Steinholz (Belag)

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Steinholz ist ein fugenloser Bodenbelag, der im 19. Jahrhundert entwickelt wurde. Aufgrund seiner guten Eigenschaften, der preisgünstigen Herstellung, sowie der Möglichkeit die zementartige Masse auch in Plattenform zu gießen, kam er seit Beginn des 20. Jahrhunderts unter einer Vielzahl von Handelsnamen im Baubereich zur Anwendung (Xylolith, Papyrolith, Linolith, Dresdament u.a.[1]).

Entwicklung, Zusammensetzung und Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1867 entdeckte der französische Physiker Stanislas Sorel, dass Magnesia (Magnesiumoxid) zusammen mit einer Magnesiumchloridlösung zu einer zementartigen Masse erstarrt. Er erkannte die praktischen Möglichkeiten des neuen Materials und meldete es als Patent im K.-und K.-Patentamt an.

Das übliche Mischungsverhältnis dieses nach seinem Entdecker Sorelzement genannten Materials beträgt 2,5–3,5 Teile Magnesia (MgO) auf ein Teil Magnesiumchlorid (MgCl2). Aus dieser Masse und Zuschlagstoffen können Beläge oder Platten in verschiedener Dicke hergestellt werden. Bestehen diese Zuschlagstoffe zum größten Teil aus Holzmehl/feinen Holzspänen, handelt es sich um Steinholz oder Hartsteinholz (Mischung 1:2 bis 1:4). Statt Holzteilchen können auch Korkschrot, Papier- oder andere organische oder anorganische Stoffe zugegeben werden, mit denen die Endeigenschaften variabel gestaltet werden können.

Dieser Bodenbelag ist fußwarm, atmungsaktiv, trittsicher, trittschalldämmend, feuerhemmend sowie roll- und druckfest. Die Druckfestigkeit wird mit maximal 225 kp pro cm² angegeben. Außerdem ist das Material gut einfärbbar. Sein Nachteil ist die Feuchtigkeitsempfindlichkeit, die aber auch bewusst zur Reduzierung der Raumluftfeuchte benutzt werden kann.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinholz wird ähnlich wie Estrich verarbeitet und auf Grund seiner Eigenschaften für hoch beanspruchte Böden in Küchen und Fluren sowie in Werkstätten als Industrieboden eingesetzt. Auch Tischplatten und Wandverkleidungen sind aus diesem Material hergestellt worden.

Die Architekten des Bauhauses arbeiteten in den 1920er und 1930er-Jahren mit diesem ökonomisch günstigen Material. Beispielsweise wurden die Böden im Bauhaus Dessau aus Steinholz hergestellt. Ein weiterer bekannter Bau mit Steinholzboden ist das Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen sowie eine vom Büro Taut & Hoffmann errichtete Backfabrik in Berlin-Spandau[2].

Aufgrund des wachsenden Interesses an ökologisch vertretbaren Baustoffen können sich auch heute noch Produzenten von Steinholz-Belägen nach der Weiterentwicklung an der Zusammensetzung dieses Produkts auf dem Markt behaupten.[3]

Gefahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinholz kann Asbest enthalten und fällt dann in den Geltungsbereich der Gefahrstoffverordnung. Ein intakter Steinholzestrich stellt dabei keine Gefahr dar. Bohrungen und andere Beschädigungen müssen aber vermieden werden. Asbesthaltiger Steinholzestrich darf nur von Fachunternehmen mit Befähigungsnachweis ausgebaut werden und erfordert umfangreiche Schutzmaßnahmen. Asbesthaltiger Steinholz-Estrich ist als besonders überwachungsbedürftiger Abfall (Sonderabfall) zu entsorgen. [4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Meyers Neues Lexikon in acht Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig 1964, Band 7 (Steinholz)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. R. Krippner: Dissertation 2004, TU München S.29ff (abgerufen am 29. April 2014)
  2. Zentralblatt der Bauverwaltung, 53(1933), Heft 5, S. 49–58: Großbäckerei-Anlage in Berlin-Spandau
  3. Linolith Steinholzbelag, Verkaufsbroschüre einer Schweizer Firma (abgerufen am 29. April 2014)
  4. Leitfaden "Gesund modernisieren" (PDF; 3,6 MB), S. 54