Tierquälerei

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Darstellung von Tierquälerei auf einer Briefmarke von 1972

Tierquälerei ist das Quälen, Misshandeln oder unnötige Töten von Tieren. Der Begriff bezeichnet damit zwei unterschiedliche Sachverhalte; zum einen die umgangssprachliche Benennung eines Straftatbestands, zum anderen ein psychologisches Phänomen.

Straftatbestand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tierquälerei ist in Deutschland strafbar. Näheres regelt das Tierschutzgesetz.

Als Tierquälerei wird dabei die in § 17 Tierschutzgesetz (TierSchG) beschriebene Straftat bezeichnet. Danach wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder einem Wirbeltier entweder aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.

Handelt es sich dabei um ein fremdes Tier, so kann die Tat außerdem als Sachbeschädigung (§ 303 Strafgesetzbuch) strafbar sein, wobei Tierschützer erfolglos gegen diese Begrifflichkeit protestiert haben.

§ 2 Tierschutzgesetz definiert die Anforderungen an den Tierhalter. Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

  • muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
  • darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
  • muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tatbestand der Tierquälerei ist im Bundesgesetz über den Schutz der Tiere aus dem Jahr 2005 (Bundestierschutzgesetz) § 5 formuliert. Der Absatz 1 lautet: „Es ist verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen.“[1] In Absatz 2 sind einzelne Tatbestände aufgeführt. Dazu gehören beispielsweise Qualzucht, Zucht auf Aggressivität, der Einsatz von Hilfsmitteln zur Verhaltensbeeinflussung durch Strafreize oder eine Unterbringung, die für das Tier mit Leiden verbunden ist.

Tierquälerei ist in Österreich gemäß § 222 StGB strafbar.[2] Das Strafmaß beträgt bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tierquälerei wird durch Art. 26 ff des schweizerischen Tierschutzgesetzes (TSchG) unter Strafe gestellt.

Medizin und Psychologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tierquälerei als Symptom einer Störung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tierquälerei wird in der ICD 10 als Symptom der Störung des Sozialverhaltens (F91) beschrieben. Tierquälerei ist bei Gewalttätern häufig bereits im Kindes- und Jugendalter zu beobachten. Eine Abgrenzung ist schwierig, da bei Kindern und Jugendlichen solches Verhalten nicht ungewöhnlich ist.[3] Ebenso besteht ein Zusammenhang zwischen Gewalt gegen Tiere und zwischenmenschlicher Gewalt.[4]

Psychoanalytiker werten Tierquälerei als Abwehrmechanismus in Form einer „Verschiebung“.[5] Das Tier verkörpere dabei die Rolle eines Prügelknaben. Häufig würden ehemalige Opfer zu Tätern, die im Akt der Quälerei ihre subjektiv in der Vergangenheit erlebten Qualen am Objekt, dem Tier, reinszenierten und dabei kurzzeitig einen Abbau ihrer aufgestauten inneren Aggressionsspannung erlebten.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Tierquälerei – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundesgesetz über den Schutz der Tiere
  2. Strafgesetzbuch § 222
  3. Hans-Christoph Steinhausen (Hrsg.): Schule und psychische Störungen. W. Kohlhammer Verlag, 2006, S. 237.
  4. Frank R. Ascione: The International Handbook of Animal Abuse and Cruelty: Theory, Research, and Application. (Neuauflage) Purdue University Press, 2010, ISBN 9781557535658.
  5. Borwin Bandelow: Kurzlehrbuch Psychiatrie. Springer Verlag, Berlin 2013, S. 163, ISBN 978-3-642-29894-3.
  6. siehe dazu: Wiederholungszwang nach Sigmund Freud.
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