Swjatoslaw Nikolajewitsch Fjodorow

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Fjodorow (2.v.l.) im Gespräch mit Alexej Luschnikow

Swjatoslaw Nikolajewitsch Fjodorow (russisch Святослав Николаевич Фёдоров; * 8. August 1927 in Chmelnyzkyj / Ukraine; † 2. Juni 2000 in Moskau) war ein russischer Professor für Augenheilkunde, Politiker und Präsidentschaftskandidat. Er gilt als einer der Pioniere der refraktiven Chirurgie.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fjodorow absolvierte die Medizinische Hochschule von Rostow am Don und arbeitete zunächst als praktischer Arzt nahe Rostow. 1960 führte er - 11 Jahre nach der Pioniertat des britischen Augenarztes Harold Ridley - als erster Augenarzt in der Sowjetunion eine Ersetzung der Augenlinse durch die Intraokularlinse operativ durch. 1980 wurde Fjodorow Leiter des Moskauer Forschungsinstituts für die Augenmikrochirurgie. International bekannt wurde Fjodorow ab 1991[1] vor allem durch das von ihm benutzte Verfahren der radialen Keratotomie mittels Laser, das als Vorgänger des LASIK-Verfahrens zur Korrektur der Kurzsichtigkeit gilt und - von Fjodorow und den sowjetischen Medien unerwähnt geblieben - von dem deutschen Augenarzt und Physiker Theo Seiler erforscht und 1987[2] publiziert worden war.[3]

1990 behandelte Fjodorow Augenpatienten auf dem, 1989 in Bremen entsprechend umgebauten, vor Dubai und später vor Zypern befindlichen Hospitalschiff „Peter I.“[4]

Neben seiner Augenarzt- und Forschungstätigkeit war Fjodorow zeitweise auch in der Politik tätig: 1989 bis 1991 war er Abgeordneter im sowjetischen Volksdeputiertenkongress, 1993 bis 1995 Duma-Abgeordneter und 1996 Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen.

Am 2. Juni 2000 kam Fjodorow auf dem Rückweg von einer Konferenz beim Absturz des institutseigenen Hubschraubers nahe Tuschino am nordwestlichen Stadtrand Moskaus ums Leben. Noch im gleichen Jahr wurde das von Fjodorow bis zu seinem Tod geleitete Institut für Augenmikrochirurgie nach Regierungsbeschluss in das Swjatoslaw-Fjodorow-Zentrum für Augenmikrochirurgie umbenannt. Das Institut gehört bis heute zu den renommiertesten Forschungsinstituten für Augenheilkunde und spezialisiert sich heute nunmehr unter anderem auf laserunterstützte Operationsverfahren.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutschsprachiger Informationsdienst AP Nowosti, Moskau 1991, Nr. 3 (1235), S. 6.f. (Prof. Fjodorov stellt neue Behandlungsmethoden von Augenkrankheiten vor).
  2. Theo Seiler, Thomas Bende, Josef Wollensak: Astigmatismuskorrektur mit dem Excimer Laser. In: Klin. Mbl. Augenheilk. 191, 1987, S. 179–183.
  3. Aloys Henning: Zu den Augenoperationen am Kantor und am Archidiakon von St. Thomas in Leipzig, Johann Sebastian Bach und Christoph Wolle. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 17, 1998, S. 227–250; hier: S. 244–247 (Zeitgeschichtlicher Epilog).
  4. Aloys Henning (1998), S. 245 f.
  5. Minor Planet Circ. 22502