Synagoge Fasanenstraße

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Synagoge in der Fasanenstraße

Die Synagoge Fasanenstraße war eine liberale Synagoge in Berlin-Charlottenburg, Fasanenstraße 79.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Jüdische Gemeinde beschloss im Oktober 1905 das Grundstück in der Fasanenstraße 79/80 zu erwerben um darauf eine Synagoge für die schnell wachsende Gemeinde im vornehmen Berliner Westen zu errichten und damit dem Repräsentationsbedürfnis der Gemeinde Rechnung zu tragen. Für den Bau wurde 1907 ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, welcher drei erste Preise hervorbrachte, die den Architekten Ehrenfried Hessel (Berlin), C. F. W. Leonhardt (Frankfurt am Main) und Heger & Franke zugesprochen wurden. Trotz historischer Rückgriffe zeigt Hessels Entwurf eine deutliche Abkehr von den zuvor errichteten Synagogen mit ihrer gezielten Rezeption eines national interpretierten Mittelalters. Dass Hessel dabei einer im jüdischen Kultbau immer stärker werdenden Grundeinstellung folgte, geht auch aus dem Ergebnis des Wettbewerbs hervor: Architekten wie Cremer & Wolffenstein, die zwei Jahrzehnte lang den Berliner Synagogenbau geprägt hatten, kamen nicht einmal in die engere Auswahl des Preisgerichts.[3] 1910 begann die Bauausführung unter Leitung des Gemeindebaumeisters Johann Hoeniger. Am 26. August 1912 wurde die Synagoge eingeweiht.

Häufig predigte der Gemeindevorsitzende Leo Baeck hier. Rabbiner war Julius Galliner, Oberkantor Magnus Davidsohn.

Seit Beginn der 1930er Jahre gab es im Umfeld dieser Synagoge zunehmend antisemitische Provokationen und 1936 wurde ihre Schließung erzwungen. Bei den Novemberpogromen 1938 wurde sie in Brand gesteckt[4] und 1943 bei Luftangriffen weiter zerstört. Im August 1939 wurde die Jüdische Gemeinde gezwungen das Grundstück für 350.000 Reichsmark an die Reichspost zu verkaufen. Die Gemeinde hatte ebenfalls die Versicherungssumme der Feuersozietät an die Reichspost abzutreten, die ihr durch die Schäden vom 9. November 1938 zustand.[5] 1957/1958 wurde die Ruine, wie auch andere Synagogen-Ruinen in Berlin, abgerissen, weil es nach dem Holocaust nicht mehr für möglich gehalten wurde, dass in Deutschland je wieder eine Synagoge dieser Größenordnung benötigt werden könnte. Bis 1959 entstand an dieser Stelle das von Dieter Knoblauch und Hans Heise erbaute Jüdische Gemeindehaus.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatLuise Berlin.de: Synagoge Fasanenstraße. Abgerufen am 1. September 2012.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBerlin.de: Ehemalige Synagoge Fasanenstraße. Abgerufen am 1. September 2012.
  3.  Rudolf Bothe (Herausgeber), Berlin Museum (Hrsg.): Synagogen in Berlin (Teil 1). Zur Geschichte einer zerstörten Architektur. Willmuth Arenhövel, Berlin 1983, ISBN 3-922912-04-4, S. 129.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatLaut Goebbels Tagebuch war Werner Wächter angewiesen, sie zerschlagen zu lassen. In: Der Spiegel 29/1992. Abgerufen am 1. September 2012.
  5.  Esther Slevogt: Aufgebaut werden durch Dich die Trümmer der Vergangenheit: Das jüdische Gemeindehaus in der Fasanenstraße. Jüdische Miniaturen. 1 Auflage. Hentrich und Hentrich Verlag, Berlin 1. Januar 2009, ISBN 978-3-94145-006-6, S. 18.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Synagoge Fasanenstraße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

52.5043313.3284Koordinaten: 52° 30′ 16″ N, 13° 19′ 42″ O