Swjatoslaw Nikolajewitsch Fjodorow

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Fjodorow (2.v.l.) im Gespräch mit Alexej Luschnikow

Swjatoslaw Nikolajewitsch Fjodorow (russisch Святослав Николаевич Фёдоров; * 8. August 1927 in Chmelnyzkyj / Ukraine; † 2. Juni 2000 in Moskau) war ein russischer Professor für Augenheilkunde, Politiker und Präsidentschaftskandidat. Er gilt als einer der Pioniere der refraktiven Chirurgie.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Swjatoslaw Nikolajewitsch Fjodorow wurde 1927 als Sohn eines Divisions-Kommandeurs der Roten Armee geboren und plante nach seinem Schulabschluss 1943 gemäß militärischer Familientradition, Pilot bei der sich im Krieg befindlichen russischen Luftwaffe zu werden. Während seiner Ausbildung überlebte er eine Bruchlandung, bei der ihm allerdings ein Bein amputiert werden musste. Zum Wechsel der Ausbildung gezwungen, wandte er sich der Ausbildung als Arzt zu und immatrikulierte sich am Medizinischen Institut von Rostov am Don. Nach seiner Approbation 1952 als Arzt leistet er seine Pflichtjahre als Dorfarzt in dem Dorf Veshenskaya bei Rostow am Don, später in Lysva Bezirk Sverdlovsk ab. Wieder zurückgekehrt nach Rostow am Don absolvierte er am Medizinischen Institut von Rostov seine Ausbildung zum Augenarzt und arbeitete ab 1958 als medizinischer Leiter die Außenstelle Cheboksary des staatlichen Helmholtz-Institutes. 1960 entwickelte er dort eine kristalline Kunststofflinse, die er auch selbst implantierte. Von 1961 bis 1967 leitete er am Medizinischen Institut von Archangelsk die Augenklinik, bis er zum Direktor des „Labors für die Einpflanzung von Kunstlinsen“ am 3. Moskauer Medizinischen Institut berufen wurde. 1966 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des „International Intraocular Implant Club“, der unter der Schirmherrschaft der Royal Society of Medicine während der Amtszeit von Sir Harold Ridley, dem Pionier der Intraocularlinsen-Einpflanzung ins Auge, gegründet wurde.

1969 begann er mit Versuchen, eine künstliche Hornhaut zu erforschen und zu produzieren. Dieses weniger erfolgreiche Projekt führte ihn jedoch auf das Gebiet der Hornhaut-Chirurgie und die Entwicklung der radialen Keratotomie, eine Technik an der wegen mangelnder Vorhersagbarkeit schon andere Augenchirurgen, zuletzt Tsutomu Sato[1] aus Japan in den 1930er Jahren, gescheitert waren. Seine Entwicklung relativ guter Normogramme [2] über Anzahl, Tiefe und Länge der Schnitte in der Hornhaut, die gemacht werden mussten um die Brechkraft des Auge zu verändern, führten zu seiner internationalen Anerkennung und er folgte im weiteren vielen Einladungen auf internationale Kongresse, auf denen er mit seinen Vorträgen und Operationskursen immer für Attraktion sorgte[3][4]. Seine von ihm geschaffene Möglichkeit mit der radialen Keratotomie Freiheit von Brille und Kontaktlinse zu erlangen, wurde besonders in den USA schnell zur Trend-Operation mit Tausenden von Eingriffen pro Jahr, während in Europa die aufkommende Excimer-Augenlaser-Therapie dieser Operation wegen der bekannt werdenden Tagesschwankungen der Brechkraft und Blendungseffekten bei Nacht schnell den Rang ablief. Nachdem der deutsche Augenarzt und Physiker Theo Seiler die radiale Keratotomie mit dem Excimer-Laser erforscht und 1987 publiziert hatte,[5][6] wandte sich auch Fjodorow den Operationen mit dem Excimer-Laser zu.

Medienwirksam war das Auftauchen seines Hospitalschiffes „Peter I“ vor Gibraltar und Zypern 1994,[7] als er dort zahlenden Gästen seine Augenoperationen anbot[8]. S. N. Fjodorow gilt als Wegbereiter der refraktiven Augenchirurgie zur Beseitigung der Fehlsichtigkeit, der damit innerhalb der Augenheilkunde eine völlig neuartige Spezialisierung auslöste. Im Jahr 2000 holte ihn ein Verhängnis seiner jugendlichen Ausbildung zum Piloten ein. S. N. Fjodorow kam beim Absturz des institutseigenen Hubschraubers nahe Tuschino am nordwestlichen Stadtrand Moskaus ums Leben. Noch im gleichen Jahr wurde das von Fjodorow bis zu seinem Tod geleitete Institut für Augenmikrochirurgie nach Regierungsbeschluss in das Swjatoslaw-Fjodorow-Zentrum für Augenmikrochirurgie umbenannt. Das Institut gehört bis heute zu den renommiertesten Forschungsinstituten für Augenheilkunde und spezialisiert sich heute nunmehr unter anderem auf laserunterstützte Operationsverfahren. In einem kleinen Museum vor Ort kann man die Biographie dieses Pioniers der refraktiven Augenoperation nachvollziehen.

Privates / Anekdoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

S. N. Fjodorow verband unter anderem eine enge Freundschaft mit Fidel Castro, der ihn 1986 in Moskau besuchte, um sich die Fließband-Technik der Augenoperationen vorführen zu lassen. Im Gefolge dieser Begegnung kam es zu einem regen, von der Politik geförderten, Austausch von Augenärzten zwischen Havanna und Moskau. S. N. Fjodorow war ein äußerst unterhaltsamer, trinkfester, selbstkritischer und manchmal sarkastischer Tischpartner und ist im augenärztlichem Kollegenkreis berühmt geworden für die Antwort auf seine Frage warum er ein so erfolgreiches Normogramm für die radiale Keratotomie entwickeln konnte, an dem andere Augenärzte wie T. Sato gescheitert waren: „It´s like always a question of safety in numbers: In Russia, if you are rich and you don´t see and you hate glasses, you take your dollars and buy expensive contact lenses! If you are poor and don´t see and you don´t like glasses you come to Fjodorow and get RK for free..“ (persönliche Kommunikation: Wolfgang Pfäffl)

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Perestroika von Mikhail Gorbachev entwickelte S. N. Fyodorow expansives kommerzielles Unternehmertum, baute in elf russischen Städten Augenkliniken auf und beschäftigte schließlich an die 4000 Angestellte, die jährlich mehr als 300.000 verschiedenste Augenoperationen durchführten. Neben all diesem Engagement in der Augenheilkunde engagierte er sich zunehmend in der Politik, da er die Spaltung Russlands in superreiche Oligarchen und verarmte Arbeiter beobachtete. 1989 bis 1991 war er gewählter Delegierter des sowjetischen Volksdeputiertenkongressund wurde 1993 in die Duma gewählt. 1996 kandidierte er bei den Präsidentschaftswahlen als Gegenkandidat zu Boris Yeltsin, konnte aber nur 0,9 % der Stimmen auf sich vereinigen.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sato T, Akiyama K, Shibata H. A new surgical approach to myopia. Am J Ophthalmol. 1953 Jun;36(6 1):823–829
  2. Fjodorow SN, Durnev VV. Operation of dosaged dissection of corneal circular ligament in cases of myopia of mild degree. Ann Ophthalmol. 1979 Dec;11(12):1885–1890
  3. Waring GO., 3rd Evolution of radial keratotomy for myopia. Trans Ophthalmol Soc U K. 1985;104(Pt 1):28–42
  4. Kaufman HE, McDonald MB. Refractive surgery for aphakia and myopia. Trans Ophthalmol Soc U K. 1985;104(Pt 1):43–47
  5. Theo Seiler, Thomas Bende, Josef Wollensak: Astigmatismuskorrektur mit dem Excimer Laser. In: Klin. Mbl. Augenheilk. 191, 1987, S. 179–183.
  6. Aloys Henning: Zu den Augenoperationen am Kantor und am Archidiakon von St. Thomas in Leipzig, Johann Sebastian Bach und Christoph Wolle. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 17, 1998, S. 227–250; hier: S. 244–247 (Zeitgeschichtlicher Epilog).
  7. Aloys Henning (1998), S. 245 f.
  8. Choyce DP. Floating eye clinic. British Medical Journal 1994 Oct15; 309(6960):1021
  9. Minor Planet Circ. 22502