Tulle

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Tulle
Wappen von Tulle
Tulle (Frankreich)
Tulle
Sunt rupes virtutis iter.
Felsen sind der Tugend Pfad (Latein)
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Corrèze (Präfektur)
Arrondissement Tulle
Kanton Tulle
Gemeindeverband Tulle Agglo
Koordinaten 45° 16′ N, 1° 46′ OKoordinaten: 45° 16′ N, 1° 46′ O
Höhe 185–460 m
Fläche 24,44 km2
Einwohner 14.325 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 586 Einw./km2
Postleitzahl 19000
INSEE-Code
Website www.ville-tulle.fr

Tulle mit dem Fluss Corrèze

Tulle (okzitanisch Tula) ist eine Stadt in Zentralfrankreich und Präfektur des Départements Corrèze. Ihre 14.325 Einwohner (Stand 1. Januar 2014) nennen sich Tullistes. Die Stadt ist Bischofssitz und somit ein wichtiges geistliches Zentrum des Limousin. Bekannt ist Tulle auch aufgrund seiner historischen Rolle in mehreren Industriezweigen: So gab die Stadt der Tüllspitze, die hier zuerst produziert wurde, ihren Namen; auch in der Akkordeonfabrikation und Waffenherstellung hatte sie lange Zeit eine herausragende Bedeutung.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tulle liegt am westlichen Rand des Zentralmassivs an beiden Ufern der Corrèze, unmittelbar vor ihrem Austritt aus dem engen Flusstal in das Bassin von Brive-la-Gaillarde.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Lage von Tulle an der Nahtstelle zwischen dem Zentralmassiv und dem Bassin von Brive ist die Stadt bereits klimatisch begünstigt, sie erhält zugleich jedoch erhebliche Niederschlagsmengen. Das Maximum der Niederschläge entfällt hierbei auf das Winterhalbjahr, während die Sommer zeitweise trocken ausfallen können.

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Tulle
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) 3,4 4,75 6,78 9,43 13,06 16,52 19,16 18,77 16,43 12,29 6,9 3,86 Ø 11
Niederschlag (mm) 71 66 66 69 90 65 50 66 67 73 68 77 Σ 828
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Quelle: Mapped Planet[1]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Tulle:

Naves Naves Naves und Gimel-les-Cascades
Chameyrat und Naves Nachbargemeinden Chanac-les-Mines
Chameyrat Sainte-Fortunade Chanac-les-Mines und Laguenne

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tulle

Entwicklung bis zum Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Tulle leitet sich her von Tutela, der alten Kraft römischer Gottheiten, die Menschen, Sachen und Orte beschützt. Zu gallisch-römischer Zeit wurde auf der langen Reise von Aremorica zum Mittelmeer hier an dem Ort, in der Nähe der Abtei Saint-Martin, Tutela angerufen. Dies geschah noch bis ins Mittelalter hinein. Im 7. Jahrhundert entstand hier ein Kloster, wo sich dann im Laufe der Zeit immer mehr Menschen ansiedelten. 1130 wurde die im 11. Jahrhundert zerstörte Abtei wieder errichtet. Im Jahre 1317 wurde Tulle von Papst Johannes XXII. zum Bistum erhoben und aus der Abtei wurde eine Kathedrale. Deren Turm ist 75 m hoch und stammt aus dem 13. und 14. Jahrhundert.[2][3]

Während der Religionskriege stand Tulle auf Seiten der katholischen Liga und widerstand den Angriffen der Hugenotten im Jahre 1577, jedoch wurde die Stadt 1585 von den Truppen des Vicomte von Turenne, Henri de La Tour d’Auvergne, duc de Bouillon, verwüstet. Aber die Erschütterungen durch die Französische Revolution waren noch viel weitreichender, so wurden Kathedrale und Abtei zu Waffenfabriken umgewandelt und erst 1803 wieder eröffnet und 1823 erneut zur Kathedrale geweiht.

Massaker von Tulle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Massaker von Tulle

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschreibung: In Rot drei (2;1) goldene Roch unter blauen Schildhaupt mit balkenweis drei goldenen Lilien.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr[4] 1793 1821 1851 1872 1901 1921 1946 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007
Einwohner 9.662 8.097 11.895 13.680 17.412 13.732 18.202 19.084 20.016 20.100 18.800 17.164 15.496 15.647

Politik und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister seit 1925[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1925–1945: Jacques de Chammard, Radical
  • 1944–1947: Jules Lafue[6]
  • 1947–1949: Clément Chausson, PCF
  • 1949–1959: Jean Massoulier
  • 1959–1971: Jean Montalat, SFIO
  • 1971–1977: Georges Mouly, RPR
  • 1977–1995: Jean Bombasteil, PCF
  • 1995–2001: Raymon-Max Aubert, RPR
  • 2001–2008: François Hollande, PS
  • 2008–2014: Bernard Combes,[7] PS
  • 2014–2020: Bernard Combes,[8] PS

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1964 besteht zudem eine Partnerschaft der Handwerkskammern Osnabrück-Emsland und der der Corrèze.[9] Bis zu Beginn der 1990er Jahre gab es dabei ein jährliches erfolgreiches gegenseitiges Besuchsprogramm für Auszubildende beider Kammern.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tulle war früher Sitz der Waffenfabrik Manufacture nationale d’armes de Tulle (MAT), die heute nur noch durch ein Waffenmuseum repräsentiert ist. Seit 1919 besteht in Tulle das Unternehmen Maugein, das Akkordeons herstellt. Ein Akkordeonmuseum ist im Entstehen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Tulle, 1987

Der Bahnhof Tulle war bis 1970 ein bedeutender Knotenpunkt. Dort wendeten die Züge der P.O.-Strecke Clermont-FerrandBrive, es gab durchgehende Verbindungen von Lyon nach Bordeaux. Er war Ausgangspunkt für die Meterspurzüge nach Argentat, Uzerche und Treignac (bis 1970) sowie Ussel (bis 1959).

Aktuell wird der Bahnhof von Intercités der Relation Clermont-Ferrand–Bordeaux und TER-Zügen des Limousin-Netzes bedient.

Die Stadt liegt direkt an der Achse BordeauxLyon und zwar einerseits durch die Nationalstraße 89 und durch die Autobahn A89 sowie die Nationalstraße 120 zwischen Uzerche und Aurillac.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helga Bories, Rolf Sawala: J’écris ton nom: Liberté. La France occupée et la Résistance; Schöningh, Paderborn 2002; ISBN 3-14-045500-3 (Diese Quellensammlung beginnt mit dem Bericht, wie eine der bekannten Täterinnen von 1944, genannt „Die Hündin“, im Jahr 1978 in Tulle erkannt wird, als sie regionale Feinkost zum Weiterverkauf in Deutschland erwirbt und wie die Menschen darauf reagieren.)
  • Collaboration and Resistance in France; ISBN 0-8109-4123-6 (auch in frz. Version gedruckt); S. 207: Bild „Lachende Deutsche neben den erhängten Zivilisten“ (eine Illustration, die genau zu Theweleits „Männerphantasien“ passt)
  • Bruno Kartheuser: Die Erhängungen von Tulle. Der 9. Juni 1944. Band 3 des unten angeführten Reihenwerks von Kartheuser. St. Vith/Belgien, 2004. ISBN 2-87316-020-9. Franz.: Les pendaisons de Tulle. Le 9 juin 1944.
  • Bruno Kartheuser: Die Erhängungen von Tulle. Ein ungesühntes Verbrechen. Band 4 des unten angeführte Reihenwerkes von Kartheuser. Franz.: Les pendaisons de Tulle. Crime sans chatiment. Deutsch: 2008 ISBN 2-87316-032-2
    • Bruno Kartheuser: Walter, SD in Tulle. Reihenwerk aus 4 Bänden & einem Register; Edition Krautgarten, St. Vith/Belgien. (Über den belgischen Staatsangehörigen und Mitglied des SD Walter Schmald und seine Verwicklung in das Massaker von Tulle).
Bd. 2: Die Tragödie des 9. Juni 1944. Das besetzte Frankreich 1940–1943. 2004 ISBN 2-87316-015-2. Franz.: La France occupée 1940–1943. 2002
Bd. 1: Die 30er Jahre in Eupen-Malmedy. Einblick in das Netzwerk der reichsdeutschen Subversion. (viele Täter kamen aus Ostbelgien). In Niederländisch: De jaren dertig in Eupen-Malmedy. Een blik op het netwerk van de Groot-Duitse subversie. In Französisch: Les années trente à Eupen-Malmedy. Regard sur le réseau de la subversion allemande.
Register: Tulle Band 1–4. Namensregister. Index des noms propres. 2009
  • ders.: Un regard vrai sur les événements de Tulle. Droit de questions. Peuple et Culture, Conférence le 10 nov. 2008, PEC Tulle. Ed. Krautgarten, St. Vith 2009
  • Alan Shillaker: The martyrs of Tulle. (in englischer Sprache) ebd. 2005

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tulle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mapped Planet.
  2. Tulle - Kathedrale Notre Dame.
  3. Eintrag zu Tulle auf catholic-hierarchy.org
  4. Statistik auf cassini.ehess.fr. Abgerufen am 7. August 2011 (französisch).
  5. Site du conseil général de la Corrèze.
  6. www.ajpn.org/juste-1587.html.
  7. www.annuaire-mairie.fr/ville-tulle.html.
  8. www.annuaire-mairie.fr/ville-tulle.html.
  9. www.hwk-os-el.de/index.php?option=com_content&view=article&id=147&Itemid=161.