Terrassenhäuser in der Hamburger Josephstraße

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Terrassenhäuser in der Hamburger Josephstraße 2015
Anlieger-Initiative zum Erhalt der Terrassenhäuser bei einem Symposium zur Denkmalpflege in Hamburg Juni 2016

In der Josephstraße befinden sich, mit den Hausnummern 10a+b und 12a+b, die letzten Terrassenhäuser im Hamburger Bezirk Wandsbek. Beide Häuserzeilen zusammen beinhalten 24 Kleinwohnungen. Die Anlage liegt im milieugeschützten alten Fabrikrevier Neumann-Reichardt-Straße. Ihr Bau sollte helfen, die Wohnungsnot der Arbeiter in der Gründerzeit zu lindern. Vor der Jahrhundertwende wurden hier quer zur Straße jeweils zwei gegenüberliegende, dreigeschossige Häuserzeilen errichtet. Der Zugang erfolgte über einen Durchgang zwischen den Vorderhäusern und dem verbindenden Innenhof. Hier wurden Fabrikarbeiter, Fuhrleute, Handwerker und Dienstboten untergebracht.[1] In den Vorderhäusern, parallel zur Straße, wohnten besser verdienende Händler, kleine Beamte und Handwerksmeister. Wegen des Stärkeren Einfalls von Sonnenlicht und wegen größerer Grundrisse war die Miete hier höher.

Konflikt um die Erhaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umstritten ist, ob es sich bei den durch die Kriegseinwirkungen massiv im Erscheinungsbild veränderten Gebäude überhaupt noch um eine erkennbare historische Bausubstanz handelt. Der Denkmal-Gutachter Geerd Dahms bewertet die Bausubstanz als eindeutig nicht schützenswert.[2] Die Wohnungsgenossenschaft Hamburg-Wandsbek von 1897 eG (WHW) als heutige Eigentümerin strebt den Abbruch der Terrassenhäuser an. Außerdem soll das nach dem Krieg wieder aufgebaute Vorderhaus Josephstraße 10 sowie ein zweigeschossiger Bau mit Flachdach in der Josephstraße 12 abgerissen werden. Dieser ersetzt das ehemals dort stehende Vorderhaus, das im Krieg zerstört wurde. Das Grundstück mit der Flurstücknummer 1701 ist außerdem mit einer straßenparallelen Häuserzeile (Josephstraße 14-18) bebaut, deren Abriss unstrittig ist. Die Bewohner der Häuser in der Josephstraße unterstützen den Abbruch der gesamten Häusergruppe (Josephstraße 10–18) und fordern den Bau von 33 Sozialwohnungen.[3] Mit einer Demonstration untermauerten sie ihre Forderung.[4] Der Mieterverein zu Hamburg unterstützt den Bau von öffentlich geförderten Wohnungen in der Josephstraße.[5] Auf dem gesamten, rund 3.000 m² großen Grundstück sollen in der Folge 66 Wohnungen (davon 33 Sozialwohnung)in viergeschossiger Bauweise mit Staffelgeschoss entstehen, weiterhin eine Tiefgarage mit 27 Plätzen. Die rot-grüne Koalition im Bezirk will die ab 1899 gebauten Arbeiterwohnungen hingegen erhalten und nur die übrige Fläche zur Bebauung freigeben. Ein Antrag auf Erhalt eines Bauvorbescheides wurde 2012 schon einmal abgelehnt.[1] In der Sitzung des Planungsausschusses der Bezirksversammlung Wandsbek am 14. April 2015[6] wurde mit den Stimmen der rot-grünen Mehrheit beschlossen, ein Verfahren zum Erlass einer Erhaltungsverordnung einzuleiten.[7] Nach dessen Abschluss beschloss die Bezirksversammlung in ihrer Sitzung am 25. Februar 2016[8] die "Städtebauliche Erhaltungsverordnung Wandsbek I"[9] zum Schutz des Gebiets, das den historischen Kern der früheren preußischen Stadt Wandsbek darstellt.[10] Der Denkmalgutachter Geerd Dahms hält diese städtebauliche Erhaltungsverordnung für historisch nicht haltbar, da der "Gebietscharakter hauptsächlich in der Heterogenität der Bebauung über einen Zeitraum von ca. 100 Jahren (besteht)" (Gutachten S. 5). Der historische Kern Wandsbeks liege außerdem wesentlich weiter westlich. [11] Die WHW von 1897 eG bot dennoch mit Unterstützung des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V. (vnw) dem Bezirk einen Kompromiss an, wonach die baufälligen Hinterhäuser entkernt und als Multiparksystem genutzt und somit im äußeren Erscheinungsbild hätten erhalten werden können.[12] Dieser wurde vom Bezirk nicht umgesetzt, so dass das Wandsbeker Wohnungsunternehmen Klage beim Oberverwaltungsgericht eingereicht hat. Eine Gerichtsentscheidung über den Normenkontrollantrag steht aus.[13]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Wandsbeks letzte Terrassenhäuser vor dem Abriss abendblatt.de vom 16. März 2015. Abgerufen am 19. August 2015
  2. Gutachten (.pdf)
  3. http://www.bild.de/regional/hamburg/hamburger-buergerschaft/spd-stoppt-wohnungsbau-in-wandsbek-40173138.bild.html
  4. http://www.hamburger-wochenblatt.de/wandsbek/lokales/demo-fuer-den-abriss-d23324.html
  5. https://www.mieterverein-hamburg.de/export/sites/default/.content/dokumente/mieterjournal/mieterjournal-2016-1.pdf
  6. Sitzungskalender der Bezirksversammlung Wandsbek: April 2015 Bürgerinformationssystem der Bezirksversammlung Wandsbek. Abgerufen am 19. August 2015
  7. Josephterrassen: Abrissantrag fürs Erste vom Tisch abendblatt.de vom 17. April 2015. Abgerufen am 19. August 2015
  8. Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek vom 25. Februar 2016, TOP 9.05 sitzungsdienst-wandsbek.hamburg.de, abgerufen am 6. April 2016.
  9. Städtebauliche Erhaltungsverordnung Wandsbek I sitzungsdienst-wandsbek.hamburg.de, abgerufen am 6. April 2016.
  10. Ein geschichtsträchtiges Gebiet wurde bewahrt Wandsbek informativ, April 2016, S. 4. Abgerufen am 16. April 2016.
  11. http://www.whw1897.de/media/pdf/gutachterliche_stellungnahme.pdf
  12. https://www.vnw.de/presse/presseinformationen/neubauten-in-wandsbek-richtfest-hier-kompromiss-dort/
  13. http://www.bild.de/regional/hamburg/hamburg/genossenschaft-verklagt-stadt-auf-sozialwohnungen-49271792.bild.html

Koordinaten: 53° 34′ 25,4″ N, 10° 4′ 44,7″ O