T-Aktie

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Der Begriff T-Aktie steht für die Aktie der Deutschen Telekom AG.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ehemalige Staatsunternehmen Deutsche Telekom hat bislang drei Börsengänge absolviert. Am 18. November 1996 kamen erstmals T-Aktien in den Handel. Die Telekom inszenierte dafür eine bis dahin beispiellose Werbekampagne mit Manfred Krug als Galionsfigur. Die T-Aktie wurde vor allem den Privatanlegern als sogenannte Volksaktie angepriesen. Die Werbeaktion hatte einen durchschlagenden Erfolg. Selbst Menschen, die vorher noch nie etwas mit Aktien zu tun hatten, orderten die T-Aktie. Es war der Beginn einer Aktieneuphorie in Deutschland, die über mehrere Jahre anhielt.

Zum Börsenstart am 18. November 1996 wurden 713 Millionen Papiere im Zuge einer Kapitalerhöhung platziert. Bei einem Emissionskurs von 28,50 DM (14,57 EUR) nahm die Telekom rund 20 Milliarden DM (rund 10 Milliarden Euro) ein. Der zweite Börsengang und damit eine weitere Kapitalerhöhung erfolgte am 28. Juni 1999. Zum Preis von 39,50 EUR wurden 281 Millionen Aktien ausgegeben und 10,8 Milliarden EUR eingenommen.[1]

Am 19. Juni 2000 verkaufte der Bund über die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 200 Millionen T-Aktien zum Preis von 66,50 EUR.[1] Aus diesem dritten Börsengang flossen rund 13 Milliarden EUR in die Staatskasse. Die Börseneuphorie war auf ihrem Höhepunkt angelangt. Die Telekom-Aktie notierte über 103 EUR, ihrem Allzeithoch[2]. Die drei Börsengänge führen mit großem Abstand bis heute (April 2017) die Liste der größten Börsengänge Deutschlands an.

Die riskanten Firmenzukäufe des damaligen Konzernchefs Ron Sommer vor allem in den USA setzten der Aktie stark zu. Fehlerhafte Unternehmensstrategien, ein überteuerter Kauf der UMTS-Lizenzen, ein enormer Schuldenstand und ein zu hoher Preis für den Erwerb des US-Mobilfunkanbieters VoiceStream, so lauten die häufigsten Vorwürfe an den Telekom-Chef. Am 16. Juli 2002 trat Ron Sommer zurück, die T-Aktie notierte am 30. September 2002 auf ihrem vorübergehenden Tiefststand von 8,42 Euro.[3] Im Rahmen der Finanzkrise ab 2007 erreichte die Aktie einen erneuten Tiefststand von 7,079 Euro am 8. Mai 2009 von dem sie sich drei Jahre nicht erholte und am 5. Juni 2012 bei einen weiteren Tiefststand von 6,939 Euro landete. Erst im Oktober 2013 kletterte sie wieder über die 10 Euromarke. Im Jahresmittel September 2010 bis 2011 lag die Aktie bei 9,631 Euro, mit fallender Tendenz.[4] Seit 2014 notiert die Aktie in einem Korridor zwischen rund 10 Euro und 16,982 Euro (Stand: April 2017). Sie liegt damit weiterhin unter den Ausgabepreisen des zweiten und dritten Börsengangs.

Aktionärsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt 4.535.571.247 T-Aktien.

Stand: 31. März 2015[5]
Anteil Anteilseigner Sitz
17,4 % KfW (staatliche Förderbank) Frankfurt am Main
14,3 % Bundesrepublik Deutschland Berlin
53,7 % Institutionelle Anleger
14,6 % private Anleger

Prozesse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klagen zum zweiten Börsengang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 1999 folgte der zweite Börsengang der Deutschen Telekom AG. Einige Anleger klagten aufgrund von vermuteten Unrichtigkeiten im Verkaufs- und Börsenzulassungsprospekts auf Schadenersatz für erlittene Kursverluste. Das LG Frankfurt am Main legte in seinem Beschluss vom 22. November 2006 dem OLG Frankfurt am Main Fragen zur Klärung vor. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main stellte in seinem Beschluss vom 3. Juli 2013 keine wesentlichen Fehler im Börsenprospekt fest. Im November 2016 veröffentlichte der Bundesgerichtshof (BGH) einen Beschluss: Wie bereits vom OLG festgestellt, ließen sich aus dem Prospekt des zweiten Börsengangs keine wesentlichen Fehler ableiten. Laut der die Kläger vertretenden Kanzlei Tilp sind von dem Urteil einige Dutzend Kläger betroffen, die insgesamt 1,2 Mio. Euro verloren hätten.[6]

Klagen zum dritten Börsengang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2001 klagten die ersten Anleger in der Hoffnung auf Schadenersatz für erlittene Kursverluste. Im April 2008 begann ein Verfahren vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main aufgrund angeblicher fehlerhafter Bewertung des Immobilienvermögens der Deutschen Telekom und unkorrekter Angaben in ihren Verkaufsprospekten zum dritten Börsengang der T-Aktie. Es klagten in einem Musterprozess über 17.000 Aktionäre auf Schadenersatzzahlungen in Höhe von rund 80 Millionen Euro. Bei einem ähnlichen Prozess in den USA hatte die Telekom sich 2005 im Rahmen eines Vergleichs auf eine Zahlung von 120 Millionen US-Dollar eingelassen.[7] Im Oktober 2014 erklärte der Bundesgerichtshof den Verkaufsprospekt für fehlerhaft [8][9] und hob die Entscheidung des OLG Frankfurt am Main aus Mai 2012 auf, welches einen Schadenersatzanspruch zurückgewiesen hatte. Das OLG Frankfurt am Main musste erneut über das Verfahren entscheiden. Es urteilte im November 2016, dass die Deutsche Telekom den festgestellten Fehler im Börsenprospekt zu vertreten hat. Allerdings muss die Kausalität des Fehlers im Prospekt für die Anlageentscheidung pro Anleger individuell vom LG Frankfurt am Main geprüft werden. Die den Musterkläger vertretende Kanzlei Tilp legte gegen das Urteil Rechtsbeschwerde ein, so dass der BGH erneut in dem Verfahren entscheiden muss.[10] [11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Munk, N. (2003): Die T-Aktie als Marke: Staatliche und private Einflussnahme zur Kurspflege einer “Volksaktie,” 2. Auflage, Wiesbaden. ISBN 389688185X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Referenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b 20 Jahre Telekom-Börsengang. Eine Aktie fürs Volk. In: tagesspiegel.de. 18. November 2016, abgerufen am 2. Februar 2017.
  2. http://www.epochtimes.de/articles/2006/11/10/65117.html (Memento vom 25. Februar 2010 im Internet Archive)
  3. telekom.com, Deutsche Telekom - Geschäftsbericht 2002, abgerufen am 20. März 2008
  4. boerse-frankfurt.de, Xetra-Orderbuch, abgerufen am 22. September 2011
  5. Aktionärsstruktur, Deutsche Telekom, Stand 31. März 2015 Abgerufen am 13. September 2015
  6. BGH weist Kläger zum zweiten Telekom-Börsengang ab. In: heise.de. 1. Februar 2016, abgerufen am 3. Februar 2017.
  7. [1]
  8. http://www.sueddeutsche.de/geld/telekom-aktie-ein-fehler-der-millionen-kosten-kann-1.2262843 Süddeutsche Zeitung, abgerufen am 11. Dezember 2014
  9. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/telekom-bundesrichter-geben-kleinanlegern-hoffnung-auf-schadensersatz-a-1007865.html Spiegel online, abgerufen am 11. Dezember 2014
  10. Bundesgerichtshof: schwerwiegender Fehler beim dritten Börsengang der Deutschen Telekom. In: heise.de. 14. November 2014, abgerufen am 3. Februar 2017.
  11. Weiterer Etappensieg für die Anleger im Telekom Prozess. 30. November 2016, abgerufen am 3. Februar 2017.