Trastuzumab

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Trastuzumab
Masse/Länge Primärstruktur 145,5 kDa
Bezeichner
Externe IDs
Arzneistoffangaben
ATC-Code L01XC03
DrugBank DB00072
Wirkstoffklasse Zytostatikum, Monoklonaler Antikörper

Trastuzumab (Handelsname Herceptin®, Hersteller Roche) ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der als Arzneistoff bei bestimmten Formen des Brustkrebses und des Magenkrebses verwendet wird.

Trastuzumab bindet an den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor HER2/neu (Humaner Epidermaler Wachstumsfaktor Rezeptor) auf der Zelloberfläche von Krebszellen, wodurch deren Wachstum gehemmt wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trastuzumab wurde 1998 in den USA und 2000 in der Europäischen Union für Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs mit einer Überexpression an ERBB2 (HER2/neu) zugelassen. Solch eine vermehrte Ausbildung von HER2/neu tritt bei etwa jeder vierten Brustkrebspatientin auf. An der Entwicklung von Trastuzumab war neben anderen auch Dennis J. Slamon und Axel Ullrich, zu dieser Zeit als Grundlagenforscher in der Biotech-Firma Genentech tätig, maßgeblich beteiligt. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Trastuzumab auch bei adjuvanter Gabe, d. h. bei Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs, bei denen keine Metastasen bestehen, die Rückfallgefahr deutlich herabsetzt. Seit Mai 2006 ist der Einsatz für diese Indikation in Europa zugelassen.

Im Januar 2010 wurde die Zulassung auf die Behandlung von metastasiertem HER2-positiven Magenkrebs erweitert, wobei Trastuzumab in Kombination mit Capecitabin oder 5-Fluoruracil und Cisplatin verabreicht wird. Der Überlebensvorteil unter Trastuzumabtherapie bestand allerdings nur in einigen Wochen. Angesichts der Kosten des Medikaments wird die Verwendung bei Magenkrebs kritisch gesehen.[1]

Slamons Leben und seine Bemühungen um die Erforschung des HER2/neu-Rezeptors und um die Möglichkeit der Behandlung mit Herceptin sind 2008 in dem Fernsehfilm Living proof mit Harry Connick junior in der Hauptrolle verfilmt worden.[2]

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Einleitung einer Trastuzumab-Therapie wird der HER2-Status aus einer Gewebeprobe im Labor bestimmt. Der Nachweis einer HER2-Überexpression ist zwingend vorgeschrieben. Die Therapie erfolgt in der Regel in Kombination mit anderen Medikamenten.

Wirkungsmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trastuzumab bindet von der Zellaußenseite her an den Wachstumsfaktor-Rezeptor HER2. Dadurch kommt es zur Hemmung der Tumorzellproliferation infolge von Apoptose bzw. von Antikörper-abhängiger Zerstörung der Tumorzellen durch das Immunsystem. Als Wirkungsmechanismen werden vor allem vier Mechanismen diskutiert: die Rekrutierung von Immunzellen, die Hemmung der intrazellulären Signalweiterleitung, die Hemmung der proteolytischen Spaltung von HER2 sowie die anti-angiogenetische Wirkung.

Neben dieser erwünschten Wirkung auf Krebszellen kann in weniger als 4 % der Fälle eine reversible Schädigung des Herzmuskels auftreten, deren Mechanismus noch ungeklärt ist. Daher wird die Herzfunktion bei Patientinnen, die für die Trastuzumab-Therapie in Frage kommen, sowohl vor Behandlungsstart als auch während der Behandlung stetig überprüft. Die Behandlung von Patienten mit einer Herzinsuffizienz muss sorgfältig abgewogen werden.

Verabreichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trastuzumab wird meist einmal wöchentlich als Infusion über 30 bis 90 Minuten verabreicht. Seit 2006 ist Trastuzumab auch zur dreiwöchentlichen Therapie zugelassen. Die Therapiedauer bei adjuvanter Gabe beträgt zwölf Monate; bei Patientinnen mit Metastasen wird die Therapie mindestens bis zum Wiederauftreten des Tumors fortgesetzt.

Trastuzumab kann jedoch auch in Kombination mit Pertuzumab und Docetaxel in der Therapie von HER2-positivem Brustkrebs verabreicht werden.

Trastuzumab Emtansin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit November 2013 ist das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trastuzumab Emtansin (Handelsname Kadcyla®) zur Behandlung von Patienten mit HER2-positivem (den humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor 2 überexprimierenden), inoperablem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs zugelassen.[3] Es enthält das Maytansinoid DM1, einen Mikrotubuli-Inhibitor, welches über einen Linker mit dem Antikörper verbunden ist.[4] Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bescheinigte dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat im April 2014 folgendes Urteil: Hinweis auf erheblichen Zusatznutzen.[5] In der KATHERINE-Studie wurde geprüft, ob Trastuzumab Emtansine (T-DM1) die Prognose von Her2-positivem Mammakarzinom verbessert, wenn nach einer neoadjuvanten (Behandlung vor der Operation) Therapie mit einem Taxan und Trastuzumab Tumorreste verblieben waren.[6] Es ist bekannt, dass Brustkrebspatienten, deren Tumor sich durch eine neoadjuvante Behandlung unzureichend zurückbildet, eine schlechte Prognose haben.[7] In dieser Phase-III-Studie konnte mit der postoperativen Gabe von 14 Zyklen T-DM1 das Risiko eines Tumorrezidivs oder eines Versterbens um 50 % gegenüber einer Therapie mit Trastuzumab gesenkt werden. Allerdings war die Rate an Nebenwirkungen, insbesondere Thrombopenie und Hypertonie unter T-DM1 höher als unter Trastuzumab.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Y. J. Bang, E. Van Cutsem, A. Feyereislova, H. C. Chung, L. Shen: Trastuzumab in combination with chemotherapy versus chemotherapy alone for treatment of HER2-positive advanced gastric or gastro-oesophageal junction cancer (ToGA): a phase 3, open-label, randomised controlled trial. In: The Lancet. 19. Aug 2010. PMID 20728210.
  2. Living Proof in der Internet Movie Database (englisch)
  3. Kadcyla - trastuzumab emtansine, Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR) und Produktinformation zu Kadcyla auf der Website der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA), abgerufen am 1. April 2014.
  4. ado-trastuzumab emtansine. Abgerufen am 21. März 2015.
  5. Trastuzumab Emtansin: Bei metastasiertem Brustkrebs mit Anthracyclin-Vorbehandlung Hinweis auf erheblichen Zusatznutzen, PM des IQWiG vom 1. April 2014, abgerufen am 1. April 2014.
  6. Gunter von Minckwitz, Chiun-Sheng Huang, Max S Mano, Sibylle Loibl, Eleftherios P Mamounas: Trastuzumab Emtansine for Residual Invasive HER2-Positive Breast Cancer. In: The New England Journal of Medicine. Band 380, Nr. 7, 2019, S. 617–628, doi:10.1056/NEJMoa1814017, PMID 30516102.
  7. Michael Untch, Peter A Fasching, Gottfried E Konecny, Stephan Hasmüller, Annette Lebeau: Pathologic complete response after neoadjuvant chemotherapy plus trastuzumab predicts favorable survival in human epidermal growth factor receptor 2-overexpressing breast cancer: results from the TECHNO trial of the AGO and GBG study groups. In: Journal of Clinical Oncology: Official Journal of the American Society of Clinical Oncology. Band 29, Nr. 25, 1. September 2011, S. 3351–3357, doi:10.1200/JCO.2010.31.4930, PMID 21788566.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M. Untch u. a.: Adjuvante Therapie mit Trastuzumab bei Mammakarzinompatientinnen. In: Dtsch Arztebl. 103(50), 2006, S. A-3406 / B-2961 / C-2841
  • G. A. Viani, S. L. Afonso, E. J. Stefano, L. I. De Fendi, F. V. Soares: Adjuvant trastuzumab in the treatment of her-2-positive early breast cancer: a meta-analysis of published randomized trials. Review. In: BMC Cancer. 7, 8. Aug 2007, S. 153. PMID 17686164, PMC 1959236 (freier Volltext)
  • Robert Bazell: Her-2: The Making of Herceptin, a Revolutionary Treatment for Breast Cancer, Random House 1998

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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