Talkirche Münnerstadt

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Talkirche Münnerstadt
Talkirche Münnerstadt

Die Talkirche, manchmal auch Thalkirche, ist eine barocke Wallfahrtskirche im Rannunger Tal bei Münnerstadt (Unterfranken). Sie trägt verschiedene Namen: „Wallfahrtskirche zum Heiligen Kreuz“, „Gnadenkapelle im Rannunger Tal“ oder „Rannunger Talkirche“. Die Kirche gehört zur Pfarrei Münnerstadt (Bistum Würzburg) und ist dem Heiligen Kreuz geweiht. In ihr wird auch eine Mariendarstellung als Gnadenbild verehrt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche stammt aus dem Jahre 1360 (im Saalbuch der Deutschherren); der Grund ihrer Erbauung liegt im Dunkeln. Sie befand sich ursprünglich allerdings nicht in so abgeschiedener Lage wie heute, sondern an der belebten Straße von Würzburg nach Sachsen-Meiningen (vgl. Via Romea), was vermuten lässt, es habe sich hier auf dem langen Weg zwischen Münnerstadt und Rannungen seit dem Mittelalter eine Herberge mit „Kirchlein“ befunden. Seit 1449 ist belegt, dass ein Einsiedler ständig in der Nähe der Kirche lebte. Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges war der Vorgängerbau der heutigen Kirche unbrauchbar geworden und man begann im Jahre 1712 nach Plänen des Würzburger Hofarchitekten Joseph Greissing mit einem Neubau.[1] Die Weihe der Kirche erfolgte am 19. August 1716 durch den Würzburger Weihbischof Johann Bernhard Mayer, wohl in Verbindung mit der Weihe der Rannunger Pfarrkirche.

Heutzutage findet alljährlich Ende April die Markusprozession statt. Sie beginnt an der St.-Maria-Magdalena-Kirche und führt zur Talkirche. Auf halbem Wege macht sie am Hohen Kreuz sowie am nahe gelegenen Kreuzschlepper Halt.

Sage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer in der Bevölkerung verbreiteten Sage geht der Bau der ersten Kapelle auf zwei Bauern aus Rannungen zurück, die bei der Erntearbeit im Tal von heftigem Regen überrascht wurden. Das Wasser staute sich im engen Tal derart an, dass sie mit dem schwer beladenen Fuhrwerk im Morast stecken blieben und mitsamt den Zugtieren in eine äußerst gefährliche Lage gerieten. Deshalb leisteten sie das Gelübde, der Muttergottes im Tal eine Kapelle zu bauen, wenn sie mit Tieren und Fuhrwerk unversehrt nach Hause zurückkämen.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche ist mit drei Altären im klassizistischen Stil ausgestattet. Auf dem linken Seitenaltar befindet sich das Gnadenbild, die Kopie einer gotischen Muttergottesdarstellung aus Holz. Sie soll im 19. Jahrhundert aus einer Holzkapelle hierher übertragen worden sein, die sich unmittelbar neben der Kirche befand. Bemerkenswert sind einige in der Kirche ausgestellte Votivgaben. Die beiden Glocken im Dachreiter haben die Töne gis″ und c″′.

Freialtar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Wiese neben der Kirche befindet sich ein steinerner Freialtar, über dem sich eine überlebensgroße Kreuzigungsgruppe aus dem Jahre 1941 erhebt. Das Werk des Münchener Bildhauers Gottfried Albert stellt in expressivem Stil den gekreuzigten Christus, den Heiligen Johannes, Maria, die Mutter Jesu und die beiden Schächer dar.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Lisiecki: Sagen und Legenden. 1982
  • Josef Willmann: Münnerstadt – wie es einst war. 1990
  • Klaus Dieter Guhling: Münnerstadt Talkirche, Kunstführer Nr. 2632, Verlag Schnell & Steiner, 2006
  • Johannes Mack: Der Baumeister und Architekt Joseph Greissing. Mainfränkischer Barock vor Balthasar Neumann. Dissertation Saarbrücken 2007; auch in: Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte. 8. Reihe: Quellen und Darstellungen zur fränkischen Kunstgeschichte. Band 16, Würzburg 2008, ISBN 978-3-86652-816-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kapelle zum Heiligen Kreuz (Münnerstadt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johannes Mack: Der Baumeister und Architekt Joseph Greissing. Mainfränkischer Barock vor Balthasar Neumann. In: Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte (Hrsg.): 8. Reihe: Quellen und Darstellungen zur fränkischen Kunstgeschichte. Band 16. Würzburg 2008, ISBN 978-3-86652-816-1, S. 512, 513, 633, 634.

Koordinaten: 50° 13′ 10,9″ N, 10° 11′ 49,4″ O