Taarof

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Taarof, T'aarof, Ta'aruf oder Tarof (Persisch: تعارف) ist ein persisches Wort arabischen Ursprungs (‚angemessenes und übliches Betragen‘) und bedeutet als Verb „sich bekannt machen“. In der iranischen Kultur ist es eine besondere Form der Höflichkeit („zeremonielle Unaufrichtigkeit“[1]).

Bedeutungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taroof hat zwei mögliche Bedeutungen:

  • Einmal umfasst er das soziale Verhalten gegenüber den Mitmenschen. Ein Exempel: Wenn ein Mann einer Frau die Tür öffnet.
  • Die zweite Bedeutung – das eigentliche Thema dieses Artikels – ist, wenn beispielsweise ein Ladeninhaber sich einem Kunden gegenüber anfangs weigert, den Preis für eine Ware zu nennen. Er sagt dann: „Gh'aabel nadaareh“, das wörtlich „wertlos“ bedeutet. Sinngemäß heißt es aber, dass der Kunde für den Ladenbesitzer mehr Wert hat als die Ware oder wichtiger ist als sie.

Taarof kann zu Missverständnissen und Problemen führen, aber auch sehr dienlich beim Knüpfen von Bekanntschaften und dem Schlichten von Konflikten sein. Ein Beispiel: Aus reiner Höflichkeit bietet ein Freund dem anderen eine Mitfahrgelegenheit an, und dieser nimmt dieses Angebot auch gleich an. Jetzt steckt der Fahrer in der Klemme. Höchstwahrscheinlich wird er innerlich fluchen und den Freund mitnehmen; manchmal wird er aber auch versuchen, sich herauszureden. Nach den Regeln des Taroof aber, müsste der Freund, der das Angebot bekommen hat, eigentlich die Mitnahme ablehnen.

Ein anderes Beispiel: Eine Familie besucht eine andere, und sie essen gemeinsam. Einer der Gäste möchte eigentlich noch mehr essen, macht es aber nicht, weil er bei den Gastgebern nicht als gierig oder mittellos erscheinen will. Er isst sogar manchmal dann nicht weiter, wenn er von den Gastgebern mehrmals dazu aufgefordert wird.

Ein weiteres Beispiel: Du bist mit dem Taxi gefahren und willst nun bezahlen und es ergibt sich folgender Dialog. „Ach, du brauchst mir nichts zu geben.“ „Doch, ich möchte aber.“ „Das war nichts wert, du kannst beim nächsten Mal bezahlen.“ „Aber für deine Mühen sollst du einen gerechten Lohn haben.“ „Es war mir schon genug Lohn, dich kennenzulernen.“ „Ganz meinerseits. Aber sag, wie viel schulde ich dir?“ „Na gut, dann gib mir 6.000 Rial, wenn du darauf bestehst.“ Du musstest den Fahrer buchstäblich dazu überreden, zahlen zu dürfen. Er gibt dir das Gefühl, dass es ihn ehrt, dass du dir die Mühe gemacht hast, seinen bescheidenen Beitrag zu beachten und zu entlohnen. Außerdem schwingt das Gefühl mit, dass die ganze Interaktion wichtiger war als der Handel selbst.

Soziale Gewohnheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taarof ist eine Art, den eigenen Willen zu verleugnen, um dem Gegenüber zu gefallen aber auch dem Gegenüber ein gutes Gefühl der Anerkennung zu geben. Er führt häufig zu Missverständnissen und ist Ausgangspunkt vieler unangenehmer Situationen im sozialen Umfeld. Taarof ist daneben auch ein Mittel um Konflikte zu entschärfen. Ein Beispiel dazu ist, das jemand die Hochzeit seines Kindes ausrichtet und dazu den Nachbarn mit dem man im Streit liegt dennoch einlädt. Der Nachbar schlägt dem Taarof entsprechend das Angebot höflich mit einer Ausrede aus. Der Nachbar ist freundlicher gestimmt, da er eine Einladung zur Hochzeit bekommen hat, auch wenn diese dem Taarof entsprechend nicht aufrichtig gemeint war, und das Verhältnis hat sich damit verbessert, weil das Höflichkeitsritual nicht an dem Nachbarn vorbei gegangen ist.

Häufig verwendete Phrasen in Bezug auf Taarof sind:

  • Ghabeli nadaareh (es hat keinen Wert) – ist keine große Sache
  • Ghadamet ro Cheshm (dein Gang auf meinen Augen) – du bist herzlich willkommen
  • Ghorbanet beram (ich opfere mich für dich) – vielen Dank

Politische Theorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manche politische Theoretiker argumentieren, dass an Fürstenhöfen zur Zeit der Leibeigenschaft Taarof diplomatische Diskurse regelte. Laut D. M. Rejali war die Ausschmückung der Rede für die feudale Elite ein Ausdruck des Prestiges. Mit dem Beginn des Kapitalismus und seines wissenschaftlichen Paradigmas wurde die Kommunikation präziser. Somit waren die Formalitäten des Taarof nur noch eine Behinderung bei der Verfolgung einer schnellen Kapitalakkumulation.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • salamzimbo.com

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christopher de Bellaigue: Im Rosengarten der Märtyrer. Ein Porträt des Iran. Aus dem Englischen von Sigrid Langhaeuser, Verlag C. H. Beck, München 2006 (engl. Originalausgabe: London 2004), S. 27