Stalag IV H

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Eingang zur Gedenkstätte
Baracke auf dem Gelände
Gräber
Lückenhaft In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen:
Artikel behandelt nur den Ehrenhain Zeithain, Koordinaten des Straflagers fehlen, es fehlen Kriegsgefangenenfriedhof Jacobsthal ehemals "Russenfriedhof Jacobsthal, Kriegsgefangenenfriedhof Zschepa I ehemals "Russenfriedhof Truppenübungsplatz, Parzelle 58, Kriegsgefangenenfriedhof Zschepa II ehemals "Russenfriedhof Truppenübungsplatz, Jagen 84", Waldlager Zeithain.
Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst.

Die Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain in Zeithain bei Riesa erinnert an die Opfer des Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager Stalag 304 (Stalag IV-H) Zeithain an diesem Ort. Es bestand zwischen 1941 und 1945, ab 1942 als Zweiglager des Mühlberger Stammlagers IV B mit der Bezeichnung Stalag IV B/Z.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion wurde durch das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) die Errichtung von insgesamt 60 Front-Stalags für sowjetische Kriegsgefangene beschlossen. Während diese Lager im Generalgouvernement und in den besetzten sowjetischen Gebieten errichtet werden sollten, waren auch 14 Standorte innerhalb des Deutschen Reiches vorgesehen, darunter der Truppenübungsplatz Zeithain. Jedes dieser Lager sollte bis zu 30.000 Gefangene unterbringen können. Im April 1941 begann man in Zeithain mit den Vorbereitungen zum Lagerbau. Ab Juli 1941 begannen etwa 2000 Kriegsgefangene mit der Errichtung von Unterkünften für die Wachmannschaften sowie Wirtschaftsgebäuden. Erst ab September folgten Gefangenenbaracken. Bis Ende 1941 stieg die Zahl der Gefangenen im Lager auf über 10.000. Ende 1942 wurde das Lager fertiggestellt. Bereits während der Aufbauphase fielen rund 7.000 Gefangene dem Fleckfieber, den katastrophalen hygienischen Verhältnissen sowie der unzureichenden Ernährung und medizinischen Versorgung zum Opfer. Etwa 1.000 Gefangene wurden in das Konzentrationslager Buchenwald transportiert und dort ermordet.

Auf Grund der gestiegenen Bedeutung von Zwangsarbeitern für die deutsche Kriegswirtschaft wurde das Lager ab September 1942 schrittweise in ein Lazarett für in Arbeitskommandos verunglückte und erkrankte Gefangene umgewandelt, jedoch wurden die Lebensbedingungen im Lager nur unwesentlich verbessert. Insgesamt verstarben in Zeithain ca. 25.000 bis 30.000 sowjetische und mehr als 900 Kriegsgefangene aus anderen Ländern[1].

Nachdem im Lager zunächst vor allem sowjetische Kriegsgefangene untergebracht waren, erreichten ab Oktober 1943 infolge der italienischen Kapitulation zunehmend auch italienische sogenannte Militärinternierte das Lager. Ebenso wurden nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes rund 1400 polnische Gefangene in das Lager verlegt.

Am 23. April 1945 befreite die Rote Armee das Kriegsgefangenenlager Zeithain. Die sowjetische Militäradministration beschloss zunächst eine Untersuchung der Verbrechen in Zeithain und später die Errichtung einer Gedenkstätte. Bis 1949 entstand so der Ehrenhain Zeithain sowie diverse Friedhöfe, auf denen nicht-sowjetische Opfer jedoch keine Würdigung fanden.

Gedenkstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monument

Die historische Aufarbeitung der Lagergeschichte begann 1977. 1984 beschloss die SED-Führung mit Zustimmung der sowjetischen Militärbehörden die Errichtung einer Gedenkstätte auf dem Friedhof/Ehrenhain Zeithain anlässlich des 40. Jahrestages des Kriegsendes. Im April 1985 wurde eine erste Dauerausstellung im früheren Wohnhaus des Friedhofsgärtners errichtet, die jedoch ausschließlich dem Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener gewidmet war. Auf Grund der inhaltlichen Mängel förderte die Stiftung Sächsische Gedenkstätten ab 1995 die geschichtswissenschaftliche Erforschung des Lagers, aus der 1999 eine neue (provisorische) Ausstellung entstand. 1997 gründete sich zudem ein eigener Förderverein. Seit dem 1. Januar 2002 befindet sich die Gedenkstätte in unmittelbarer Trägerschaft der Stiftung Sächsische Gedenkstätten. Seit Juni 2003 verfügt die Gedenkstätte über eine neue Dauerausstellung, die von dem irischen Architekten Ruairí O’Brien konzipiert wurde. Den Kern der Ausstellung bildet eine begehbare Vitrine in der originalen Gefangenenbaracke. Dieser Glasbau ist ein mikroklimatisches Objekt, das den Besucher zeiträumlich von der originalen Umgebung abgrenzt und ihn auf diese Weise in diese Umgebung hinein absorbiert. So werden Besucher für die Bedingungen am Aufenthaltsort der damaligen Gefangenen sensibilisiert, denn diese waren den Witterungsbedingungen ausgesetzt. Die Ausstellung schlägt eine Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit und lässt die Geschichte für Besucher greifbar und spürbar werden.[2] 
Kerngedanke in O’Briens Ausstellungsarchitekturen ist der pädagogische Ansatz des entdeckenden Lernens. Die Nutzer sollen Lerntempo, Lernschritte und -tiefe selbst steuern können und es soll ein eigenständiger, individueller Lernprozess angeregt werden. Die Ausstellung ist ein Beispiel für eine lebendige Denkmalpflege [3].

Zudem werden wechselnde Sonderausstellungen und pädagogische Angebote für Schulen angeboten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jörg Osterloh: Ein ganz normales Lager. Das Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager 304 (IV H) Zeithain bei Riesa/Sa. 1941 bis 1945. 2. Auflage. Kiepenheuer, Leipzig 1997, ISBN 3-378-01018-5 (Schriftenreihe der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft 2)
  • Bert Pampel: Spuren suchen und erinnern. Gedenkstätten für die Opfer politischer Gewaltherrschaft in Sachsen. Kiepenheuer, Leipzig 1996, ISBN 3-378-01011-8 (Schriftenreihe der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft 1)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notizen, Belege für Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Josefine Janert schreibt nach Rücksprache vor Ort von 32.000 Toten. Die tageszeitung, 14. August 2013, S. 5: Das Lager in der Heide. Der Bericht handelt von internationalen Workcamps heute zur Instandhaltung des Lagers und blickt von dort in Lagerzeit zurück
  2. O’Brien, Ruairí (2005): Microarchitecture. In: Art & Architecture Journal. 02/ 2005, 61, 42-45.
  3. O’Brien, Ruairí (2008): Intercultural Interpretations: Not Wasting Wasteland. In: Ricca Edmondson & Henrika Rau (Eds.): Environmental Argument and Cultural Difference. Locations, Fractures and Deliberations, 261-286.

Koordinaten: 51° 20′ 52″ N, 13° 21′ 29″ O