Tilman Nagel

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Tilman Nagel (* 19. April 1942 in Cottbus) ist ein deutscher Orientalist und Islamwissenschaftler. Seit 1989 ist er ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

Nagel studierte an der Universität Bonn Islamwissenschaft, Vergleichende Religionswissenschaft und Zentralasienkunde. Nach Doktorat 1967 und Habilitation (Erteilung der Venia legendi) 1971 war er bis 1981 am Seminar für Orientalische Sprachen an der Universität Bonn tätig. Danach lehrte und forschte er von 1981 bis 2007 als Professor für Arabistik und Islamwissenschaft an der Universität Göttingen und wurde zum Ende des Sommersemesters 2007 emeritiert. Seinen Abschlussvortrag hielt er über das Bildungswesen in der mittelalterlichen Welt des Islam: Die Medresse oder der Preis des vollkommenen Wissens. Auf dem Lehrstuhl folgte ihm 2008 Sebastian Günther.

Nagel hat wichtige Standardwerke der Islamwissenschaft verfasst. Sein summum opus ist die im Jahre 2008 erschienene, über 1000 Seiten umfassende Biographie Mohammeds. Dem Autor kommt es darin seinen eigenen Worten nach „nicht auf eine Abbildung der muslimischen Biographie Mohammeds an, sondern auf die geschichtswissenschaftliche Erfassung seiner Gestalt und seines Wirkens vor dem Hintergrund der spätantiken vorderasiatischen Ereignis-, Gesellschafts- und Religionsgeschichte sowie auf die Schilderung der Genese und Weiterentwicklung des muslimischen Mohammedglaubens“.[1]

Im gleichen Jahr veröffentlichte Nagel sein Buch „Allahs Liebling“, in dem er den Versuch unternahm, einen Überblick über die Geschichte der muslimischen Mohammedverehrung zu geben. Der Titel spielt auf einen überlieferten Ausspruch Mohammeds an, der bei Ibn al-Dschauzī (1116-1201) so wiedergegeben wird: „Allah nahm Abraham zu seinem Freund, mit Mose hielt er Zwiesprache. Mich aber erwählte er zu seinem Liebling!“ Hieraufhin schwor Allāh: „Bei meiner Macht! Ich ziehe ganz gewiss meinen Liebling dem Freund und dem Vertrauten vor!“[2]

Nagel ist für islamkritische Analysen und Wortmeldungen bekannt.[3] Er ist Mitglied der Freimaurerloge Augusta zum goldenen Zirkel in Göttingen, der er zeitweise als Meister vom Stuhl vorstand.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander der Große in der frühislamischen Volksliteratur (= Beiträge zur Sprach- und Kulturgeschichte des Orients, Band 28). Verlag für Orientkunde, Walldorf 1978, ISBN 978-3-936687-28-6.
  • Staat und Glaubensgemeinschaft im Islam, Bd. 1. Von den Anfängen bis ins 13. Jahrhundert, Artemis, Zürich 1981.
  • Staat und Glaubensgemeinschaft im Islam, Bd. 2. Vom Spätmittelalter bis zur Neuzeit, Artemis, Zürich 1981 ISBN 3-7608-4531-2
  • Der Koran: Einführung, Texte, Erläuterungen. Beck, München 1983. 4., unveränderte Auflage, 2002, ISBN 3-406-43886-5
  • Die Festung des Glaubens. Triumph und Scheitern des islamischen Rationalismus im 11. Jh. Beck, München 1988 ISBN 3-406-33280-3
  • Timur der Eroberer und die islamische Welt des späten Mittelalters. Beck, München 1993 ISBN 3-406-37171-X
  • Geschichte der islamischen Theologie. Beck, München 1994, ISBN 3-406-37981-8
  • Die islamische Welt bis 1500. München 1998 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte 24), ISBN 978-3-486-53011-7
  • Das islamische Recht. Eine Einführung, WVA-Verlag, Westhofen 2001 ISBN 978-3-936136-00-5
  • Islam – Die Heilsbotschaft des Korans und ihre Konsequenzen, WVA-Verlag, Westhofen 2001 ISBN 978-3-936136-01-2
  • Im Offenkundigen das Verborgene. Die Heilszusage des sunnitischen Islams, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002
  • Allahs Liebling: Ursprung und Erscheinungsformen des Mohammedglaubens, Oldenbourg, München 2008, ISBN 978-3-486-58535-3
  • Mohammed – Leben und Legende, Oldenbourg-Verlag 2008, ISBN 978-3-486-58534-6
  • Mohammed – 20 Kapitel über den Propheten der Muslime, 2010. ISBN 978-3-486-59705-9
  • Der Koran und sein religiöses und kulturelles Umfeld, 2010. ISBN 978-3-486-59052-4
  • Angst vor Allah? Auseinandersetzungen mit dem Islam, Duncker & Humblot 2014, ISBN 978-3-428-14373-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Primärtexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aus der Selbstanzeige auf der Homepage des Verlags.
  2. Nagel: Allahs Liebling. 2008, S. 202.
  3. Vgl. Kann es einen säkularisierten Islam geben? (2001; PDF; 742 kB), Islamwissenschaftler Tilman Nagel: „Islamophobie zulassen“ (2009), forumamfreitag.zdf.de; Eifrig Mission treiben und abwarten. Rezension von Hans-Peter Raddatz: Von Gott zu Allah? Christentum und Islam in der liberalen Fortschrittsgesellschaft; in: Junge Freiheit vom 13. Juli 2001.