Trzciel

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Trzciel
Wappen von Trzciel
Trzciel (Polen)
Trzciel
Trzciel
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Międzyrzecz
Fläche: 3,03 km²
Geographische Lage: 52° 22′ N, 15° 53′ OKoordinaten: 52° 22′ 0″ N, 15° 53′ 0″ O
Einwohner: 2505
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 66-320
Telefonvorwahl: (+48) 95
Kfz-Kennzeichen: FMI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: BerlinPosen
Schienenweg: ZbąszyńMiędzychód
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Sołectwo
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 16 Ortschaften
Fläche: 258,44 km²
Einwohner: 6588
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 25 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0803063
Verwaltung (Stand: 2010)
Bürgermeister: Jarosław Kaczmarek
Adresse: ul. Poznańska 22
66-3204 Trzciel
Webpräsenz: www.trzciel.pl



Trzciel (deutsch Tirschtiegel) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Lebus, Powiat Międzyrzecki (Kreis Meseritz), mit etwa 2.000 Einwohnern. Sie ist zudem Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt an der Obra, etwa 25 Kilometer südöstlich der Stadt Meseritz (Międzyrzecz).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tirschtiegel an der Obra westlich der Stadt Posen und südöstlich der Stadt Meseritz auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
St.-Adalberts-Pfarrkirche

Erstmals erwähnt wurde der Ort im Jahre 1307. Er befand sich im Besitz der Glogauer Herzöge und wurde im Jahr 1319 Torstetel genannt.[2] Heinrich der Getreue trat ihn an den Brandenburger Markgrafen ab; da aber gleich darauf dessen Haus erlosch, blieb er nicht bei Brandenburg. Die Polen setzten sich in seinen Besitz, und der Ortsname wurde polonisiert.[2]

Vor 1394 erhielt Trzciel die Stadtrechte. Zuerst entwickelte sich die Stadt am rechten Obra-Ufer (Stary Trzciel), seit dem 18. Jahrhundert kam auf dem linken Ufer Nowy Trzciel (Neu-Tirschtiegel) dazu. Ursprünglich zum polnisch-litauischen Staat gehörig, fiel die Stadt mit der Zweiten Teilung Polens 1793 an Preußen. Die beiden Orte Alt-Tirschtiegel und Neu-Tirschtiegel wurden erst im Jahre 1888 miteinander vereinigt. Sie gehörten zum Kreis Meseritz, der in der Provinz Posen, ab 1920 in der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen lag. In der Neustadt hatten sich protestantische Glaubensflüchtlinge aus Schlesien angesiedelt. Bekannt war die Stadt für ihren Hopfenanbau und das Korbmacherhandwerk.

Infolge des Versailler Vertrags wurde die am östlichen Ortsrand von Tirschtiegel verlaufende Bahnlinie BentschenBirnbaum 1920 zur neu entstandenen polnischen Republik geschlagen. Die Grenze verlief im Raum Tirschtiegel ca. drei Meter westlich neben dem Bahnkörper. Damit blieb der Ort Tirschtiegel zum größeren Teil bei Deutschland, jedoch der Bahnhof, einige Vorwerke und ein Friedhof befanden sich in Polen. Die neue Grenze teilte auch ein Haus, dieses Motiv des „Hauses in zwei Ländern“ wurde in den 1920er Jahren auf Ansichtskarten gezeigt. Auf Grund dieser Grenzziehung wurde 1929 durch die Kleinbahn-AG Tirschtiegel-Dürrlettel eine Eisenbahnverbindung nach Westen hergestellt.[3]

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde in der Stadt ein Arbeitslager für Juden eingerichtet.

Im Sommer 1944 begann die Hitlerjugend unter Leitung der Wehrmacht auch im Raum Tirschtiegel die Anlage eines sehr umfangreichen Systems von Schützen- und Laufgräben zur Abwehr der erwarteten nächsten großen Offensive der Roten Armee. Insbesondere nördlich von Tirschtiegel im Bereich der Obra-Seenkette ist dieses Grabensystem heute noch erkennbar. Bei den Kämpfen im Januar 1945 fand dieses Grabensystem und die Obra zwar als sogenannter Tirschtiegel-Riegel im Wehrmachtbericht Erwähnung, jedoch hat es auf Grund von Schneeverwehungen und kaum vorhandenen Soldaten zu seiner Besetzung keinerlei militärische Bedeutung erlangt. Der Vorstoß der Roten Armee, die Tirschtiegel am Abend des 26. Januar 1945 mit einer Panzerbrigade erreichte,[4] ging über Tirschtiegel und den Tirschtiegel-Riegel in hoher Geschwindigkeit hinweg.

Nachdem die Stadt 1945 von der Roten Armee besetzt worden war, wurde sie kurze Zeit später unter polnische Verwaltung gestellt. Die deutschen Bewohner wurden anschließend unter Missachtung der Atlantik-Charta in mehreren Schüben von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben und durch Polen ersetzt.

Einwohnerzahlen vor 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1800: 1.711, davon 253 Juden[2]
  • 1837: 2.272[2]
  • 1861: 2.476[2]
  • 1890: 2.389, davon 1.365 Evangelische, 911 Katholiken und 113 Juden[5]
  • 1933: 2.080[5]
  • 1939: 2.220[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neugotische St.-Adalberts-Pfarrkirche (Kościół św. Wojciecha)
  • Bürgerhäuser
  • Im Zweiten Weltkrieg verwüsteter jüdischer Friedhof; die ehemalige Synagoge dient heute als Geräteschuppen der Feuerwehr.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Schriftstellerin Anna Louisa Karsch wuchs in dem Ort auf (1728–1732).
  • Herybert Menzel (gef. 1945 in Tirschtiegel), NS-Dichter
  • Lothar Müller-Nedebock (1929–1990), lutherischer Geistlicher, Präses der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Südlichen Afrika (Natal-Transvaal), in Tirschtiegel geboren
  • Heinrich Rau (1879–ca. 1960), sozialistischer Politiker, in Tirschtiegel geboren
  • Klaus Zachert (1942–2011), deutscher Politiker (SPD), in Tirschtiegel geboren

Gemeinde (Gmina Trzciel)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Trzciel gehören neben der Stadt Trzciel die Ortschaften (deutsche Namen bis 1945):

  • Bieleń (Weißensand)
  • Brójce (Brätz)
  • Chociszewo (Choczeschowo, Kutschkau)
  • Jasieniec (Eschenwalde)
  • Lutol Mokry (Naßlettel)
  • Lutol Suchy (Dürrlettel)
  • Łagowiec (Lagowitz)
  • Panowice (Panwitz, Mittelvorwerk)
  • Rybojady (Rybojadel, Hoffmannsthal)
  • Siercz (Schierzig)
  • Sierczynek (Schierzighauland)
  • Smolniki
  • Stary Dwór (Altenhof)
  • Świdwowiec (Birkenhorst)
  • Żydowo (Elisenfelde)

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 458–459.
  • Norbert Diering: Tirschtiegel in alten Ansichten. Europäische Bibliothek, Zaltbommel/Niederlande 1995, ISBN 90-288-6154-8 (Die Damals-Reihe).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Trzciel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b c d e Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 458–459.
  3. Siegfried Bufe: Eisenbahnen in Ostbrandenburg und Posen. Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham 1988, ISBN 3-922138-33-0.
  4. Tony Le Tissier: The Siege of Küstrin. Gateway to Berlin, 1945. Stackpole Books, Mechanicsburg (PA) 2011, S. 18 (eingeschränkte Vorschau)
  5. a b c http://www.verwaltungsgeschichte.de/meseritz.html