Strč prst skrz krk

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Wellenverlauf und Spektrogramm des Satzes.

Strč prst skrz krk (str̩tʃ pr̩st skr̩z kr̩k anhören?/i dt. ‚Steck den Finger durch den Hals‘) mit stark gerolltem silbischen r ist ein tschechischer und slowakischer 15 Buchstaben langer Zungenbrecher, ein Schibboleth. Im Sprachunterricht für Nichtmuttersprachler wird dieser Satz oftmals benutzt, um die Aussprache slawischer Wörter ohne geschriebene Vokale in diesen Sprachen zu üben.

Geschichte und Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zungenbrecher ist in Lehrbüchern seit Ende des 18. Jahrhunderts belegt.[1] Er wurde häufig in deutschen und österreichischen Karikaturen als Klischee für die tschechische Sprache verwendet,[2] etwa auf einer vom Bund der Deutschen in Niederösterreich verlegten antitschechischen Postkarte um 1910,[3] die auf den Ausruf „Deutsche, lernt Tschechisch“ des Bohemisten Franz Spina von 1905 reagiert.[4]

Die Phrase dient auch als Motto der 1987 gegründeten Schweizer Kulturkritikzeitschrift La Distinction.[5] Der Comic Tschechischer Zungenbrecher (2012) von Katz & Goldt handelt davon.[6]

Phonetik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Je nach Muttersprache sind die scheinbar vokallosen Wörter zunächst schwer aussprechbar. Im Tschechischen sind vokallose Wörter häufiger anzutreffen, da die Sonanten /r/ und /l/ silbisch sein können, also die Silbengipfelposition einnehmen können. Deshalb wird dieser Satz oftmals als Beispiel für einen „Satz ohne Vokale“ verwendet.

Im Deutschen können Nichtvokale wie /n/ und /l/ zwar auch silbisch sein, aber ihre Silben haben keinen Rand, z. B. /es.n̩/ essen, /ap͡f.l̩/ Apfel, und nur in dialektalen Begriffen wie Dirndl werden sie orthographisch ohne vorangehenden Vokalbuchstaben geschrieben.

Der tschechische Schriftsteller Josef Richard Vilímek (1835–1911), Herausgeber der Satirezeitschrift Humoristické listy, verwendet den Zungenbrecher als Motto für seine humoristische Flugschrift Der Sprachenklangmesser in der böhmischen Orthographie. Sendschreiben eines böhmischen Philologen an einen deutschen Humoristen (1861).[7] Darin listet er ähnliche Häufungen von Konsonanten im Deutschen auf und schließt mit einer Passage in tschechischer Transliteration: „Wir habn di Regl: ,Šrajb den Vokal nicht dort, wo Du denselbn nicht aussprichst‘“.[8]

Andere, ähnliche Sätze ohne geschriebene Vokale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Satz wird oft für den längsten tschechischen Satz ohne Vokalbuchstaben gehalten. Aber schon lange sind auch andere, noch viel längere bekannt:

  • Smrž pln skvrn zvlhl z mlh. ‚Die Morchel voll von Flecken ist von den Nebeln feucht geworden.‘ (21 Buchstaben)
  • Chrt pln skvrn vtrhl skrz trs chrp v čtvrť Krč. ‚Der Windhund voll von Flecken ist durch einen Büschel von Kornblumen in das Viertel Krč eingedrungen.‘ (35 oder 37 Buchstaben)
  • Chrt pln skvrn zhltl hrst zrn. ‚Der Windhund voll von Flecken hat eine Handvoll Getreide verzehrt.‘ (23 oder 24 Buchstaben)
  • Plch zdrhl skrz drn, prv zhltl hrst zrn. ‚Der Bilch ist durch den Erdklumpen abgehauen, davor hat er eine Handvoll Getreide verschlungen.‘ (30 oder 31 Buchstaben)
  • Chrt zdrhl z Brd. Vtrhl skrz strž v tvrz srn, v čtvrť Krč. Blb! Prskl, zvrhl smrk, strhl drn, mrskl drn v trs chrp. Zhltl čtvrthrst zrn skrz krk, pln zrn vsrkl hlt z vln. Chrt brkl, mrkl, zmlkl. Zvlhls? ‚Der Windhund floh aus dem Brdy-Gebirge. Er stürmte durch eine Schlucht zu einer Futterkrippe im Stadtteil Krč. So ein Dummkopf! Er spuckte, schlug eine Fichte um, riss eine Grassode heraus und schmiss sie auf einen Kornblumenstrauß. Er schluckte eine viertelhandvoll Getreidekörner seinen Rachen hinunter, und als er voll mit Körnern war, schluckte er etwas Wasser (wörtlich Wellen). Der Windhund stolperte, zwinkerte, verstummte. Bist du feucht geworden[9]?‘ (140 Buchstaben)

Tschechische Zungenbrecher mit Vokalen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt ist auch der Zungenbrecher, der das tschechische „ř“ thematisiert: Třista třicet tři stříbrných stříkaček stříkalo přes třista třicet tři stříbrných střech. ‚333 silberne Feuerspritzen spritzten über 333 silberne Dächer.‘

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. František Martin Pelcl: Grundsätze der Böhmischen Grammatik. bey Franz Gerzabek, Vater, 1798, S. 8 (google.de [abgerufen am 28. Oktober 2021]).
  2. Adalbert-Stifter-Verein (Munich Germany): Stifter Jahrbuch. Adalbert Stifter Verein, 1999, S. 100 (google.de [abgerufen am 28. Oktober 2021]).
  3. „Deutsche lernt Tschechisch!“ antitschechische Propagandapostkarte, um 1910. Abgerufen am 29. Oktober 2021.
  4. Limam - Franz Spina. Abgerufen am 29. Oktober 2021.
  5. http://www.distinction.ch
  6. Katz & Goldt | Tschechischer Zungenbrecher. Abgerufen am 10. März 2021.
  7. BLKÖ:Vilímek, Joseph Richard – Wikisource. Abgerufen am 31. Oktober 2021.
  8. Josef R. Wilimek: Den Sprachenklangmessen in der böhmischen Ortographie: Sendschreiben eines böhmischen Philologen an einen dentschen Humoristen. R. Gerzabek, 1861, S. 11 (google.de [abgerufen am 31. Oktober 2021]).
  9. Der tschechische Ausdruck „Zvlhls?“ bedeutet wörtlich „Bist du feucht geworden?“ (im Sinne sexueller Erregung, „feucht“ im Sinne von Vaginalsekret), lässt sich aber nicht bedeutungsgetreu auf Deutsch übersetzen. Es handelt sich dabei um einen vulgären Versuch, beim Gegenüber Peinlichkeit hervorzurufen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]