Natalie Amiri

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Natalie Amiri (persisch ناتالی امیری, * 11. Juli 1978[1] in München) ist eine iranisch[2]-deutsche[3] Journalistin und Fernsehmoderatorin. Seit dem 30. März 2014 moderiert sie den Weltspiegel aus München, außerdem das BR-Europa-Magazin euroblick. Sie leitete von 2015 bis April 2020 das ARD-Studio in Teheran.[4]

Natalie Amiri (2018)

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amiri ist in einer deutsch-iranischen Familie aufgewachsen; ihr Vater kam Mitte der 1960er-Jahre aus dem Iran nach Deutschland.[5][6] Natalie Amiri studierte Orientalistik mit dem Schwerpunkt Iranistik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, verbrachte jeweils ein Auslandssemester in Teheran und Damaskus und schloss das Studium als Diplom-Orientalistin ab. Anschließend arbeitete sie zwei Jahre in der deutschen Botschaft in Teheran. Ab 2007 berichtete sie als Korrespondentin für die ARD aus dem Studio Teheran. Seit 2011 ist Amiri als freie Journalistin für die Nachrichtensendungen bzw. Magazine Tagesthemen, Tagesschau, ARD-Morgenmagazin, ARD-Mittagsmagazin sowie die Fernseh- bzw. Hörfunksender Phoenix, Tagesschau24, Deutsche Welle, Deutschlandradio und verschiedene ARD-Rundfunkanstalten tätig.[7]

Am 30. März 2014 übernahm Amiri von Bernhard Wabnitz den Moderatorenplatz des Bayerischen Rundfunks beim Weltspiegel im Ersten.[8] Seit 2017 kommentiert sie für den BR auch regelmäßig aktuelle Themen in den Tagesthemen. 2015 war sie als Autorin von „Die Story im Ersten: Tod vor Lampedusa – Europas Sündenfall“ für den 9. Marler Medienpreis Menschenrechte von Amnesty International nominiert.[9] 2018 war sie für ihre Reportage „Verschwunden in Deutschland – Auf der Suche nach vermissten Flüchtlingsjungen“ für den Grimme-Preis nominiert.[10]

Zum 1. Mai 2020 gab Amiri die Leitung des Teheraner ARD-Studios ab, die sie seit 2015 innehatte, da es für sie eine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt gab.[11] Ihre Nachfolgerin ist Katharina Willinger.[12] Das Auswärtige Amt befürchtete bereits im Sommer 2019, dass Amiri als politische Geisel genommen werden könnte, um sie als Druckmittel für Verhandlungen einzusetzen. Als doppelte Staatsbürgerin wird sie vom Iran als iranische Journalistin behandelt und müsste daher befürchten, eher ins Gefängnis zu kommen, statt wie ausländische Journalisten ausgewiesen zu werden. Zudem kann sie nicht auf konsularischen Beistand hoffen. In einem Interview mit Zapp gab Amiri an, mehrfach im Iran verhaftet und verhört worden zu sein. Zudem sei ihr auch der Pass abgenommen worden.[11] Im Interview mit der Abendzeitung gab sie zudem an, dass der iranische Geheimdienst versucht habe, sie als Spionin anzuwerben. Dazu wurde ihr auch angeboten, sie ins Gefängnis zu stecken, damit sie „Publicity“ erhalte.[13]

Natalie Amiri (l.) und Wolfgang Ischinger (r.) bei der Münchner Sicherheitskonferenz (2021)

Amiri moderierte in der Funktion als Master of Ceremonies zusammen mit dem Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) Wolfgang Ischinger am 19. Februar 2021[14] die MSC Special Edition 2021 mit dem Titel Beyond Westlessness: Renewing Transatlantic Cooperation, Meeting Global Challenges.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Deutsch spricht Amiri Englisch, Französisch, Persisch und Arabisch.[7] Sie hat einen Sohn,[15] der im Januar 2003 geboren wurde und den sie als Alleinerziehende aufzog.[16] Sie lebt in München. Ihr Lebenspartner ist Robert Hunke.[17]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit engagierten Interviews und Reportagen, unter anderem mit der 30-minütigen ARD-Reportage Die Terrorfront in Syrien wurde Amiri einer größeren Öffentlichkeit bekannt.[18] Für ihren Fernsehbeitrag Tod vor Lampedusa – Europas Sündenfall, der in der ARD am 6. Oktober 2014 ausgestrahlt wurde, wurde sie gemeinsam mit Ellen Trapp mit dem Katholischen Medienpreis 2015 in der Kategorie „Elektronische Medien“ ausgezeichnet.[19] 2018 gewann sie den Kindernothilfe-Medienpreis für ihren Beitrag „Verschwunden in Deutschland – Auf der Suche nach vermissten Flüchtlingsjungen“.[20] Für die Berichterstattung aus dem Iran war Amiri für den deutschen Fernsehpreis 2019 in der Kategorie „Beste Information: Auslandsreporter“ nominiert.[21] Im Februar 2020 wurde Amiri vom Medium Magazin als eine der zehn besten politischen Journalistinnen und Journalisten ausgezeichnet und erhielt für ihre Berichterstattung über den Konflikt zwischen den USA und dem Iran einen Preis als „beste Politik-Journalistin des Jahres“ sowie für ihre vermittelnde Rolle als ARD-Korrespondentin und Moderatorin des Weltspiegels.[22]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Natalie Amiri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. »Ich gehe Kofferpacken, ich muss dorthin!« magazin.zenith.de, 23. Mai 2018, abgerufen am 7. Januar 2020
  2. Anna-Katharina Ahnefeld: Iran-Korrespondentin der ARD berichtet über harten Job als „Feindbild des Staates“. Münchner Merkur, 13. März 2021.
  3. Jochen Becker, Annette Leiterer: Iran: Journalisten als Feindbild des Staates. Norddeutscher Rundfunk, 13. Mai 2020.
  4. Natalie Amiri: unabhängig von #Corona. Deshalb gebe ich das Büro in #Teheran am 1. Mai ab.... ich werde weiter das Land beobachten, mich aber in Zukunft quer durch die gesamte Region bewegen... darauf freue ich mich schon sehr... خوش و شاد باشید. In: Twitter. 30. April 2020, abgerufen am 1. Mai 2020.
  5. Bayerischer Rundfunk: euroblick: Moderatorin Natalie Amiri. 28. Juli 2015 (br.de [abgerufen am 11. Januar 2021]).
  6. Iran: Kein Schritt ohne Drehgenehmigung. ndr.de, 16. Februar 2015, abgerufen am 4. Januar 2018.
  7. a b Vita – Natalie Amiri. Rundfunk Berlin-Brandenburg, 2. November 2012, abgerufen am 4. Januar 2018.
  8. „Weltspiegel“ aus München im Ersten – Neue Moderatorin: Natalie Amiri. Bayerischer Rundfunk, 27. Februar 2014, abgerufen am 4. Januar 2018.
  9. 9. Marler Medienpreis Menschenrechte.
  10. Die Story im Ersten: Verschwunden in Deutschland – Auf der Suche nach vermissten Flüchtlingsjungen (SWR/BR). (grimme-preis.de [abgerufen am 10. Mai 2018]).
  11. a b Natalie Amiri: „Warnung vom Auswärtigen Amt“. In: Zapp. 3. Mai 2020, abgerufen am 3. Mai 2020.
  12. Katharina Willinger: In eigener Sache: Ab heute übernehme ich die Leitung unseres ARD Büros Teheran von meiner geschätzten Kollegin @NatalieAmiri Ich berichte weiterhin aus der Türkei, nun aber auch regelmäßig aus dem Nachbarland Iran. Ich freue mich auf spannende Zeiten und gute Geschichten! In: Twitter. 1. Mai 2020, abgerufen am 3. Mai 2020.
  13. Iran: Die Menschen sehnen sich nach Freiheit. In: Münchener Abendzeitung. 12. März 2021, abgerufen am 26. März 2021.
  14. die MSC Special Edition 2021: „Beyond Westlessness: Renewing Transatlantic Cooperation, Meeting Global Challenges“. In: MSC. 19. Februar 2021, abgerufen am 1. März 2021.
  15. Sommergäste 2018 – Natalie Amiri (Memento vom 13. Januar 2019 im Internet Archive), radiobremen.de, abgerufen am 14. Juni 2019
  16. Gabi Fischer: Natalie Amiri, Journalistin (Interview). Blaue Couch, Bayerischer Rundfunk, 17. März 2021.
  17. Podcast: „Natalie hat mir oft nicht gesagt, in welcher Gefahr sie war“. In: Borussia Dortmund. Abgerufen am 17. März 2020.
  18. Das Moderatoren-Team des Weltspiegels. daserste.de, abgerufen am 11. September 2016.
  19. Natalie Amiri, Ellen Trapp und Nataly Bleuel erhalten den Katholischen Medienpreis 2015. Pressemeldung der Deutschen Bischofskonferenz, 21. Juli 2015, abgerufen am 4. Januar 2018.
  20. Kindernothilfe-Medienpreis zum 20. Mal verliehen kindernothilfe.de, abgerufen am 14. Juni 2019
  21. Deutscher Fernsehpreis 2019: Nominierungen für Dokus, Information, Sport und Comedy stehen fest meedia.de, abgerufen am 14. Juni 2019
  22. Die 10 besten Politik-Journalistinnen und -Journalisten kress.de, abgerufen am 20. Oktober 2020