Theophil Studer

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Theophil Studer

Theophil Rudolf Studer (referenziert auch als Théophile; * 27. November 1845 in Bern; † 12. Februar 1922 ebenda, heimatberechtigt ebenda) war ein Schweizer Mediziner und Zoologe, der vielfältige Forschungen auf den Gebieten der vergleichenden Anatomie, Zoologie, Paläontologie und Kynologie betrieb.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theophil Rudolf Studer wurde am 27. November als Sohn des Theologieprofessors Gottlieb Ludwig Studer und dessen zweiter Frau Charlotte Studer (geborene Schübler, 1815–1886) geboren.[1][2] Er studierte ab 1865 an der Universität Bern Medizin, 1870 legte er dort sein medizinisches Staatsexamen ab. Anschließend ging er nach Leipzig und studierte Zoologie bei Rudolf Leuckart. Sein Onkel Bernhard Studer, der erste Alpengeologe, förderte sein wissenschaftliches Interesse.[3]

1870/71 war er im Deutsch-Französischen Krieg als Freiwilliger in einem sächsischen Garde-Grenadier-Regiment Truppenarzt in Frankreich. 1871 kehrte er nach Bern zurück.[3] 1873 beendete er seine Studien und promovierte mit einer Arbeit über die Entwicklung der Vogelfeder zum Doktor der Medizin.[4] Im Jahr 1871 wurde er Mitglied der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft, deren Jahrespräsident er 1896 war.[5][6] Ebenfalls ab 1871 war er am Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern angestellt, von 1872 bis 1878 als nebenamtlicher Konservator und danach bis zu seinem Tod 1922 als Direktor der zoologischen Sammlungen des Museums. In ersterer Funktion nahm er als Photograph, Arzt und Zoologe von 1874 bis 1876 an der Weltumsegelung des deutschen Forschungsschiffs Gazelle teil.[4] Nach seiner Rückkehr in die Schweiz war er ab 1876 Professor für Vergleichende Anatomie an der Berner Tierarzneischule (ab 1900 Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Bern), ab 1879 Ordinarius für Zoologie, allgemeine Naturgeschichte und vergleichende Anatomie, 1884–1885 und 1908–1909 war er dort Dekan sowie 1891–1892 Rektor der Universität.[3][7]

Als Konservator der zoologischen Sammlungen des Naturhistorischen Museums war Studer auch Mitglied der Museumskommission und fungierte von 1911 bis zu seinem Tod als deren Präsident. Er betrieb unter anderem Forschungen zu Paläontologie und Ornithologie; er war Initiant und Mitherausgeber der Katalogs der schweizerischen Vögel.[8] Sein Hauptinteresse galt jedoch der Kynologie: Seine Forschungen zur Abstammung und Domestikation des Hundes führten unter anderem zu einer lange Zeit akzeptierten Urrassetheorie. Auf ihn geht auch die kynologische Sammlung der Albert-Heim-Stiftung des Naturhistorischen Museums zurück, die heute mehr als 2500 Hundeschädel umfasst.

Ein Karrierehöhepunkt für Studer war das Präsidium über den VI. Internationalen Zoologenkongress von 1904 in Bern.[9]

Nachdem Studer sich im Frühjahr 1921 von der Lehrtätigkeit zurückgezogen hatte, starb er am Morgen des 12. Februar 1922 nach kurzer, schwerer Krankheit. Theophil Studer war seit 1880 mit Henriette Kappeler verheiratet, die ihn auf manchen Reisen begleitete und ihn unterstützte. 1916 starb sie, ihre Ehe blieb kinderlos.[3]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studer wurde 1901 Ehrendoktor der Universität Lausanne und 1916 Ehrendoktor der Universität Genf.[10] Er war ausserdem Ehrenpräsident der Schweizerischen Zoologischen Gesellschaft.[11]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • F. Baumann, H. Bloesch: Prof. Dr. Theophil Studer. 1845–1922. In: Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft. 103. Jahresversammlung vom 24. bis 27. August 1922 in Bern. Kommissionsverlag H. R. Sauerländer & Cie, Aarau 1922, Anhang. Nekrologe verstorbener Mitglieder, S. 50–67 (online auf archive.org [abgerufen am 16. September 2012] mit Publikationsliste, mit Bild).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Theophil Studer – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Personeneintrag Studer, Charlotte (1815-1886) im Online-Archivkatalog der Bibliothek der Burgergemeinde Bern
  2. Katalogeintrag im Online-Archivkatalog der Burgerbibliothek Bern mit dem Verzeichnis des Briefwechsels von Th. Studers Frau Henriette mit ihrer Schwiegermutter Charlotte Studer-Schübler
  3. a b c d Nekrolog. Verh. S. N. G. 1922 (s. Literatur)
  4. a b Rolf Riekher: Der Meister und die Fernrohre: Das Wechselspiel zwischen Astronomie und Optik in der Geschichte: Festschrift zum 85. Geburtstag von Rolf Riekher. Harri Deutsch, 2007, Theophil Studer, S. 363 (online).
  5. B. Verstorbene Mitglieder pro 1921/22. 2. Mitglieder (29). In: Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft. 103. Jahresversammlung vom 24. bis 27. August 1922 in Bern. Kommissionsverlag H. R. Sauerländer & Cie, Aarau 1922, Personalverhältnisse der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft, S. 137 (online auf archive.org [abgerufen am 16. September 2012]).
  6. H. Strasser: Eröffnungsrede des Jahrespräsidenten und Hauptvorträge. In: Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft. 103. Jahresversammlung vom 24. bis 27. August 1922 in Bern. Kommissionsverlag H. R. Sauerländer & Cie, Aarau 1922, II. Teil. Eröffnungsrede des Jahrespräsidenten und, S. 17 (online auf archive.org [abgerufen am 16. September 2012]).
  7. Universitätsarchiv der Universität Bern: Rektoren Rektoren 1834 bis heute
  8. V. Vatio, Th. Studer: Catalogue des Oiseaux de la Suisse - 1: Rapaces diurnes 1. Auflage, Genf und Bern 1889. Online auf archive.org
  9. Anonym (1905): Compte-rendu des séances du sixième Congrès international de zoologie, tenu à Berne du 14 au 16 août 1904, OCLC 10503186
  10. Katalogeintrag im Online-Archivkatalog der Burgerbibliothek Bern mit dem Verzeichnis von „Zwei Schreiben betreffend die Verleihung des Ehrendoktors durch die Universität Genf, 20. Dezember 1916“
  11. K. Hescheler: Schweizerische Zoologische Gesellschaft. Bericht für das Jahr 1921/22. In: Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft. 103. Jahresversammlung vom 24. bis 27. August 1922 in Bern. Kommissionsverlag H. R. Sauerländer & Cie, Aarau 1922, I. Teil, S. 101–102 (online auf archive.org [abgerufen am 16. September 2012]).