Hobo

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Hobos in Chicago, 1929

Ein Hobo gehört zu einer Gruppe nordamerikanischer Obdachloser, die auf Schwarzfahren mit der Eisenbahn – insbesondere auf Güterzügen – setzen, um durchs Land zu reisen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hobos kamen nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg auf, als zum einen das Eisenbahnnetz einen entsprechenden Entwicklungsstand erreicht hatte, zum anderen viele durch den Krieg entwurzelte Männer Probleme hatten, sich wieder in die Zivilgesellschaft zu integrieren.[1] Die Blütezeit der Hobos war das späte 19. und das frühe 20. Jahrhundert. In wirtschaftlichen Krisenzeiten, besonders zur Zeit der Großen Depression nahm ihre Zahl stark zu. Es sollen zeitweise über 2 Millionen gewesen sein. Der letzte größere Schub entstand durch Rückkehrer aus dem Vietnamkrieg und die Kürzung der Sozialleistungen am Ende des 20. Jahrhunderts. Damals sollen etwa 30.000 Hobos unterwegs gewesen sein.[2]

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herkunft des Wortes ist ungeklärt. Es gibt verschiedene, nicht verifizierte Theorien dazu. Laut dem Etymologen Anatoly Liberman ist nur gesichert, dass das Wort zum ersten Mal um ca. 1890 aufgegriffen wurde.[3] Der Autor Todd DePastino hält manchmal anzutreffende Herleitungen von „hoe-boy“, englisch für Farmhelfer, oder dem Gruß „Ho, boy“ für nicht überzeugend.[4]

Selbstverständnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hobos haben einen eigenen Verhaltenskodex, zu dem unter anderem zählt(e), niemals eine Fahrkarte zu kaufen. Untereinander werden Informationen ausgetauscht, wo und wie man sich am besten durchs Leben schlägt. Sie selbst verstehen sich als eigene gesellschaftliche Gruppe.[5]

Berühmte Hobos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer heute noch bekannten Ballade wird der Wanderarbeiter und Arbeiterführer Joe Hill (1879–1915) besungen. Ein weiterer, später berühmt gewordener Hobo war der Schriftsteller Jack London, der 1893–1894 große Teile der Vereinigten Staaten und Kanadas bereiste. Ein weiterer berühmter ehemaliger Hobo ist der US-amerikanische Bluesmusiker Seasick Steve, dessen Lieder sich häufig mit seiner Hobo-Zeit befassen. Auch Elmore James war eine kurze Zeit seines Lebens als Hobo unterwegs. Der Avantgarde-Musiker Harry Partch lebte ebenfalls fast zehn Jahre als Hobo und verfasste darüber 1943 sein Werk U.S. Highball – A Musical Account of Slim's Transcontinental Hobo Trip. Ein weiterer bekannter Hobo ist der Country-Musiker Boxcar Willie. Goebel Reeves lebte viele Jahre als Hobo und wurde vor allem durch sein Hobo's Lullaby bekannt. Der Autor und ehemalige Berufseinbrecher Jack Black (1868–1933) war ebenfalls ein Hobo, und auch Jacque Fresco (1916–2017) war um 1930 als Hobo unterwegs.

Hobos in der Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hobos sind Thema etlicher Spielfilme und der Musik:

In Britt (Iowa) gibt es den einzigen Hobo-Friedhof und ein Hobo-Museum.

Es gibt eine eigene Zeitschrift, Hobo Times[6] (siehe: Weblinks).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nels Anderson: The Hobo. The Sociology of the Homeless Man University of Chicago Press. Chicago IL 1923.
  • William Henry Davies: The Autobiography of a Super-Tramp Preface George Bernard Shaw. Jonathan Cape, London 1908 (Nachdruck. Kessinger, Kila MT 2005, ISBN 0-7661-4674-X; in deutscher Sprache: Supertramp. Autobiographie eines Vagabunden. Aus dem Engl. Ursula von Wiese. Manesse, Zürich 1985 ISBN 3-7175-1686-8).
  • Jgnaz Civelli-Battal: …und wer Hobo ist, der ist ein König. In ihrer Blütezeit waren zwei Millionen Eisenbahntramps in Amerika unterwegs. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 85, 1996, 11. April 1996, S. R5.
  • Fredy Gareis: König der Hobos: Unterwegs mit den Vagabunden Amerikas. Malik 2018, ISBN 3-89029-482-0.
  • Peter Hiess, Christian Lunzer: Vagabunden der Schiene. Exkurs: Hobos – Die Eisenbahntramps von Amerika. In: Peter Hiess, Christian Lunzer: Mord-Express. Die größten Verbrechen in der Geschichte der Eisenbahn. Deuticke, Himberg 2000. ISBN 3-216-30550-3, S. 250–257.
  • Peter Hiess, Christian Lunzer: Fuck The Reagan Administration. Hobos, die FTRA und der „Boxcar Murderer“. In: Peter Hiess, Christian Lunzer: Mord-Express. Die größten Verbrechen in der Geschichte der Eisenbahn. Deuticke, Himberg 2000. ISBN 3-216-30550-3, S. 258–271.
  • Jack London: Abenteurer des Schienenstranges dtv 948. Ungekürzt, 8. Auflage, Deutscher Taschenbuchverlag, München 1984, ISBN 3-423-00948-9.
  • Hanna Meuter: Die Heimlosigkeit. Ihre Einwirkungen auf Verhalten und Gruppenbildung der Menschen Diss. phil. Köln 1924 (Auszug in: Jahrbuch der Philosophischen Fakultät, Köln 1923/1924); Gustav Fischer, Jena 1925; Vorwort Leopold von Wiese.
  • Michael Schulte: Wo immer ich bin, ist nirgendwo. Oesch Verlag Kontrapunkt. Zürich 2005 ISBN 3-0350-2012-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hobo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Hobo – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hiess, Lunzer: Vagabunden, S. 253; dies.: Fuck The Reagan Administration, S. 259.
  2. Hiess, Lunzer: Fuck The Reagan Administration, S. 259.
  3. "On Hobos, Hautboys, and Other Beaus". OUPblog. Oxford University Press. 12. November 2008. Abgerufen am 5. August 2009.
  4. Interview with Todd DePastino, author of Citizen Hobo: How a Century of Homelessness Shaped America from the University of Chicago Press website
  5. Hiess, Lunzer: Fuck The Reagan Administration, S. 259.
  6. Hiess, Lunzer: Fuck The Reagan Administration, S. 259.