Temozolomid

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Strukturformel
Struktur von Temozolomid
Allgemeines
Freiname Temozolomid
Andere Namen

4-Methyl-5-oxo-2,3,4,6,8-pentazabicyclo[4.3.0]nona-2,7,9-trien-9-carboxamid

Summenformel C6H6N6O2
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 85622-93-1
PubChem 5394
DrugBank DB00853
Wikidata Q425088
Arzneistoffangaben
ATC-Code

L01AX03

Wirkstoffklasse

Zytostatikum

Eigenschaften
Molare Masse 194,15 g·mol−1
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
07 – Achtung 08 – Gesundheitsgefährdend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 302​‐​315​‐​319​‐​335​‐​350​‐​360
P: 201​‐​261​‐​305+351+338​‐​308+313 [1]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Temozolomid (Handelsnamen Temodal®, Temodar[2]) ist ein oral und intravenös verabreichtes alkylierendes Zytostatikum. Temozolomid wird zur simultanen, adjuvanten und gleichsam palliativen Therapie von Glioblastomen in Kombination mit Strahlentherapie eingesetzt.

Wirkung und Pharmakokinetik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das alkylierende Zytostatikum wirkt antineoplastisch, indem in der Tumorzelle die DNA-Replikation gestört wird.

Die Substanz ist eine Prodrug, die erst im Körper durch Metabolisierung aktiviert wird. Temozolomid wird spontan hydrolytisch gespalten, so dass MTIC entsteht (= 5-(3-N-methyltriazen-1-yl)-imidazol-4-carboxamid). MTIC ist ebenfalls sehr instabil und zerfällt rasch in die Produkte AIC (= 5(4)-aminoimidazol-4(5)-carboxamid) und Methylhydrazin. Methylhydrazin methyliert dann Basen der DNA. Liegt diese Base in einer Promotorregion eines Gens, führt die Methylierung zu einer Inaktivierung des Gens, das dann also nicht mehr exprimiert wird. Auf diesem Weg wird in den meisten Fällen der Zelltod herbeigeführt. Manche Tumorzellen besitzen allerdings einen Reparaturmechanismus, wodurch sie resistent gegenüber diesem Wirkstoff werden.

Der Vorteil von Temozolomid gegenueber dem älteren Wirkstoff Dacarbazin (DTIC) liegt darin, dass die Aktivierung bis hin zum Methylhydrazin vollkommen spontan abläuft. Dacarbazin muss dagegen enzymatisch aktiviert werden.

Die Resorption erfolgt rasch, die maximale Wirkstoffkonzentration wird bereits nach etwa 20 Minuten erreicht. Die Plasmahalbwertszeit liegt bei 1,8 Stunden.

Temozolomid kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden, wodurch es sich zur Anwendung bei Hirntumoren eignet.

Indikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zugelassen ist Temozolomid für Erwachsene mit einem erstdiagnostizierten Glioblastoma multiforme zur First-Line-Therapie mit adjuvanter Radiotherapie. Des Weiteren gibt es die Zulassung für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen bei rezidivierendem oder nicht auf die Standardtherapie anschlagendem malignem Gliom. Ein Einsatz bei malignem Melanom wird teilweise durchgeführt.[3] Es gibt hierzu jedoch keine offizielle Zulassung.[4]

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Nebenwirkungen können Thrombozytopenie und Neutropenie auftreten.

Aktuell wird auch über die Lebertoxizität von Temozolomid berichtet. Es gab einige Fälle von Leberschaden inklusive letalem Leberversagen. Die Schädigung der Leber kann auch erst nach einigen Wochen nach Behandlungsbeginn und auch nach dem Absetzen erfolgen.[5] Deswegen gibt es nun besondere Empfehlungen zur genauen Überwachung der Leberfunktion bei Behandlung mit Temozolomid.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Datenblatt Temozolomide bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 23. April 2011 (PDF).
  2. FDA Datenblatt Temodar (PDF) Letzte Revision Februar 2011 (englisch)
  3. Middleton MR, Grob JJ, Aaronson N, Fierlbeck G, Tilgen W, Seiter S, Gore M, Aamdal S, Cebon J, Coates A, Dreno B, Henz M, Schadendorf D, Kapp A, Weiss J, Fraass U, Statkevich P, Muller M, Thatcher N: Randomized phase III study of temozolomide versus dacarbazine in the treatment of patients with advanced metastatic malignant melanoma. J Clin Oncol 2000; 18: 158–166.
  4. Chemotherapien für Melanompatienten mit inoperablen Metastasen. Abgerufen am 6. November 2014.
  5. Wichtige Informationen: Auftreten schwerer Lebertoxizität im Zusammenhang mit Temozolomid.
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