Tschechoslowakische Neue Welle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Tschechoslowakische Neue Welle (auch Tschechische Neue Welle) bezeichnet eine produktive Phase der Filmproduktion in der Tschechoslowakei der 1960er-Jahre. Die Liberalisierung des sozialistischen Regimes und die Aufhebung der Zensur erlaubte es Filmemachern, gesellschaftskritische Filme zu drehen. Mit der Niederschlagung des Prager Frühlings und der Politik der sogenannten Normalisierung endete die Neue Welle.

Ihre Vertreter sind die Regisseure Miloš Forman, Věra Chytilová, Ivan Passer, Jaroslav Papoušek, Antonín Máša, Pavel Juráček, Jiří Menzel, Jan Němec, Jaromil Jireš, Evald Schorm, Vojtěch Jasný, Jan Schmidt, Zbyněk Brynych, Juraj Herz, Juraj Jakubisko, Peter Solan, Štefan Uher, Ján Kadár, Elo Havetta.

Charakteristik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tschechoslowakische Neue Welle nahm Anregung bei der tschechischen Avantgarde-Literatur der Gruppe Devětsil und internationalen Filmbewegungen wie der französischen Nouvelle Vague, dem Italienischen Neorealismus und dem amerikanischen Direct Cinema. Die Filme sind stilistisch sehr unterschiedlich, weisen aber alle große Experimentierfreudigkeit auf. Es herrscht eine Tendenz zur unbeschwerten Komödie, in die jedoch Kritik am politischen System eingearbeitet ist.[1] Lange improvisierte Dialoge, schwarzer und absurder Humor sowie der Einsatz von Laienschauspielern waren typisch. Auch der Dokumentarfilm hatte Anteil an der Bewegung, er war vom Cinéma vérité inspiriert.

Filme (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmplakat zu Vögel, Waisen, Narren von Juraj Jakubisko
  • Der schwarze Peter (Černý Petr) von Miloš Forman, 1963
  • Von etwas anderem (O něčem jiném) von Věra Chytilová, 1963
  • Nächtliche Diamanten (Démanty noci) von Jan Němec, 1964
  • Es lebe die Republik (Ať žije republika) von Karel Kachyňa, 1965
  • Der Leichenverbrenner (Spalovač mrtvol) von Juraj Herz, 1965
  • Liebe nach Fahrplan (Ostře sledované vlaky) von Jiří Menzel, 1966
  • Tausendschönchen (Sedmikrásky) von Věra Chytilová, 1966
  • Über das Fest und seine Gäste (O slavnosti a hostech) von Jan Němec, 1966
  • Die Liebe einer Blondine (Lásky jedné plavovlásky) von Miloš Forman, 1966
  • Der Feuerwehrball (Hoří, má panenko) von Miloš Forman, 1968
  • Vögel, Waisen, Narren (Vtáčkovia, siroty a blázni) von Juraj Jakubisko, 1969
  • Ein Fall für einen Henkerslehrling (Případ pro začínajícího kata) von Pavel Juráček, 1969

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Hames: The Czechoslovak New Wave. Berkeley u. a. 1985
  • Antonín Jaroslav Liehm: Closely Watched Films. The Czechoslovak Experience. White Plains 1974
  • Jonathan L. Owen: Avant-garde to New Wave. Czechoslovak cinema, surrealism and the Sixties New York, Oxford 2011
  • Hana Slavíková: Český a slovenský televizní film šedesátých let. Průniky s novou vlnou. Brno 2007

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Philipp Brunner: Tschechoslowakische Neue Welle. In: Lexikon der Filmbegriffe. Hans J. Wulff und Theo Bender, abgerufen am 26. Mai 2014.