Tadej Brate

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Tadej Brate anlässlich der Feierlichkeiten zum Jubiläum 160 Jahre Südbahn

Tadej Brate, manchmal auch Tadej Braté, (* 31. März 1947 in Ljubljana; gestorben am 11. Januar 2022[1] ebenda) war ein slowenischer Industriearchäologe und Sachbuchautor.[2][3]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Mutter war Frančiška Brate, geb. Trojar. Der Vater Franc Brate war in einem Handelsunternehmen tätig.[4] Tadej war schon als Kind ein Liebhaber des Eisenbahnwesens.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf eigenes Betreiben sandten ihn seine Eltern als Lehrling nach Wien, um dort in der Wiener Lokomotivfabrik praktische Fertigkeiten zu erlernen. Aus dieser Zeit stammte sein erstklassiges Deutsch mit dem für Akademiker ungewöhnlichen Soziolekt Wiener Arbeiter. Von 1961 bis 1965 besuchte er ein Technisches Gymnasium für Maschinenbau.[3]

1971 schloss Tadej Brate ein Studium an der Fakultät für Maschinenbau der Universität Ljubljana ab. In den 1990er-Jahren ermöglichte ihm sein Arbeitgeber ein ergänzendes Studium in Großbritannien. 1997 absolvierte Brate einen Masterstudiengang für Industriearchäologie an der Universität Birmingham. Im Jahr 2014 promovierte er an der Biotechnischen Fakultät der Universität Ljubljana[5] und erwarb ein Doktorat für Forstwirtschaft.

Berufliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1984 bis zu seinem Ruhestand war er beim Slowenischen Institut für den Schutz des Natur- und Kulturerbes als Spezialist für Industriearchäologie tätig. Seine Forschungsarbeit konzentrierte sich auf jugoslawische und slowenische Eisenbahngeschichte, er war aber auch in den Gebieten Bergbau, Hüttenwesen, Brückenbau und Eisenbahnarchitektur fachlich und publizistisch tätig.

Weitere Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brates großes Interesse galt auch der ehemaligen Straßenbahn Ljubljana. Er gilt als Retter des im Technischen Museum Sloweniens auf Schloss Bistra ausgestellten Straßenbahnwagens aus der Ursprungszeit dieses Betriebes – an der Restaurierung war er selbst maßgeblich und handwerklich beteiligt.

Triebwagen 5 der Straßenbahn Ljubljana auf Schloss Bistra

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tadej Brate war verheiratet bzw. in seinen letzten Lebensjahren verwitwet. Er war Vater eines Sohnes.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brate begann Lokomotiven zu fotografieren, als in Jugoslawien noch Fotografierverbot für Eisenbahnanlagen galt. Er berichtete in späteren Jahren gerne von Eulenspiegeleien, um - wenn er erwischt wurde - unerwünschten Folgen zu entgehen. Meist hatte er - eigenen Worten zufolge - mit der Strategie Erfolg, sich als geistig minderbemittelte Person darzustellen.

Am Telefon meldete sich Brate bei österreichischen Freunden gerne lachend mit „Servus. Da ist der Jugo!“ – Jugo steht hier für eine umgangssprachliche, meist abwertende, Bezeichnung für jugoslawische Gastarbeiter im Österreich der Wirtschaftswunderjahre.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender Radiotelevizija Slovenija erstellte eine umfangreiche Dokumentation zu Leben und Wirken von Tadej Brate.[6] Die Erstausstrahlung war am 20. Juli 2014 (in slowenischer Sprache)

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brate war ein sehr produktiver Autor und publizierte hauptsächlich auf Slowenisch. Einige seiner Bücher und Beiträge sind auf Deutsch erschienen:

  • Zgodovina slovenskih železnic na razglednicah: Die Geschichte der slowenischen Eisenbahnen auf Ansichtskarten. Hermagoras, 2013, ISBN 978-3708607412
  • Mit Dampf durch Italien (Bahn im Bild, Band 102), mit Bernhard Studer, Alfred Luft u. a., Verlag Pospischil, Wien 1979
  • Die Dampflokomotiven Jugoslawiens. Verlag Slezak, Wien 1971, ISBN 9783900134013
  • Von Graz südwärts nach Laibach, in: Gerhard M. Dienes, Hg.,: Die Südbahn. Vom Donauraum zur Adria (Wien – Graz – Marburg – Laibach – Triest) (Graz–Wien 1987), S. 52–58.

Auf Slowenisch (Auswahl):

  • Ljubljanski tramvaj včeraj, danes, jutri = Ljubljana tramway yesterday, today, tomorrow. Tehniški muzej Slovenije, 1997, ISBN 961-90361-3-1.
  • Zgodovina mestnega prometa v Ljubljani. LPP d.o.o., 2005, ISBN 961-91685-0-X.
  • Ljubljanski mestni promet v slikah. Kmečki glas, 2008, ISBN 978-961-203-343-9.

Auf Englisch:

Sein Buch über die Lokalbahn Triest–Parenzo erschien sowohl auf Slowenisch als auch auf Italienisch und Englisch:

  • Parenzana - železnica za vse čase, (2007)
  • Parenzana - the railway for all times, (2007)
  • Parenzana - La ferrovia per sempre, (2007)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tadej Brate – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. In memoriam: dr. Tadej Brate. Eisenbahnmuseum Ljubljana, 13. Januar 2022, abgerufen am 19. Januar 2022 (slowenisch).
  2. Mohorjeva - Hermagoras | Verlag | Autor: Tadej Braté. Abgerufen am 11. Januar 2022.
  3. a b Brate, Tadej (1947–) - Slovenska biografija. Abgerufen am 11. Januar 2022.
  4. Brate, Tadej (1947–) - Slovenska biografija. Abgerufen am 11. Januar 2022.
  5. Tadej Brate Whois. Abgerufen am 11. Januar 2022 (englisch).
  6. Tadej Brate, auf rtvslo.si