Sturmtief Axel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Lückenhaft In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen noch folgende wichtige Informationen:
Dass es Hochwasser an der Obertrave gab, ist ziemlich wumpe. Am stärksten betroffen war Usedom, Rostock stärker als Lübeck, und in SH am stärksten Heiligenhafen. Die endgültige Bilanz wird jedoch erst im Laufe der nächsten Tage/Wochen gezogen. Von Sturmflut konnte man übrigens an der Ostsee nicht sprechen, dort war es Hochwasser nach vorhergehenden Sturm (Badewanneneffekt).
Hilf der Wikipedia, indem du sie recherchierst und einfügst.
Orkan Axel
Wintersturm Orkanartiger Sturm
Daten
Beginn 3. Januar 2017
Ende 4. Januar 2017
Spitzenböe 131 km/h (Wien-Jubiläumswarte[1], ‎4.1.1017)
minimalster Luftdruck 975 hPa (Gotland)
Folgen
Betroffene Gebiete Norddeutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Polen

Orkan Axel war ein orkanartiger Sturm, der Anfang Januar 2017 das nördliche Europa traf. Axel verursachte Sturmfluten an den Küsten Dänemarks und der deutschen Ostseeküste sowie Schneefall auch im Binnenland. Die Kombination von Badewanneneffekt und Wind aus nördlicher Richtung verursachte das stärkste Sturmhochwasser an der deutschen Ostseeküste seit der durch Orkan Britta ausgelösten Novemberflut 2006.

Meteorologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spitzenböen > 100 km/h
Ort km/h
Feuerkogel (A) 165,0
Rømø (DK) 135,0
Wien-Jubiläumswarte (A) 131,0
Buchberg (A) 130,0
Tyborøn (DK) 126,7
Brocken (D) 125,3
List/Sylt (D) 125,3
Jauerling (A) 119,5
Norderney (D) 108,7
Greifswalder Ole (D) 106,2
Cuxhaven (D) 105,5
Helgoland (D) 104,8
Wien-Hohe Warte (A) 104,5
Rostock-Warnemünde (D) 102,6
Bremerhaven (D) 100,8
Fehmarn (D) 100,8
Quellen: DWD, DMI, ZMAG

Ein Hochdruckgebiet erstreckte sich von Frankreich über die Britischen Inseln in Richtung Grönland, als sich am 3. Januar 2017 ein Tief nördlich von Island nach Skandinavien verlagerte und dabei vertiefte.[2] Westlich von Norwegen war die Entwicklung Axels zunächst abgeschlossen und das Tief begann sich aufzulösen, doch prallte sein Frontensystem gegen die Berge Norwegens, an deren Ostseite es dann zu einer sogenannten „Lee-Zyklogenese“. Die Warmfront schlängelte sich derweil südlich um das Gebirge herum und wurde vom neuen Tiefdruckkern als eigene Warmfront angenommen.[3] Axels Zentrum befand sich in der Früh des 3. Januar mit einem zentralen Luftdruck von 980 hPa über Mittelnorwegen. Das Sturmtief verlagerte sich südostwärts und lag am Morgen des 4. Januar über Gotland. Dieses Tief zog dann weiter in Richtung südliches Baltikum und Weißrussland, wo es an Kraft verlor. Der Einfluss eines Hochs über dem Ostatlantik, das sich inzwischen über England nach Südnorwegen erstreckte, führte zur Wetterberuhigung.[3][2]

Axels Verlagerung erzeugte am Nachmittag des 3. Januar über Westskandinavien, der Nordsee und Deutschland zu einer Zunahme des Windes auf bis 11 bft. Der Wind erreichte in der Nacht zum 4. Januar seinen Höhepunkt. Die Kaltfront zog rasch südwärts über Deutschland hinweg, und der Druckgradient im Süden nahm zu, und so erreichte der Sturm auch im Flachland in Böen 7–8 bft, im Bergland und an den Küsten 8–12 bft. Axel führte zunächst milde und feuchtwarme Luft von Nordwesten nach Deutschland, so dass in Norddeutschland zunächst Regen fiel, der in den östlichen Mittelgebirgen in Lagen über 200 bis 400 m sowie in Bayern und Baden-Württemberg bis in tiefe Lagen in Schnee überging. Zwar stieg die Schneefallgrenze im Westen zunächst auf 400 bis 600 über dem Meeresspiegel an, doch in der zweiten Tageshälfte des 4. Januar sank sie wieder ab. Bis zum Abend fielen in der Rhön 7–13 cm. im Thüringer Wald 7–20 cm, im Harz 7–16 cm, im Erzgebirge 7–25 cm sowie im Fichtelgebirge und im Bayerischen Wald 2–8 cm (in höheren Lagen bis 20 cm) Neuschnee. Allerdings wurde der Schnee örtlich stark verweht, was die Höhenbestimmung erschwerte. Am 5. Januar erreichten die Niederschläge den Süden und brachten bis zu 20 cm Neuschnee in tiefen Lagen und bis zu 30 cm in mittleren und höheren Lagen. Im Schwarzwald fielen in mittleren und höheren Lagen 5–25 cm und in den Staulagen von Thüringer Wald und Erzgebirge nochmals 2–15 cm Neuschnee.[3]

Seit Anfang des Jahres 2017 waren durch das Tief in Polen, Ungarn, Tschechien, Deutschland, der Schweiz und Österreich schwere Sturmböen und kräftiger Schneefall verursacht worden.[4]

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dänemark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mit 177 cm über normal höchste Abweichung vom normalen Wasserstand wurde am 5. Januar in Aabenraa gemessen. Es handelte sich dort um ein Ereignis mit hundertjährlicher Wiederkehr.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ort Tag Uhrzeit Abw. MW
Flensburg 5. Januar 00:48 Uhr 179 cm
Kiel 5. Januar 01:08 Uhr 169 cm
Heiligenhafen 5. Januar 00:46 Uhr 162 cm
Travemünde 4. Januar 21:34 Uhr 174 cm
Lübeck 4. Januar 22:39 Uhr 179 cm
Wismar 4. Januar 21:19 Uhr 183 cm
Warnemünde 4. Januar 20:24 Uhr 160 cm
Sassnitz 4. Januar 19:57 Uhr 139 cm
Greifswald 4. Januar 23:05 Uhr 165 cm
Koserow 4. Januar 22:06 Uhr 155 cm

An der deutschen Nordseeküste waren die stärksten Auswirkungen in der Nacht vom 3. auf den 4. Januar 2017 und an der Ostseeküste in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar 2017 mit orkanartigen Böen um 110 km/h zu verzeichnen. Das BSH gab eine Sturmflutwarnung für die gesamte Schleswig-Holsteiner und Mecklenburg-Vorpommersche Küste heraus.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sagte für den 3. Januar das Nachmittag-Hochwasser an der deutschen Nordseeküste und in Emden sowie das Abend-Hochwasser in Bremen und Hamburg etwa einen halben Meter höher voraus als das mittlere Hochwasser.[5]

In der Ostsee herrschte bereits vor Axel ein höherer Füllungsstand als üblich, weil frischer bis starker Westwind in der Woche zuvor Wasser durch das Skagerrak in die Ostsee drückte bzw. die Strömung aus der Ostsee aufgrund des Gegenwindes schwächer ausfiel. Starker Westwind sorgte am 3. Januar dafür, dass an der deutschen Ostseeküste die Wasserstände bis zu einem halben Meter fielen, so dass der Wasserstand in der Kieler Bucht niedriger lag als das Mittelwasser und zwischen Warnemünde und Greifswald auf dem Niveaus des Mittelwassers. In Koserow fiel der Wasserstand auf etwa 20 Zentimeter über Mittelwasser, weil der Ausgangswert dort höher war.[6]

Aufgrund der zunächst in der zentralen Ostsee prognostizierten starken Nordwinde in Zusammenhang mit dem hohen Füllstand des Binnenmeeres, warnte das Bundesamt für Schifffahrt und Hydrologie (BSH) bereits am Vormittag des 3. Januar vor einer Sturmflut mit Scheitelhöhen zwischen 1,2 und 1,5 cm über Mittelwasser. Am Morgen des 4. Januar wurden diese Prognosen auf 1,3 bis 1,6 m über Mittelwasser korrigiert. Der höchste Wasserstand wurde gegen Mitternacht zum 5. Januar erwartet. Doch stieg der Wasserstand im Tagesverlauf schneller an als angenommen worden war.[6]

Die entsprechend den Wettervorhersagen eingetroffene Winddrehung von Nord auf Nordost drückte Wasser aus der zentralen Ostsee zur westlichen Ostsee hin. Diese Hochwasserwelle erreichte mit dem Überschreiten von einem Meter über Mittelwasser bereits um 13:32 Uhr den Pegel in Koserow, um 16:25 Uhr Wismar und den Pegel in Flensburg um 18:24 Uhr. Örtlich fiel die Sturmflut durch Staueffekte in Buchten und Förden sowie durch lokale Windspitzen stärker aus als prognostiziert. Sie erreichte bei den im Bereich der deutschen Ostseeküste liegenden Pegeln ihren höchsten Wert in Wismar mit 183 cm, gefolgt von Lübeck und Flensburg mit 179 cm sowie Travemünde mit 174 cm, jeweils über Mittelwasser.[6]

Die von Sturmtief Axel in der Ostsee erzeugte Sturmflut war mit einer Höhe von durchweg über 1,5 m eine schwere Sturmflut mit einer Jährlichkeit von 15 bis 20 Jahren, und die Höhe der Sturmflut lag auf dem Niveau der Sturmfluten vom November 2006 (Orkan Britta) und vom Februar 2002.[6]

An vielen Stellen wurden Deiche stark beschädigt. Steilufer brachen ab. In Lübeck wurde ein Höchststand von 1,79 m über den mittleren Hochwasser gemessen und die Straße An der Obertrave war überflutet.

In Süddeutschland kam es zu starken Schneefällen; Schneeglätte und Blitzeis führten zu zahlreichen Verkehrsunfällen.[7]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich war durch den Sturm der Donauraum betroffen. Schneefälle führten insbesondere im Mühlviertel und am Alpennordrand zu Behinderungen und Unfällen.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Winterorkan fegt mit bis zu 131 km/h über Wien. In: Kronenzeitung online, 4. Januar 2017.
  2. a b Lefebvre/Haesel: Sturmtief Axel löst am 3./4. Januar 2017 Orkanschäden und eine Sturmflut aus. Deutscher Wetterdienst. 11. Februar 2017. Abgerufen am 5. August 2017.
  3. a b c Lars Kirchhübel: Sturmtief "Axel" peitschte Regen und Schnee über das Land und bringt klirrende Kälte!. In: Thema des Tages. Deutscher Wetterdienst. 5. Januar 2017. Abgerufen am 21. Januar 2018.
  4. Schnee- und Sturmtief “Axel” erreicht Deutschland, Österreich und die Schweiz. In: Euronews, 5. Januar 2017. 
  5. Lübecker Nachrichten, Lübeck, Schleswig-Holstein, Germany: Hamburg/Kiel – Sturmtief „Axel“ bringt orkanartige Böen in den Norden – LN - Lübecker Nachrichten. In: Lübecker Nachrichten. Abgerufen am 5. Januar 2017.
  6. a b c d Sturmflut vom 04./05.01.2017 (PDF, 817kb) Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. Abgerufen am 16. Januar 2018.
  7. Hunderte Verkehrsunfälle - Wetterdienst warnt vor Wintergewittern. In: Spiegel Online. Abgerufen am 16. Januar 2018.