Tramp

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Dieser Artikel befasst sich mit der Sozialfigur namens Tramp. Für weitere Bedeutungen dieses Wortes siehe Tramp (Begriffsklärung).
Eine romantisierende Darstellung eines Tramps in den Vereinigten Staaten 1899.

Der Tramp [Aussprache trɛmp] ist eine US-amerikanische Sozialfigur, die verwandt ist mit dem Hobo. Der Duden definiert den Begriff als „Landstreicher, umherziehender Gelegenheitsarbeiter, besonders in Nordamerika“.[1]

Wortgeschichte und Bedeutungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Tramp stand früher für Wanderarbeiter oder Tagelöhner, der Ausdruck „to tramp“ bedeutete zunächst im Englischen so viel wie „wandern“. Der Wort wurde vom Mittelniederdeutschen trampen ausgehend substantiviert, stammt ursprünglich vom protogermanischen *tremp-[2] und ist im heutigen Deutsch noch mit trampeln verwandt.[3] Als Tramp wurde im Englischen seit den 1660er Jahren eine dauerhaft wandernde Person (Vagabund, Vagrant) bezeichnet; seit 1786 in der Bedeutung „langer mühsamer Fußmarsch“.[2] Insbesondere im amerikanischen Bürgerkrieg [4], den Hungerjahren der 1840er Jahre in Nordeuropa wie der großen Hungersnot in Irland, die einen Emigrationsschub nach Nordamerika auslösten[5] und zuletzt in der Großen Depression der 1930er Jahre fand der Begriff weitere Popularität.

Im Verständnis des beginnenden 20. Jahrhunderts sucht ein Tramp im Gegensatz zum Hobo aber meist keine feste Anstellung, sondern nur Gelegenheitsjobs. So wird von Gerd Stein unter Bezugnahme auf Robert Michels formuliert: „Im Gegensatz zu der verwandten Figur des Hobo ist der Tramp so definiert worden, daß er nicht wie jener wandert und arbeitet, sondern daß er wandert und träumt.“[6] Künstlerisch fand die Figur zunächst im Vaudeville der Vereinigten Staaten Verwendung. Die wohl berühmteste fiktive Figur wurde von Charlie Chaplin („The tramp“) verkörpert, der in seinen Filmen oft das Leben eines Tramps schilderte; zunächst auch noch schurkisch jenseits ethischer Bindungen agierend, später als Narrenfigur und zunehmend romantisch-humanitären Idealen verpflichtend, jedoch immer als Opfer des ihm umgebenden Sozialsystems.[7] Literarisch wird die Sozialfigur etwa autobiografisch von William Henry Davies in Supertramp. Autobiographie eines Vagabunden thematisiert. In den 1960er Jahren berief sich die Musikgruppe Supertramp in ihrem Bandnamen auf dieses Werk.[8]

Im sexuellen Kontext bezeichnet das Wort im Englischen seit 1922 auch promiskuitive Frauen.[2] So wurde der Begriff diesbezüglich ambivalent-ironisch etwa von Rodgers und Hart im Songtitel The Lady Is a Tramp des Musicals Babes in Arms aufgegriffen.[9]

Die heutige Bedeutung im Deutschen Tramper (substantiviert vom Verb trampen) ist zwar von trampen ‘wandern’ abgeleitet, bezeichnet aber seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch ‘beim Wandern ein Auto anhalten und um Mitfahrt bitten’, speziell auch ‘per Autostop, per Anhalter reisen’ und wurde in dieser Form seit den 1950er Jahren etabliert; ausgehend von Tramp in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.[10] Diese Begriffsetablierung gilt heute häufig als sogenannter „falscher Freund“, da diese Bedeutung nur im Deutschen existiert (vgl. Scheinanglizismus) und eher mit hitchhiker übersetzt werden sollte.[11][12]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Tramp – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tramp, der, duden.de, abgerufen am 13. November 2016
  2. a b c Tramp, Online Etymology Dictionary, abgerufen am 12. November 2016
  3. trampen in duden.de, abgerufen am 13. November 2016
  4. Todd DePastino (2005). Citizen Hobo: How a Century of Homelessness Shaped America. Chicago University Press. pp. 1–48. ISBN 0226143791.
  5. Burnett, J., Idle Hands: The Experience of Unemployment, 1790-1990, Routledge, 2002, p.128.
  6. Gerd Stein: Vorwort. In: Bohemien – Tramp – Sponti. Boheme und Alternativkultur. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1982, S. 10–17, hier S. 15 (mit Bezug auf den Soziologen Robert Michels).
  7. Johannes Schmitt: Charlie Chaplin – eine dramaturgische Studie, LIT-Verlag Münster 2006, S. 47; online in Google Bücher
  8. The Difference Between Hobos, Tramps And Bums, Knowledge Nuts vom 26. November 2014, abgerufen am 14. November 2016 (englisch)
  9. Gary Marmorstein, A Ship Without A Sail: The Life of Lorenz Hart, Simon and Schuster, 2013, p.298>
  10. Tramper im DWDS, abgerufen am 21. November 2016
  11. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, S. 735 online in Google Bücher
  12. False Friends - In diese Sprach-Fettnäpfchen tappen Deutsche gern, Welt.de vom 14. November 2013