Tarfaya

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Tarfaya
طرفاية
ⵟⴰⵔⴼⴰⵢⴰ
Wappen von Tarfaya
Tarfaya (Marokko)
Tarfaya
Tarfaya
Basisdaten
Staat: MarokkoMarokko Marokko
Region: Laâyoune-Sakia El Hamra
Provinz: Tarfaya
Koordinaten 27° 56′ N, 12° 55′ WKoordinaten: 27° 56′ N, 12° 55′ W
Einwohner: 8.027 (2014[1])
Höhe: 10 m
Tarfaya – Ortsbild und Sanddünen
Tarfaya – Ortsbild und Sanddünen
Marokko während der Kolonialzeit

Tarfaya (arabisch طرفاية, DMG Ṭarfāya, Zentralatlas-Tamazight ⵟⴰⵔⴼⴰⵢⴰ Ṭarfaya) ist eine Kleinstadt mit gut 8.000 Einwohnern in der Region Laâyoune-Sakia El Hamra im Süden Marokkos. Die Stadt ist Verwaltungszentrum der gleichnamigen Provinz und war vor der Besetzung der Westsahara-Gebiete die südlichste und zugleich westlichste Stadt Marokkos.

Lage und Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tarfaya liegt unmittelbar am Atlantischen Ozean in der Nähe des Kap Juby etwa 545 km (Fahrtstrecke) südwestlich von Agadir. Die Entfernung zur Hauptstadt Rabat beträgt ca. 1070 km; bis nach Marrakesch sind es etwa 770 km. Bei Tarfaya gibt es einen Flughafen mit dem IATA-Code TFY. Das Klima ist wüstenartig; Regen (ca. 40 mm/Jahr) fällt nahezu ausschließlich im Winterhalbjahr.[2]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1994 2004 2014
Einwohner 4.506 5.615 8.027

Die Einwohner von Tarfaya setzen sich zusammen aus sesshaft gewordenen Nomaden und zugewanderten Berbern aus den Gebieten des Antiatlas. Die Annexion der Westsahara-Gebiete (1975/76) hat auch andere Bevölkerungsgruppen aus Zentralmarokko hierher geführt.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell spielt der Fischfang die wichtigste Rolle im Wirtschaftsleben der hier lebenden Menschen, doch fehlten bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts die notwendigen Rahmenbedingungen für den Weitertransport und die Vermarktung; andere Lebensmittel wie Mehl/Brot, Obst und Gemüse mussten getauscht oder zugekauft werden. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts erlebt der Individualtourismus einen stetigen Aufschwung. Im Dezember 2014 wurde in der Nähe der Windpark Tarfaya mit einer Leistung von 301 Megawatt in Betrieb genommen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Festung Casa Mar vor Tarfaya

Während der Kolonialzeit (genauer von 1916 bis 1958) gehörte die Gemeinde unter dem Namen Villa Bens zum spanischen Protektorat Süd-Marokko und war Verwaltungssitz des sogenannten Kap-Juby-Streifens.

Überregionale Bedeutung hatte Tarfaya, als im November 1975 in der Nähe des Ortes 350.000 Teilnehmer des Grünen Marschs in einem Zeltlager lebten. Das Lager umfasste ca. 22.000 Zelte auf einer Fläche von 70 km2.[3]

Anfang 2008 wurde eine Fährverbindung zwischen Tarfaya und Puerto del Rosario, Fuerteventura, aufgenommen. Die Autofähre Assalama der Reederei Naviera Armas verkehrte dreimal wöchentlich. Es handelte sich um die erste Fährverbindung zwischen den Kanarischen Inseln und der nahe gelegenen Küste Afrikas. In Erwartung des dadurch möglich gewordenen KFZ-Verkehrs zwischen den Kanaren und Marokko begann in Tarfaya ein bescheidener wirtschaftlicher Aufschwung. Diese Fährverbindung kam jedoch für unbestimmte Zeit wieder zum Erliegen, als die Assalama am 30. April 2008 bei einem missglückten Manöver im Hafen von Tarfaya leck schlug und später im flachen Wasser vor Tarfaya strandete, wo sie bis heute liegt.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wichtigste Attraktionen Tarfayas sind das Meer und die nahezu endlosen Sanddünen in der Umgebung.
  • Am Strand befindet sich ein Denkmal für den Piloten und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry, der hier in den späten 1920er Jahren wiederholt stationiert war und hier viele Inspirationen für seine spätere Erzählung Der kleine Prinz empfing.
  • Ca. 1 km vor der Küste liegt die Ruine der in den 1880er Jahren von den Engländern erbauten Festung Casa Mar.
Umgebung

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tarfaya – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsstatistik Marokko (Memento vom 3. März 2016 im Internet Archive)
  2. Tarfaya – Klimatabellen
  3. Werner von Tabouillot, Der Grüne Marsch im Lichte des Völkerrechts, München 1990, ISBN 3-88259-724-0
  4. Video mit Bildern des Schiffsunglücks