdon 4′
28. Prestant 4′
29. Nazard 223
30. Quart de Nazard 2′
31. Tierce 35
32. Plein Jeu IV-V 2′
33. Basson 16′
34. Trompette harmonique 8′
35. Hautbois 8′
36. Clairon 4′
Tremulant
Pedale C–f1
37. Principale 16′
38. Flauto major 16′
39. Flauto principale 8′
40. Flauto 8′
41. Ottava 4′
42. Due di ripieno XII+XV 223′+2′
43. Due di ripieno XIX+XXII 113′+1′
44. Bombarde 16′
45. Tromba basso 8′
  • Koppeln: II-I, III-I, III-II, I-P-, II-P, III-P.
  • Spielhilfen: Schwelltritte für Positiv und Schwellwerk (linker Schwelltritt SW, rechter Schwelltritt POS), Setzeranlage (8.192 Speicherplätze), Sequenzer vor und zurück (als Taster und Pistons), Piston Tutti. Registerzug "Vent" (Setzeranlage). Registerzug "Éclairage" (Gebläse). Registerzug "Sésame" (Schublade im rechten Gehäuse).

Georg Friedrich Steinmeyer-Orgel (1952) auf der Empore[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Orgel der Kirche, welche sich auf der Empore befand, erbaute 1897 Franz Borgias Maerz. Sie hatte zwei Manuale und 32 Register.[10]

Das Nachfolgeinstrument wurde 1952 von Georg Friedrich Steinmeyer (Oettingen) als Opus 1827 erbaut. Es hat drei Manuale und 60 Register. Zurzeit ist die Orgel nicht spielbar; eine Restaurierung ist geplant.

I. Manual C–c4
1. Prinzipal 16′
2. Oktave 8′
3. Gemshorn 8′
4. Quintade 8′
5. Grobgedeckt 8′
6. Oktave 4′
7. Rohrflöte 4′
8.′ Quinte 223
9. Oktave 2′
10. Cornett 8′
11. Mixtur 113
12. Tuba 8′
13. Trompete 4′
II. Manual C–c4
14. Quintade 16′
15. Holzflöte 8′
16. Viol 8′
17. Metallgedeckt 8′
18. Geigend Prinzipal 4′
19. Pommer 4′
20. Nachthorn 2′
21. Gemshörnlein 2′
22. Spitzquinte 113
23. Sifflöte 1′
24. Scharff 1′
25. Terzcymbel 13
26. Krummhorn 8′
Tremulant
III. Manual (schwellbar) C–c4
27. Gedeckt 16′
28. Prinzipal 8′
29. Nachthorn 8′
30. Salicional 8′
31. Schwebung 8′
32. Liebl. Gedeckt 4′
33. Weitprinzipal 4′
34. Traversflöte 4′
35. Quintade 4′
36. Nasard 223
37. Flachflöte 2′
38. Terzflöte 135
39. Plein jeu 2′
40. Oktavcymbel 8′
41. Bombarde 16′
42. Feldtrompete 8′
43. Oboe 8′
44. Rohrschalmei 4′
Tremulant
Pedal C–g1
45. Prinzipalbaß 16′
46. Violon 16′
47. Subbaß 16′
48. Zartbaß 16′
49. Großquinte 1023
50. Oktavbaß 8′
51. Streichbaß 8′
52. Nachthorn 8′
53. Choralbaß 4′
54. Flöte 4′
55. Rohrpfeife 2′
56. Hintersatz 223
57. Kontraposaune 32′
58. Posaune 16′
59. Baßtrompete 8′
60. Clarine 4′
  • Koppeln: II-I, III-I, III-II, I-P, II-P III-P, Generalkoppel.
  • Spielhilfen: Crescendowalze, 2 freie Kombinationen, Pedalkombination, Tutti, Einzelabsteller für die Zungenregister.
  • Trakturen: I. und II. Manual: elektropneumatisch (Kegellade). III. Manual: elektropneumatisch (Taschenlade).

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Herbst 2010 besitzt die Pfarrkirche St. Ursula ein neues Plenum. Das vorhergehende Geläut bestand bis auf die kleinste Glocke aus Stahlglocken aus dem Jahr 1948, die die Kriegsverluste ersetzten. Sie wurden auf Grund klanglicher Defizite, sowie wegen der statischen Belastung für den schlanken Kirchturm abgenommen und durch passendere ersetzt. Das jetzige Plenum besteht aus einer Glocke aus der Bauzeit (h' von Kortler 1897) und aus den vier neuen Glocken der Gießerei Perner in Passau. Auch die Tonfolge in der marianischen Antiphon Salve Regina der früheren Glocken wurde wiederhergestellt. Sie stammt vom Komponisten und früheren Leiter der Münchner Musikhochschule Josef Gabriel Rheinberger. Für ein Beispiel siehe Weblinks.

Die alte Ursulaglocke von 1948 wurde vor der Kirche zu Schauzwecken aufgestellt.

Nr. Name Schlagton Gewicht Ø Inschrift
1 Ursulaglocke h0 2.500 kg 170 cm „Sankt Ursula, protege nos! Pax intrantibus gratia orantibus“
2 Marienglocke dis1 1.700 kg 150 cm „Maria, breit den Mantel aus!“
3 Nikolausglocke fis1 1.000 kg 120 cm „Heiliger Nikolaus, bitt für uns!“
4 Schutzengelglocke gis1 600 kg 100 cm „Angelus Domini nuntiavit Mariae et verbum caro factum est!“
5 Floriansglocke h1 280 kg 85 cm – kein Text –

Tochterpfarreien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Gallas: München. Von der welfischen Gründung Heinrichs des Löwen bis zur Gegenwart: Kunst, Kultur, Geschichte. DuMont, Köln 1979, ISBN 3-7701-1094-3 (DuMont-Dokumente: DuMont-Kunst-Reiseführer)., S. 366
  2. a b Ellen Draxel: Bröckelnder Beton. www.sueddeutsche.de, 13. November 2017, abgerufen am 13. November 2017.
  3. Rote Ziegelhaube für Sankt Ursula
  4. Anette Krauß: Münchner Krippen. Hrsg.: Münchner Krippenfreunde e.V. München, S. 1–35.
  5. Die Krippe in St. Ursula. Abgerufen im 4. Januar 2017.
  6. München/Schwabing, St. Ursula (Albiez-Orgel). www.organindex.de. Aufgerufen am 4. November 2018.
  7. Schwebung zu Principale 8'.
  8. Ab c1.
  9. Im Prospekt.
  10. Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5. S. 114.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Birgit Stenger: St. Ursula München. Kath. Pfarrkirche. In: Kleine Kunstführer / Kirchen und Klöster. Nummer 140. 2., neubearbeitete Auflage. Schnell & Steiner, München / Regensburg 1993, ISBN 3-7954-4155-2.
  • Sibylle Appuhn-Radtke: St. Ursula in München-Schwabing. Harmonie als zeitlose Qualität, Ein Kirchenbau von August Thiersch. Verlag Franz Schiermeier, München 2013, ISBN 978-3-943866-21-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Ursula (München) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 9′ 41″ N, 11° 34′ 50″ O