Strohmann-Argument

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Ein Strohmann-Argument (auch Strohmann-Trugschluss, von englisch straw man fallacy oder straw man argument) ist in der Rhetorik und im Speziellen in der Eristik eine Form der Argumentation, die auf einem informellen Fehlschluss beruht. Hierbei wird der Eindruck erweckt, das Argument eines Gegners zu widerlegen, während tatsächlich ein Argument (unterstellt) zurückgewiesen wird, das vom Gegner gar nicht vorgetragen wurde.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit einem Strohmann-Argument wird ein Streitgespräch mit der Gegenposition fingiert, in dem den eigenen Argumenten angebliche Argumente der Gegenseite gegenübergestellt werden. Statt auf die tatsächliche Position des Gegners und seine Argumente einzugehen, wird gegen einen nicht anwesenden, fiktiven Gegner – den „Strohmann“ – argumentiert; dabei werden diesem oft verzerrte und undifferenzierte Versionen der gegnerischen Argumentation in den Mund gelegt. Es wird dann behauptet, die Widerlegung der Strohmann-Position wäre eine Widerlegung der tatsächlichen Position des Diskussionsgegners. Da der Strohmann im Gegensatz zu einem realen Streitgegner nicht auf differenzierte Einwände eingehen oder sie gar zurückweisen kann, handelt es sich dabei aber um ein Sophisma der Sorte Argumentum ad populum. Alternativ kann das Strohmann-Argument als Spezialform der falschen Prämisse betrachtet werden.

Bei der verwandten Technik des Advocatus Diaboli wird ebenfalls ein fiktiver Gegner der eigenen Position aufgebaut, nur dass dabei die Argumente der Gegenseite so stark wie möglich vorgebracht werden sollen, um die Stichhaltigkeit des eigenen Arguments zu prüfen und eventuelle Schwachstellen zu beheben.

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aus dem Englischen gebildete Lehnübersetzung Strohmann-Argument wurde von den Redaktionen der deutschen Wörterbücher bisher nicht in den Wortbestand der deutschen Sprache aufgenommen, obwohl ihr gelegentlicher Gebrauch in einem Fachjargon nachweisbar ist. Der Begriff des Strohmanns geht auf im Laufe des 19. Jahrhunderts außer Gebrauch gekommene Strohpuppen zurück, die unter anderem beim Fechttraining aufgestellt wurden.

Methoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt verschiedene Methoden der Strohmann-Argumentation:

  1. Die These des Gegners wird verzerrt, übertrieben oder falsch dargestellt, dann die entstellte These widerlegt und behauptet, dass damit die ursprüngliche These widerlegt sei.
  2. Es wird konkret jemand beschrieben, der die gegnerische These mit wenig überzeugenden Argumenten verteidigt. Diese Argumente werden widerlegt und unter Unterschlagung anderer möglicher Begründungen der These behauptet, dass dadurch jeder Vertreter dieser These und somit auch die These selbst widerlegt sei.
  3. Es wird eine Person mit fragwürdigen Anschauungen oder Handlungen beschrieben, die angeblich typisch für die Vertreter der gegnerischen These sei. Dann folgt eine Zurückweisung der These per Association fallacy.
  4. Es werden scheinbare Analogien zur generischen These vorgebracht, die sich leicht widerlegen lassen. So kann man sich Analogien zurechtlegen, die wesentlich einfacher zu widerlegen sind als die eigentlich zu widerlegende These.

Strohmann-Argumente können als rhetorische Technik erfolgreich sein (d. h. Leute überreden), sie führen den Zuhörer jedoch zu Fehlschlüssen, da die tatsächliche Argumentation des Gegners nicht widerlegt ist. Strohmann-Argumente können auch oft die Folge von Beurteilungsfehlern des Redners sein, der seinem Gegner irrtümlich die angegriffenen Positionen unterstellt, weil er ihn missversteht oder von Vorurteilen geleitet wird.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Godin: Geschichte der Philosophie für Dummies. Wiley-VCH, Weinheim 2008, ISBN 3-527-70328-4.
  • Douglas Walton: Ad Hominem Arguments. Studies in Rhetoric and Communication. University of Alabama Press, Tuscaloosa 1998, ISBN 0-8173-0922-5.
  • Douglas Walton: The straw man fallacy. In: Johan F. A. K. van Bentem u. a. (Hrsg.): Logic and Argumentation. North-Holland, Amsterdam 1996, ISBN 0-444-85814-8 Verhandelingen der Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen, Afdeling Letterkunde, Nieuwe Reeks Series. Band 170, S. 115–128.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]