Tüll

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Tüllgewebe mit typischer Umschlingung der Kettfäden
Hut mit Schleier aus Tüll
Tüllfabrikation in Caudry, Frankreich - dem Ursprungsort der Tüll-, Spitzen- und Stickereiindustrie (1909)

Als Tüll bezeichnet man ein netzartiges Gewebe. Der Begriff „Tüll“ leitet sich von der französischen Stadt Tulle ab, welche im 19. Jahrhundert für dieses Gewebe bekannt wurde.

Material[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tüll ist ein gewebter Stoff mit durchgehenden Kettfäden und eben soviel schräg dazu verlaufenden Schussfäden, welche die Kettfäden umschlingen.

Die Schussfäden sind auf kleinen Metallspulen (Bobinet) untergebracht, die, wie beim Flechten, bei ihrem Lauf von links nach rechts und wieder zurück bei jedem Kettfaden eine volle Umschlingung (Ganzdreher) ausführen.[1]

Außer diesen Bindeschussfäden muss zur Musterung mindestens noch ein zweites Schussfadensystem vorhanden sein; komplizierte Muster verlangen weitere Musterfadensysteme; sie werden von Jacquardmaschinen gesteuert. So entstehen überkreuz liegende Musterungen, in der Veredelung erhalten die Tülle dann ihre endgültige Form.[2]

Tüll wird aus Garnen verschiedener Feinheit gewebt und kommt glatt und einfach oder gestreift, gemustert, in Seide broschiert oder auch auf weißem oder schwarzem Grund mit bunten Blumen bestickt vor. Da Tüll halbdurchsichtig ist, wird er auch für Gardinen und Unterwäsche verwendet.

Seine Qualität wird vom Material und der Anzahl der Zellen je Quadratzoll bestimmt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tüll – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kerstin Bauer: Kleidung und Kleidungspraktiken im Norden der Côte d'Ivoire: Geschichte und Dynamiken des Wandels vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Lit Verlag, Münster, Berlin 2007, ISBN 978-3-8258-0301-8 (= Beiträge zur Afrikaforschung, Band 30, zugleich Dissertation Universität Basel 2005)
  • Gudrun Liegl-Raditschnigg: Kleidung und Mode vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Isensee Verlag, Oldenburg 1996, ISBN 3-89598-377-2 (= Museumspädagogische Reihe zur Landesgeschichte, Band 4).
  • Boris Paraschkewow: Wörter und Namen gleicher Herkunft und Struktur: Lexikon etymologischer Dubletten im Deutschen. Walter de Gruyter, Berlin / New York, NY 2004, ISBN 3-11-017470-7 und ISBN 3-11-017469-3.
  • Max Heiden: Handwörterbuch der Textilkunde aller Zeiten und Völker. Verlag von Ferdinand Enke, Stuttgart 1904, S. 596.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alois Kiessling, Max Matthes: Textil-Fachwörterbuch. Schiele & Schön, Neuauflage 1993, ISBN 3-7949-0546-6, S. 388.
  2. Thomas Meyer zur Capellen: Lexikon der Gewebe: Technik - Bindungen - Handelsnamen. 5. Auflage, Dfv-Mediengruppe, 2015, ISBN 978-3-86641-258-3.