Streetwear

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Geschäft für sogenannte classic urban wear (engl.: ‚klassische urbane Kleidung‘) in Omagh, Nordirland.

(Urban) Streetwear (engl.: ‚(städtische) Straßenkleidung‘) ist ein Casualstil der auf komfortabler Freizeitkleidung basiert. Er orientiert sich an Sportkleidung, Punkkleidung, Skateboardkleidung, Hiphopkleidung, Surfkleidung und japanischer Straßenkleidung. Es begann an der Ostküste in New York, fast parallel an der Westküste in Los Angeles, verbreitete sich von dort in weiteren Großstädten und bis in die 1990er Weltweit. Er ist nicht zu verwechseln mit den Jugendkulturen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streetwear nahm seinen Ursprung in der New Yorker Hip-Hop-Szene Ende der 1970er-Jahre. Günstige robuste und nützliche Kleidung stand dabei im Vordergrund. Carhartt boomte mit Hosen, Hoodies und Jacken, insbesondere dem Modell Detroit. Bei Hemden war Ben Davis Marke erster Wahl. Beliebte Marken waren Schott NYC, Dr. Martens, Pro Keds, Kangol, Fila, Puma und Adidas. Schuhe orientieren sich an Basketballmodellen wie Converse Chuks, Adidas Superstar, Nike Air Jordan sowie aktuellen Modellen. In New York wurden Timberlands zum all days Schuh.

In den späten 80ern bis in die Mitte der 90er waren T-Shirts der Marke Stüssy, welche durch den „Surfwear-Trend“ zuvor einen Aufschwung erlebt hatte, beliebt. Weiter erfreuten sich Schuhmarken wie Vans und Airwalk, Workwear-Kleidungsmarken wie Carhartt sowie Basecaps und Bucket-Hüte großer Beliebtheit. In diese Zeit fällt auch die Gründung von Supreme. Weitere beliebte Marken waren Le Coq Sportife und Champion.

Mitte der 90er wurden bisherige Elemente der Streetwear durch mediale Präsens von Gangs in Los Angeles beeinflusst. Diese nutzen farbige Bandanas, um die Zugehörigkeit zu ihrer Gang zu symbolisieren. Weiter griffen sie auf Basecaps und Jacken der Marke Starter mit Brandings bekannter Football-, Baseball- oder Basketballvereine zurück. Schwarze Caps und Jacken mit Motiven der Raiders wurde über Jahre ein Verkaufshit. Auch die Beliebtheit der Kleidung weiterer Sportbekleidungshersteller wie Adidas und Nike wuchs. Vielen ist O-Dog für die Dickies 874 ein Begriff. Große Unterschiede gab jedoch nach wie vor bei der Straßenmode an der West- und Ostküste. Während an der Ostküste Timberlands mit Kapuzenshirts getragen wurden, waren an der Westküste Flanellhemden und Converse angesagt.

Streetwear als Skatewear[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine frühe Erwähnung des Begriffs Streetwear findet sich im Markennamen der 1976 gegründeten Skateboarding-Bekleidungsfirma Vision Street Wear.[1] In den 1980er Jahren wurde der Begriff zunächst in den USA verwendet, um die Kleidung innerhalb der Skateboarding-Kultur zu benennen. Man spricht hier manchmal auch von Skatewear (engl.: „Skateboarding-Bekleidung“, sinngemäß: „das, was man beim Skateboarden trägt") oder allgemeiner von Sportswear (engl: „Sportbekleidung“). Eine zentrale Rolle spielen hierbei unter anderem bedruckte T-Shirts oder Kapuzenpullover (beispielsweise der Bekleidungsfirma Stüssy), Baseballcaps und bestimmte Sneakers oder Skateschuhe, wie beispielsweise Vans oder Airwalks.[2] Mit dem Aufkommen des Skateboardings und der zugehörigen Mode in Deutschland fand auch der Begriff seinen Weg in die deutsche Sprache.

Streetwear als Clubwear[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Verbreitung der Techno- und Clubkultur in Deutschland zu Beginn der 1990er Jahre wurde der Begriff Streetwear teilweise synonym, teilweise aber auch in Abgrenzung zum Begriff Clubwear (engl.: „Club-Bekleidung“, sinngemäß: „das, was man im Club trägt“) verwendet. Die Dresscodes einzelner Szenen innerhalb der Clubkultur können stark voneinander abweichen und es existiert eine Bandbreite von konventionellen Freizeitmoden über elegantere Outfits bis hin zu verschiedenen Retrolooks und experimentellen, eher an Verkleidung erinnernden Stilen (wobei letztere in der Regel nicht als Streetwear bezeichnet werden).[3] Die Bekleidungsindustrie verwendet die Begriffe Clubwear und Streetwear in diesem Zusammenhang meist um jugendliche, legere Markenkleidung zu betiteln. Kommerzielle Clubwear bedient sich hierbei also in der Regel jeweils aktueller Modetrends.[4]

Streetwear als street fashion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelegentlich wird der Begriff Streetwear auch synonym zu street fashion (engl.: „Straßenmode“, sinngemäß: „Hip-Hop-Mode“) verwendet. Hierbei handelt es sich um verschiedene Modestile, die sich seit den 1980er Jahren in der Hip-Hop-Kultur etabliert haben. Eine zentrale Rolle spielten unter anderem Baggy Pants, T-Shirts in Übergrößen, Sportbekleidung, oder bestimmte Sneakers. Im Zuge der wachsenden Popularität von Hip-Hop brachten auch einzelne Rapper und Musiker aus dem Hip-Hop-Umfeld eigene Bekleidungslinien auf den Markt, so gründete beispielsweise der Musikproduzent und Rapper P. Diddy 1998 die Modemarke Sean John.

Streetwear in Fashion-Blogs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Verbreitung von Weblogs haben sich als eigenständiges Subgenre sogenannte Fashion-Blogs, meist privat betriebene Blogs über Mode, etabliert. Manche berichten nicht über Modekollektionen, sondern über die individuelle Straßenmode. So wird versucht, Trends aufzuspüren, indem aktuelle Fotos von besonders ungewöhnlich, stilsicher oder modisch gekleideten Passanten veröffentlicht oder auch aktuelle Modetrends bestimmter Produktgruppen der Modebranche besprochen werden.[5] Die auch als Streetwear oder street style (engl.: „Straßenstil“) bezeichneten Outfits können sich hierbei stark unterscheiden. Gemeinsam haben sie lediglich, dass sie dem Alltag entnommen, also quasi „auf der Straße“ gefunden wurden.[6] Im Unterschied zu den zuvor erwähnten, eher in der Jugendkultur verorteten Kleidungsstilen, ist hier Bekleidung für jede Altersgruppe verbreitet. Fotos von älteren Passanten sind nicht unüblich.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilfried Ferchhoff: Jugend und Jugendkulturen im 21. Jahrhundert: Lebensformen und Lebensstile, 2., aktualisierte und überarbeitete Auflage, VS, Verlag für Sozialwissenschaft, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-17011-4.
  • Petra Scheiper: Textile Metamorphosen als Ausdruck gesellschaftlichen Wandels: das Bekleidungsverhalten junger Männer und Frauen als Phänomen der Grenzverschiebung von Sex- und Gender-Identitäten, VS, Verlag für Sozialwissenschaft, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-8350-7012-7 (Dissertation Universität Hannover 2008, 198 Seiten mit Illustrationen und graphischen Darstellungen, 21 cm, unter dem Titel: Textile Metamorphosen oder?).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Visionstreetwear.com: History
  2. Streetwear-Websites.com: Streetwear History with Fats “Fatsarazzi” Shariff (Memento des Originals vom 4. Juni 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.streetwear-websites.com
  3. Wilfried Ferchhoff: Jugend und Jugendkulturen im 21. Jahrhundert: Lebensformen und Lebensstile. ISBN 3-531-15342-0, S. 207 ff. (online)
  4. Petra Scheiper: Textile Metamorphosen als Ausdruck gesellschaftlichen Wandels, ISBN 3-8350-7012-6, S. 143 ff. (online)
  5. Sixx.de: Die 25 besten Fashion-Blogs. 4. Juli 2013. Zugriff: 29. Dezember 2017
  6. Tagesspiegel: Du bist Style
  7. Vanessa Pur: Beliebteste und beste Ü30 und Ü40 Blogs. 18. April 2016. Zugriff: 29. Dezember 2019