Timotheus Ritzsch

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Einkommende Zeitungen 1650, Nr. 9

Timotheus Ritzsch (* 24. Januar 1614 in Leipzig; † 1. Februar 1678 ebenda) war ein Leipziger Buchdrucker und Buchhändler, er gilt als Herausgeber und Drucker der ersten Tageszeitung, der Einkommenden Zeitungen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Timotheus Ritzsch war der Sohn des Leipziger Buchdruckers und Barockdichters Gregor Ritzsch. Nach einer Ausbildung in Sprachen und gelehrten Wissenschaften absolvierte er eine Buchdruckerlehre bei seinem Vater und ging anschließend auf eine dreijährige Wanderschaft, von der er 1636 nach Leipzig zurückkehrte. Zwei Jahre später heirate er Sabina Hildebrand und übernahm die Druckerei seines Vaters, die sich auf dem heutigen Areal von Oelßners Hof, Ritterstraße 25 befand. 1638 entstand auch der erste nachweisbare Druck von Ritzsch, eine Gelegenheitsschrift von Johann Olberzahn zur Vermählung von Michael und Elisabeth Laube, geb. Rüssel [von Ryssel].[1] Zuerst als Lohndrucker für Gelegenheitsschriften in Kleinstauflagen spezialisiert, erweiterte Ritzsch im Laufe der nächsten Jahre seine Tätigkeit und trat auch als eigenständiger Verleger auf. Neben zeitgenössisch populären Schriften religiösen Inhalts veröffentlichte er ab 1648 auch Bücher zu politischen und wissenschaftlichen Themen.

Die Größe seiner Druckerei entsprach dem damaligen Durchschnitt, im Jahr 1644 arbeitet Ritzsch zusammen mit zwei Gesellen, was vermuten lässt, dass die Werkstätte über maximal zwei Pressen verfügte.

Während des Dreißigjährigen Krieges druckte und vertrieb Ritzsch ab April 1643 in Leipzig die unter schwedischer Kontrolle erschienene Wöchentliche Zeitung, die ab 1644 vier bis fünf Mal in der Woche erschien, aber noch keine Tageszeitung im heutigen Sinne darstellt. Diesen Sprung vollzog Ritzsch erst ab 1650, indem er sein Blatt, das er nunmehr Einkommende Zeitungen nannte, regelmäßig sechs Mal in der Woche erscheinen ließ. Ein Jahr zuvor erhielt er von der kursächsischen Regierung das Privileg "über die gewöhnlichen wöchentlichen Ein- und Außlendischen Ordinar-Zeitungen zu drucken und zu verkauffen". Ab 1660 erschien die Zeitung unter dem Titel Neu-einlauffende Nachricht von Kriegs- und Welt-Händeln, später weitergeführt und im Jahr 1918 eingestellt unter dem Namen Leipziger Zeitung.

Timotheus Ritzsch trat auch als Übersetzer und Dichter auf.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Schottenloher: Flugblatt und Zeitung. Ein Wegweiser durch das gedruckte Tagesschrifttum. Band 1: Von den Anfängen bis 1848. Schmidt, Berlin 1922. Neu herausgegeben, eingeleitet und ergänzt von Johannes Binkowski. München, Klinkhardt und Biermann 1985, ISBN 3-781-40228-2.
  • Arnulf Kutsch und Johannes Weber: 350 Jahre Tageszeitung, Forschungen und Dokumente. Bremen 2002, ISBN 3-934686-06-0.
  • Mark Lehmstedt: Die erste Tageszeitung der Welt. In: Leipziger Blätter. 2000, Nr. 37, ISSN 0943-0547, S. 52–54.
  • Jürgen Schlimper: „Zeitung drucken ist ein wichtiges werck“. Zu den Wurzeln der Leipziger Zeitungen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. In: Zeitung drucken ist ein wichtiges werck. 350 Jahre Tagespresse in Leipzig (Leipziger Kalender. Sonderband 2000,3), Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2000, ISBN 3-934565-61-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag des Drucks im VD 17 (Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts) (letzter Zugriff: 4. Juni 2014).